Begegnungen ermöglichen

Menschen / 29.06.2022 • 16:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vor Kurzem erst fand das Use What You Have-Festival im Würbel-Areal statt, hier Gertrud Würbel mit den Organisatorinnen des Festivals.
Vor Kurzem erst fand das Use What You Have-Festival im Würbel-Areal statt, hier Gertrud Würbel mit den Organisatorinnen des Festivals.

Gertrud Würbel aus Bludenz steht für soziales und kulturelles Engagement.

BLUDENZ Menschen zusammenzubringen und Dialoge zu ermöglichen war für Gertrud Würbel immer schon wichtig. „Ich bin hier in Bludenz im Würbel-Areal aufgewachsen. Das Haus wurde von meinem Ururgroßvater erbaut und war immer mein Zuhause“, betont sie die Bedeutung ihres bis in die fünfte Generation reichenden Wohnsitzes. Die heute 68-jährige Frau verbrachte dort auch eine wunderbare Kindheit: „Der Garten war schon damals ein Ort der Begegnung.“ Und es gab immer viel zu tun: Obst, Gemüse, Kräuter, all das war zu ernten.

Gertrud Würbel hat viele freudvolle Erinnerungen. So ist es ihr auch ein großes Anliegen, das Gebäude und den Garten auch in Zukunft einer dem Gemeinwohl nützenden Widmung zuzuführen. Die Stadt Bludenz zeigte Interesse und hat das Gesamtareal erworben. „Das macht mich glücklich, denn ich habe keine Familie mehr und so bekommt es jetzt Stadtfamilie.“

Der soziale Gedanke war auch in ihrer Herkunftsfamilie immer ein zentraler Punkt „Meine Vorfahren waren größtenteils Unternehmer, ihrem christlichen Gedankengut folgend, war es ihnen jedoch immer sehr wichtig, Notleidende zu unterstützen“, erzählt Gertrud Würbel, die selber Sozialkompetenz und Engagement auszeichnen. Aber auch Mut, Innovationskraft und Empathie. Schon im Gymnasium erkämpfte sie sich damals einen Platz im neusprachlichen Zweig, was für Mädchen in dieser Zeit noch ziemlich unüblich war. „Ich habe mich damals auch für Sprachen, Kunst und Musik sehr interessiert, aber meine Studienwahl fiel ohne lange zu überlegen auf Psychologie.“

Während ihres Studiums in Salzburg fand sie in Professor Igor Caruso einen wichtigen Mentor, der sie nachhaltig inspirierte. Zu dieser Zeit hatte er den einzigen Lehrstuhl in Österreich für Psychoanalyse inne: „Er war Kosmopolit, umfassend und ebenso weit in seinem Denken und zutiefst religiös verankert. Er war für mich ein ausgezeichneter geistiger Wegbegleiter.“ In ihrer Dissertation befasste sie sich mit frühkindlichem Autismus: „Dabei ging es unter anderem auch um die Entstehung von Kommunikation und wie diese gelingen kann, auch hierin fand das Thema Begegnung Beachtung.“

Begegnungen zu ermöglichen, diese Intention zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der innovativen Psychotherapeutin. Ihr erstes Aufgabengebiet fand sie damals beim Institut für Sozialdienste in Bregenz. „Ich hatte eine dreimonatige Praktikumsstelle und es gelang mir in der Zeit, mich unentbehrlich zu machen“, erinnert sie sich humorvoll. Es war eine Zeit des Aufbruchs, alle sozialen Institutionen, die heute eine Selbstverständlichkeit sind, waren Anfang der 1980er-Jahre im Entstehen. Vom damaligen IfS-Leiter Manfred Dörler wurde Gertrud Würbel mit dem Aufbau einer Beratungsstation im Bregenzerwald betraut.

Den Vertrauensvorschuss und die Erfahrungen nahm die Sozialpionierin in weitere Projekte mit. Als in den 1990ern der Bundesverband für Psychotherapie gegründet wurde, war sie als Vizepräsidentin eine der Initiatorinnen für Psychotherapie auf Krankenschein. Das Ergebnis sei allerdings ernüchternd ausgefallen. Einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit bildete die Unterstützung von Flüchtenden während des Balkankriegs. Neben kostenloser Therapie für Flüchtlinge, die im damaligen Galina-Areal in Nenzing untergebracht waren, startete sie erfolgreich das Projekt Susret Art, bei dem Textilprodukte nach Entwürfen von teils international anerkannten Künstlern hergestellt wurden. Ausstellungen in New York und in Los Angeles folgten. Ihre Privatpraxis führt Gertrud Würbel inzwischen auch neun Jahre nach ihrer Pensionierung immer noch in Bregenz weiter. Und es wäre nicht sie, wenn es nicht auch da einen besonderen Schwerpunkt gäbe: In Zusammenarbeit mit der Forensik des Landeskrankenhauses Feldkirch bietet sie Therapien für Haftentlassene an. BI

„Das macht mich glücklich, denn ich habe keine Familie mehr und so bekommt es jetzt Stadtfamilie.“

Gertrud Würbel im Würbel-Areal.
Gertrud Würbel im Würbel-Areal.
Kulturstadtrat Cenk Dogan und Gertrud Würbel tauschen sich regelmäßig über Kunst und Kultur aus.
Kulturstadtrat Cenk Dogan und Gertrud Würbel tauschen sich regelmäßig über Kunst und Kultur aus.
Kunst und Soziales stehen bei Gertrud Würbel ganz zentral, hier bei einem Besuch einer Veranstaltung in der Villa Falkenhorst mit Adriane Vonbank.
Kunst und Soziales stehen bei Gertrud Würbel ganz zentral, hier bei einem Besuch einer Veranstaltung in der Villa Falkenhorst mit Adriane Vonbank.

Zur Person

GERTRUD WÜRBEL

Geboren 1953

Wohnort Bludenz

Hobbies Kräuter sammeln, Malen,

Lebensmotto Tue recht und scheue niemanden!