Rebellin gegen den Klimawandel

Menschen / 25.09.2022 • 17:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marina Hagen-Canaval trug ihr Anliegen auch schon bis zum Landhaus Vorarlberg. Hagen-Canaval
Marina Hagen-Canaval trug ihr Anliegen auch schon bis zum Landhaus Vorarlberg. Hagen-Canaval

Marina Hagen-Canaval engagiert sich seit Jahren österreichweit als Klimaaktivistin.

Götzis Manch andere in ihrem Alter nutzen ihre Freizeit für sportliche Aktivitäten. Marina Hagen-Canaval hingegen, um sich an Tischen vor dem Vorarlberger Landhaus festzukleben. Die junge Frau engagiert sich neben ihrem Beruf als IT-Projektmanagerin noch als Klimaaktivistin.

Der nachhaltige Lebensstil wurde Mina, wie sie von ihrem Umfeld gerne genannt wird, praktisch in die Wiege gelegt. Schon im Jahr 2004 installierte ihr Vater die ersten Solarpaneele auf dem Hausdach der Familie. Damals noch unter dem Gespött der Nachbarn, die der Meinung waren, es würde nichts bewirken. Doch ihr Vater war überzeugt davon, dass es sich lohnt, nachhaltig zu leben. „Meine Eltern sind eher Bürger–Ökos, die sind nicht sonderlich obrigkeitshörig“, erklärt Mina lachend.

Ein Wandel fürs Leben

Dürren, tierisches Massensterben und Millionen von Menschen auf der Flucht vor Überschwemmungen wie zuletzt in Pakistan bewegten die Götznerin dazu, sich seit ihrer Jugend mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Zudem lebt die gebürtige Lustenauerin seit Jahren vegan, nachdem sie Dokumentationen zum Thema Treibhausgase und Überfischung der Meere gesehen hat. Dass sie als Individuum nicht so viel bewirken kann, wie sie sich das wünscht, merkte Marina schnell. „Ich habe dann an einem Samstag eine Dokumentation der Klimabewegung Extinction Rebellion auf ZDF gesehen und war sehr imponiert von der jungen Frau, die da gezeigt wurde“, erklärt Mina begeistert.

Nach der Absolvierung ihres Doppelmasters in Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Liechtenstein und Würzburg ging Marina für vier Monate nach Wien. Dort intensiviert sich der Kontakt zu Extinction Rebellion, auf Deutsch Rebellion gegen das Aussterben. Sie versuchen mit ihren provokanten Aktionen auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen. Grund dafür ist, dass sie mit ruhigen Maßnahmen keinen Wandel in der Politik erreicht haben.

Sie bezeichnen sich selbst Gewaltgegner, auch bei persönlichen Angriffen bleiben sie passiv. „Wir sind zu vielem bereit. Solange unsere Aktionen nichts verändern, machen wir weiter“, erklärt die junge Frau bestimmt. Die Politik soll keine Symptombekämpfung machen, sondern die Probleme bei der Wurzel packen, fordert die Bewegung.

Großes Engagement 

Heute ist sie neben Extinction Rebellion auch noch bei der Gruppierung „Letzte Generation“ tätig, die ebenfalls im Klimaschutz tätig ist. Neben ihrer Karriere als Klimaaktivistin ist Marina auch politisch für die Grünen auf Gemeindeebene aktiv. „Ich wäre gerne selbst im Parlament tätig, aber bis ich dort Fuß fassen kann, ist es schon zu spät für unseren Planeten“, erzählt Mina resigniert. Als Erstes würde sie als Politikerin Tempo Hundert auf der Autobahn durchsetzen sowie ein Gesetz für die Rettung von Lebensmitteln und generell die ausgearbeiteten Vorschläge des Klimarates umsetzen.

Nicht nur Rebellin

Ihr Beruf als IT–Projektmanagerin ist der perfekte Gegenpool neben dem Aktivismus. Sie liebt es, sich mit ihren Kundinnen und Kunden auszutauschen. „Ich bin erstaunt, dass mir so wenig Hass entgegengebracht wird“, erklärt die Klimaaktivistin. Im Gegenteil, oftmals sind Menschen sehr interessiert an ihrer Meinung.

Sie selbst rät anderen auf die Frage, was sie zu Hause für die Umwelt tun können, neben dem Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln ihre Ernährung umzustellen und kalt zu duschen, auch wenn ihr Letzteres oft selbst schwerfällt. VN-EMK

„Wir sind zu vielem bereit. Solange unsere Aktionen nichts verändern, machen wir weiter.“

Mina Hagen-Canaval ist seit ihrer Jugend eine Rebellin gegen den Klimawandel.
Mina Hagen-Canaval ist seit ihrer Jugend eine Rebellin gegen den Klimawandel.
Auch vor der Wirtschaftskammer klebte sich die Götznerin schon fest.
Auch vor der Wirtschaftskammer klebte sich die Götznerin schon fest.
In Wien sorgen die Aktivisten im Kampf gegen fossile Brennstoffe für Aufsehen. 
In Wien sorgen die Aktivisten im Kampf gegen fossile Brennstoffe für Aufsehen. 

Zur Person

Marina Hagen-Canaval

Geboren 27. 5. 1996

Wohnort Götzis

Ausbildung Doppelmaster in Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Liechtenstein und Würzburg

Beruf IT-Projektmanagerin

Familie ledig

Hobbys Spazieren, Bouldern, Klima­aktivismus

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