“Irgendwann hatten sie mich am Haken”

Menschen / 25.08.2022 • 21:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vor zehn Jahren hat Barbara Salesch ihren Robe an den Nagel gehängt, jetzt kehrt sie auf den TV-Bildschirm zurück. SAT1/Stefan Menne
Vor zehn Jahren hat Barbara Salesch ihren Robe an den Nagel gehängt, jetzt kehrt sie auf den TV-Bildschirm zurück. SAT1/Stefan Menne

Barbara Salesch über ihr Comeback als TV-Richterin und ihre zweite Leidenschaft.

Köln Rote Haare, strenger Blick und eine spitze Zunge: Barbara Salesch ist wieder da. Deutschlands bekannteste TV-Richterin, die vor zehn Jahren die Robe an den Nagel gehängt hat, feiert mit einer neuen Gerichtshow ihr Comeback: In „Barbara Salesch – Das Strafgericht“ (ab 5. September, RTL) spielt die 72-jährige Juristin eine Richterin, die Strafsachen verhandelt. Die Verhandlungen sind gestellt, beruhen aber auf wahren Fällen. 

 

Frau Salesch, Sie feiern mit einer neuen Gerichtsshow Ihr TV-Comeback. Musste RTL Sie lange überreden oder haben sie gleich zugesagt?

Salesch So schnell war ich nicht. Ich habe mich geziert wie eine alte Jungfer, weil ich mein bequemes Landleben behalten wollte. Aber RTL und filmpool, die Produktionsfirma, sind hartnäckig am Ball geblieben. Irgendwann hatten sie mich am Haken. Ich wollte dabei sein. Und zwar täglich. In dem Moment hat sich bei mir ein Schalter umgelegt.

 

Was haben Sie in den vergangenen zehn Jahren gemacht?

Salesch In zehn Jahren kommt einiges zusammen: Ich habe Kunst zu Ende studiert, auf dem Land ein altes Haus mit Atelier und Werkstätten gekauft und saniert, eine Galerie eröffnet, einen großen Garten angelegt, ein Buch geschrieben, mit dem ich bis heute auf Lesereise bin, und zwei neue Knie bekommen. Dazu habe ich seit fünf Jahren einen Hund als Personal Trainer.  Ich mache Holzschnitte, zeichne aktuell viel, stelle aus, unterrichte, koche, backe, habe Gäste und super Nachbarn.

 

Knüpfen Sie nahtlos an Ihre frühere Gerichtsshow an oder gibt es einschneidende Änderungen?

Salesch Wir setzen neue Beweismittel nach modernen Standards wie WhatsApp-Verläufen, Smart Watches oder Social Media-Posts ein, die auf hochauflösenden Screens im Gerichtssaal präsentiert werden. Aber ich bin immer noch die Alte. Darauf können sich die Zuschauer verlassen. 

 

Kritiker warfen Ihnen früher vor, Ihre Show habe mit dem Gerichtsalltag wenig gemein. Wollen Sie das Justizwesen im neuen Anlauf realistischer abbilden?

Salesch Kritik ist immer gut. Aber Fernsehen und Alltag/Realität haben nichts miteinander zu schaffen. In keinem Programm. Alltag hat man zu Hause. Man will das Besondere, das Spannende sehen. Und das wird es geben. Aber alles ist wie immer juristisch korrekt. Dieser Spagat zwischen Unterhaltung und Recht ist das Schwierige an meiner Sendung. Deshalb überarbeite ich auch jedes Drehbuch eigenhändig.

 

Um was für Fälle geht es?

Salesch Wir verhandeln alles, was strafbar ist.

Die Sendung läuft wochentags, da kommt eine Menge Arbeit auf Sie zu. Andere in Ihrem Alter sind bereits seit Jahren im Ruhestand – trauen Sie sich den Stress noch zu?

Salesch Ja, ist ja positiver Stress. Viele Juristen arbeiten über die 65 hinaus. Hauptsache ich kann sitzen. Mit einer Laufrolle hätte ich jetzt meine Schwierigkeiten. Und mit Pumps auch. Ich darf deshalb auf Turnschuhen in den Saal schweben. Irgendwie war es so, als habe man nur eine längere Sommerpause gemacht. Das ging allen Mitarbeitern so. 

 

Die leuchtend roten Haare haben Sie beibehalten. Wollten Sie nicht auf Ihr Markenzeichen verzichten?

Salesch Nee. Ich bin vor über 30 Jahren errötet und hab es beibehalten. Gefällt mir so. Ich habe Farbe auf dem Kopf und muss mich nicht viel schminken.

 

Erkennen die Leute Sie eigentlich noch auf der Straße?

Salesch Ja. Selbst mit FFP-Maske.

 

Und was wird aus Ihrer Leidenschaft, der Kunst – kommen Sie überhaupt noch dazu?

Salesch In der Kunst fallen aktuell Holzschnitte und Ölbilder flach. Dafür ist keine Zeit. Aber Zeichnen geht immer. Und der Dienstag ist gesperrt. Da unterrichte ich die Kinder aus meinem Ort und der Umgebung in Kunst.

 

Warum wird die Show ein Erfolg?

Salesch Weil sie einfach gut gemachte Unterhaltung ist.

 

Und wenn‘s nicht erfolgreich ist?

Salesch Lebe ich gemütlich weiter. maw