Der Glöckner von Silbertal

Menschen / 19.07.2022 • 17:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Für Ludwig Zudrell ist ein gepflegtes Ortsbild immer wichtig.est (4)
Für Ludwig Zudrell ist ein gepflegtes Ortsbild immer wichtig.est (4)

Ludwig Zudrell war 29 Jahre lang als Bauhofleiter bei der Gemeinde Silbertal tätig.

Silbertal Fast drei Jahrzehnte lang hatte Ludwig Zudrell, auch „Felsen Ludwig“ genannt, eine zentrale Arbeitsstelle in der Gemeinde. Seit Juni ist der Neo-Pensionist im wohlverdienten (Un-)Ruhestand angekommen. Er war zuständig für die Instandhaltung der Wanderwege, für die Sicherung aller Treppen und Brücken sowie für den Winterdienst in der Gemeinde. Da kommen schon einige Kilometer zusammen. Das Gemeindegebiet reicht nämlich bis zum Hasahüsli oberhalb des Fellimennlis.

Sämtliche Gemeindegebäude, wie zum Beispiel das Schulhaus, wurden in Ludwig Zudrells Dienstzeit saniert, neu eingedeckt und tragen seine Handschrift. Auch das Gemeindezentrum in Silbertal sowie der Spielplatz lagen ihm am Herzen. Das Zentrum ist das Aushängeschild einer Gemeinde. Daher wurde es vom Bauhofleiter mit Blumen versehen. „Ich bin übrigens der Glöckner von Silbertal, also der Turmwärter der Dorfkirche“, verrät Ludwig Zudrell und lacht. Als solcher hat er dafür gesorgt, dass die Glocken zu allen Anlässen läuten. „Das war früher nicht so einfach wie heute“, erzählt er.

Auf den Alpen Platina und Mutt, die im Gemeindegebiet von Silbertal liegen, ist Ludwig Zudrell Alpmeister. Auch dort musste über die Jahre einiges saniert werden. Auch für die Alpe Gafluna, die ganz im hinteren Silbertal liegt, ist er als Gemeindewerkmeister zuständig. „Auf der Alpe geht die Arbeit nie aus“, weiß der frisch Pensionierte.

Im Dorf haben sich mit den Jahren die Tätigkeiten verdoppelt, wie er erzählt: „Wenn man so lange bei der Gemeinde beschäftigt war, weiß man: es gibt allerhand zu tun. Nun habe ich alles an meine Nachfolger und damit in gute Hände übergeben.“

Ein Herz für die Landwirtschaft

Langweilig wird ihm jedoch nicht, wie er erzählt. Ludwig Zudrell betreibt nämlich mit seiner Familie „auf dem Felsen“, nicht weit vom Dorfzentrum entfernt, einen Bauernhof mit etlichen Milchkühen. Als Landwirt liegt ihm das Wohl der Tiere am Herzen. Eine artgerechte Haltung steht bei ihm daher ganz oben. Gelernt hat er ursprünglich den Beruf des Zimmermanns. Das Handwerk komme ihm bis heute noch zugute, wie er erzählt: „Im Winter wird alles, was an den Werkzeugen lottert, wie zum Beispiel bei Pickeln und Schaufeln, wieder auf Vordermann gebracht.“ Mit Vorliebe betreut er sein Maisäß Wollaborg am Kristberg als zusätzlich genutzte Landwirtschaft.

Der Sonnenschein der Familie

Trotz der vielen Arbeit kamen die Ferien nie zu kurz. Wenn Ludwig Zudrell Zeit hatte, standen Skifahren und Reisen auf dem Programm. Dann ging es gern nach Mallorca. Ein besonderes Erlebnis war das Segeln in Kroatien. Gäste auf dem Maisäß hatten die Familie damals eingeladen. „Da sind wir hart am Wind gesegelt und ich war Kapitän“, erinnert er sich.

Ein Herzstück seiner Familie ist der jüngste Sohn, Simon. Er wurde mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) geboren. „Wir hatten über die Jahre schon einige Einschränkungen, so konnten wir Simon oft nicht mitnehmen, in den Urlaub zum Beispiel“, räumt der Vater ein. Trotzdem ist das Nesthäckchen bis heute der Sonnenschein der Familie. „Unser Sohn bleibt einfach immer unser Kind.“ Mittlerweile hat Simon einen geschützten Arbeitsplatz in Schruns gefunden. Die Arbeit bereite ihm große Freude. Auch eine Freundin habe er, wie Ludwig Zudrell nicht ohne Stolz erzählt.

„Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Wir sind von Naturkatastrophen verschont geblieben“, sagt der „Felsen Ludwig“. Was er sich wünscht? „Einen schönen Lebensabend zu erleben, gesund zu bleiben und für meine Familie da zu sein. Und die alte Säge noch lange betreuen zu können.“ EST

„Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Wir sind von Naturkatastrophen verschon geblieben.“

Diese Holzbrücke über die rauschende Litz ist ein Prädikat-Stück von Ludwig Zudrell.
Diese Holzbrücke über die rauschende Litz ist ein Prädikat-Stück von Ludwig Zudrell.
Ludwig Zudrell ist stolz auf seine Familie. Besonders auf seinen Sohn Simon mit Down-Syndrom (zeigt ein Kissen mit einem Foto von Simon).
Ludwig Zudrell ist stolz auf seine Familie. Besonders auf seinen Sohn Simon mit Down-Syndrom (zeigt ein Kissen mit einem Foto von Simon).
Auch die Wanderwegetafel muss immer einladend wirken.
Auch die Wanderwegetafel muss immer einladend wirken.

Zur Person

Ludwig Zudrell

Geboren 1960 in Silbertal

Beruf Zimmermann, 17 Jahre bei Firma Brugger in Schruns, 29 Jahre bei der Gemeinde in Silbertal

Familie verheiratet mit Eugenie, drei Kinder, der dritte Enkel ist unterwegs

Essen Hausmannskost

Hobbys das Wandern, mit der Familie Zeit verbringen

Motto „Ich bin kein Schwarzseher, ich denke immer positiv“