Stark durch die Schläge des Lebens

Menschen / 01.02.2022 • 16:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Furkan ist überglücklich, dass er die Krankheit überlebt hat.

Furkan ist überglücklich, dass er die Krankheit überlebt hat.

Furkan Yalcin (19) litt an Krebs im Endstadium. Heute ist er krebsfrei und dafür unglaublich dankbar.

Bludenz Der Krebs ist weg. Furkan Yalcin (19) musste vor Glück weinen, als ihm die Ärzte am 19. Jänner diese gute Nachricht übermittelten. Hinter Furkan liegen dunkle Jahre. Die Tragödie begann im November 2018 mit einem geschwollenen Lymphknoten in der Leiste. Furkan begab sich in ärztliche Behandlung, „aber niemand wusste, warum meine Lympknoten immer größer wurden. Zwei Biopsien erbrachten einen unauffälligen Befund“. Dem Friseurlehrling ging es von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, schlechter. Im November 2019 wurde ein Bauchultraschall gemacht. Das Ergebnis war niederschmetternd. „Mein Bauch war voller Metastasen.“ Die Diagnose warf Furkan um: Lymphdrüsenkrebs im Endstadium. „Mein ganzer Körper war voller Krebszellen. Nur die Lunge und das Gehirn waren frei von Metastasen.“ Die Tumore drückten auf sein Herz und seine Lunge. „Weil ich keine Luft mehr bekam und ich jederzeit einen Herzstillstand erleiden hätte können, brachte man mich auf die Intensivstation.“ Seine Überlebenschancen waren gering. Aber die Chemotherapien schlugen gut an, sie schwächten ihn jedoch sehr. „Während der Chemo war ich so schwach, dass ich nicht einmal sitzen konnte.“

Rückblickend sieht er es als Wunder an, dass er überlebt hat. „Damit hatte ich nicht gerechnet“. Die lebensbedrohliche Krankheit machte ihn schnell erwachsen. Früher glaubte Furkan, dass er unsterblich ist. Doch dann kam er mit seiner eigenen Sterblichkeit in Berührung. Seither schätzt er sich und sein Leben viel mehr. „Ich liebe mich heute viel stärker.“ Die Krankheit zeigte ihm auch die Kostbarkeit des Lebens auf. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man leben darf.“ Es erfüllt ihn bereits mit Freude, dass er morgens aus dem Bett kommt und in die Küche zur Kaffeemaschine gehen kann. Es gab Tage, an denen er das nicht konnte. Denn die Krebserkrankung und -therapie schädigten seine Hüften. „2020 versagte meine rechte Hüfte. Auf einen Schlag war ich ans Bett und an den Rollstuhl gefesselt.“ Zwei Monate musste der gehandicapte Mann auf die Operation warten. „Diese Zeit habe ich kaum verkraftet. Das war für mich ein Schlag zu viel – nach allem, was ich durchgemacht hatte. Ich versank in Depressionen, aß und trank kaum noch etwas.“ Nach der Hüftoperation ging es mit Furkan aber schnell wieder aufwärts. Im März muss er sich jedoch schon wieder einem Eingriff unterziehen. Jetzt steht die linke Hüfte an. Furkan ist zuversichtlich: „Ich werde auch das schaffen.“ Überhaupt ist er überzeugt davon, dass er dem Leben und seinen Schlägen gewachsen sein wird. „Mittlerweile bin ich ja belastbar. Außerdem habe ich Vertrauen in mich.“ Dem Leben selbst hingegen steht er misstrauisch gegenüber. „Dann bin ich nicht so schockiert, wenn etwas Schlechtes passiert.“

Die erste große Krise in seinem Leben erlebte Furkan mit acht Jahren. Damals trennten sich seine Eltern, die als Gastarbeiter aus der Türkei nach Vorarlberg gekommen waren. „Das zerriss mich innerlich. Ich fand damals keinen Trost.“ Mit der Scheidung kam es zu einem sozialen Abstieg. „Mama tat alles, um uns durchzubringen. Sie opferte sich für mich auf. Aber es gab Tage, an denen nichts auf den Tisch kam.“ Die finanziell sorgenvolle Zeit schweißte Mutter und Sohn zusammen. Nur ein einziges Mal kam es zwischen den beiden zu einem Streit. „Mit 13 outete ich mich als homosexuell. Mama meinte, das würde nach der Pubertät verschwinden.“ Daraufhin verfiel Furkan in tiefe Traurigkeit. „Ich bin die ganzen Sommerferien nicht aus dem Haus gegangen.“ VN-kum

„Es ist ein Wunder, dass ich überlebt habe. Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Furkan ist gerne Friseur. Demnächst tritt er zur Lehrabschlussprüfung an.

Furkan ist gerne Friseur. Demnächst tritt er zur Lehrabschlussprüfung an.

Furkan und seine Mama. Sie war ihm die größte Stütze.

Furkan und seine Mama. Sie war ihm die größte Stütze.

Ein Foto aus der Zeit, als Furkan um sein Leben kämpfte.

Ein Foto aus der Zeit, als Furkan um sein Leben kämpfte.

Zur Person

Furkan Yalcin

ist voller Tatendrang. Zuerst möchte er die Friseurlehre abschließen und dann Medizin studieren.

Geboren 17. Juni 2002

Ausbildung Friseur

Familie ledig

Hobbys Tanzen, Eislaufen