„Ich bin ein Gewohnheitsvieh“

Menschen / 18.01.2022 • 21:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Christian Tramitz im Gespräch zur Jubiläumsstaffel der Krimiserie „Hubert ohne Staller“.

münchen Sie gehören zu den schrägsten Cops im deutschen Fernsehen: Die Streifenpolizisten aus der Serie „Hubert ohne Staller“ – in der zehnten Staffel der Vorabendkrimis gehen sie wieder in Oberbayern auf Gaunerjagd. Hauptdarsteller Christian Tramitz erzählt im Interview über seine Rolle als Polizist Franz Hubert. 

 

Seit rund zehn Jahren spielen Sie den missgelaunten bayerischen Polizisten Franz Hubert. Macht es Ihnen noch Spaß?

Tramitz Ja, nach wie vor, auch wenn ich als Polizist sicherlich nicht den Eindruck erwecke. Der einzige Nachteil ist: Wir drehen oft in der kalten Jahreszeit bei Schnee und Matsch, und da friere ich oft in dieser dürftigen Polizeijacke. 

 

Hubert selber ist ja nicht gerade ein Sonnenschein…

Tramitz Er hat Emotionen, die aber immer an der falschen Stelle rauskommen. Die Figur habe ich mir im Lauf der rund 160 Folgen zusammengesponnen, und es stecken viele Sachen von mir selber drin. Im Sozialverhalten von Hubert ist schon manchmal etwas Christian Tramitz drin, und manchmal bin ich auch privat ein bisschen wie Hubert. So eine Rolle färbt auf einen ab und umgekehrt.

 

Stimmt es, dass Sie nach den ersten Testvorführungen anfangs am Erfolg der Serie gezweifelt haben?

Tramitz Total. Am Anfang hat eigentlich keiner gedacht, dass das Ding so ein Langläufer wird. Alle haben gesagt: Ja, das ist schon lustig, aber das ist wahrscheinlich zu schräg für den Geschmack der Zuschauer. Aber dem war nicht so, die Leute haben sich darauf eingelassen und relativ schnell angefangen, es zu lieben. Warum es dermaßen gut funktioniert hat, kann ich bis heute nicht sagen, da steckt natürlich auch Glück drin.

 

Die Serie ist von Ihrem schwarzen Humor geprägt. Wie viel davon akzeptieren die Fans? 

Tramitz Bestimmt gibt es manchmal Sachen, die so schwarzhumorig sind, dass sie den ein oder anderen vor den Kopf stoßen – aber so ein Format muss ja auch polarisieren. Ich selber geh da nach meinem Bauchgefühl, wie hart es sein darf.

 

Sind Ihnen normale Fernsehkrimis zu konventionell?

Tramitz Meistens. Ich gucke deswegen wenig Krimis. Es interessiert mich einfach nicht so.

 

Bis 2018 hieß die Serie „Hubert und Staller“, dann stieg Ihr Kollege und Freund Helmfried von Lüttichau alias Staller aus.

Tramitz Damals gab es viele, die sagten, ohne Staller ist es nicht mehr das, was es war. Aber trotz aller Unkenrufe hat es funktioniert, wir haben die Kurve gekriegt. Und so weh mir Helmfrieds Ausstieg getan hat, dieses Durchrotieren hat frischen Wind in die Serie gebracht. Der ehemalige Revierleiter Girwidz, gespielt von Michael Brandner, wurde degradiert und sitzt jetzt als Beifahrer bei mir im Streifenwagen. Wir haben eine Chefin, insgesamt mehr Frauen. Durch die Spielweise der Neuen kommt ein anderer Zug rein, die Szenen kriegen ein anderes Tempo. 

 

Wenn man die Einträge in Fan-Foren liest, gewinnt man den Eindruck: Manche finden die Serie sogar noch besser als vorher.

Tramitz Sowas erreicht man nur ganz selten. Ich bin ja zum Beispiel auch ein Gewohnheitsvieh und mochte zum Beispiel die Sitcom „Two And a Half Man“ mit Charlie Sheen sehr gerne – aber als er ausgestiegen ist, das fand ich furchtbar. Oft sind die Leute ja schon sauer, wenn deutsche Synchronstimmen wechseln. Umso erstaunlicher finde ich es, dass die Fans nach Helmfrieds Ausstieg den Weg der Serie mitgegangen sind.

 

Kann die echte Polizei eigentlich darüber lachen, wie sie in der Serie dargestellt wird?

Tramitz Total, die sind große Fans der Serie. Ich lebe ja hier auf dem Land und habe einen sehr guten Kontakt zur hiesigen Polizei. Wenn die ein Sozialprojekt machen, rufen sie mich an und fragen: Kannst du da nicht hinkommen? Und das mache ich auch gerne. Von denen stammt der Satz: „Ihr seid manchmal näher an der Wirklichkeit als ihr denkt!“ Beunruhigend! ski

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