Jerry Lee Lewis mit 87 Jahren gestorben

Menschen / 28.10.2022 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">AP</span>Jerry Lee Lewis und sein Klavier (1975)
APJerry Lee Lewis und sein Klavier (1975)

Pianist unter anderem für Klassiker “Great Balls of Fire” berühmt.

New York Die Rock’n’Roll-Legende Jerry Lee Lewis ist tot. Der unter anderem für den Klassiker “Great Balls of Fire” bekannte Sänger und Pianist starb im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Desoto County, Mississippi, eines natürlichen Todes, wie sein Agent am Freitag mitteilte. Seine siebente Ehefrau, Judith Coghlan Lewis, sei an seiner Seite gewesen. Jerry Lee Lewis galt als einer der einflussreichsten Künstler der Musikgeschichte.

Zuletzt hatte er allerdings, unter anderem nach einem Schlaganfall 2019, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Zuvor war der 1935 in Ferriday im US-Staat Louisiana geborene Lewis mit dem Spitznamen “The Killer” noch im hohen Alter auf der Bühne gestanden und seine Fans begeistert. Lewis galt – neben Elvis Presley, Chuck Berry und Little Richard – als einer der Könige des Rock’n’Roll.

Jerry Lee Lewis bei einem Auftritt in New York 2006.
Jerry Lee Lewis bei einem Auftritt in New York 2006.

Lewis war einer der Pioniere des Rock’n’Roll, er war Freund und zugleich Konkurrent von Elvis Presley. Seinen großen Durchbruch hatte er 1957 mit dem Hit “Whole Lotta Shakin’ Goin’ On”, dessen Text so provokativ war, dass ihn einige Radiosender anfangs nicht spielen wollten. Es folgten Hits wie “Great Balls of Fire” – einer seiner größten Erfolge und später Titel eines Films über ihn mit Schauspieler Dennis Quaid – und “Breathless”.

Vor rund einer Woche war auf dem Instagram-Profil von Lewis ein Bild veröffentlicht worden, auf dem ihm Musiker Kris Kristofferson die Urkunde über die Aufnahme in die Ruhmeshalle des Country überreicht. Lewis liegt auf dem Bild im Krankenbett mit Medikamenten auf dem Nachttisch und wirkt geschwächt. Schon am Mittwoch hatte das US-Portal “TMZ” Lewis unter Berufung auf einen Sprecher des Musikers für tot erklärt, der Meldung wurde aber von Vertrauten widersprochen. “TMZ” entschuldigte sich für den Fehler.

Bei einem Auftritt 1980 in Hamburg. <span class="copyright">APA/DPA<span class="copyright"></span></span>
Bei einem Auftritt 1980 in Hamburg. APA/DPA

Lewis Musik war eine wilde Mischung aus Jazz, Country, R&B und Boogie. Er war unter den ersten, die einen Platz in der Ruhmeshalle des Rock bekamen. Zu seinen Fans gehörten auch zahlreiche berühmte Musiker, die von seiner Musik beeinflusst wurden: Beatles-Sänger John Lennon soll ihm beispielsweise bei der ersten Begegnung die Füße geküsst haben.

Das Rockerleben von Lewis, Spross einer Familie christlicher Fundamentalisten, war gezeichnet von Drogen, Gewalt, Sex, Schulden und Tod. Der Rocker mit dem strohblonden, ins Gesicht hängenden Haar war berüchtigt dafür, Konzerte in letzter Minute abzusagen. Meistens “pumpte” Jerry Lee sein Piano im Stehen, setzte oder stellte sich auch darauf. In mehreren Live-Auftritten zündete er den Flügel nach getaner Arbeit an.

Kaum weniger bewegt als seine Laufbahn war Lewis’ Privatleben. Ein Sohn armer Bauern, der Bruder früh gestorben, war er selbst am Ende sieben Mal verheiratet, das erste Mal mit 16 Jahren. Gerade volljährig wurde er Vater, allerdings schon mit der zweiten Frau. Insgesamt hatte er sechs Kinder, von denen zwei schon vor ihm starben. Seine siebente Ehefrau Judith Coghlan Lewis war bei seinem Tod an seiner Seite.

Ehe Nummer drei wurde ihm beruflich zum Verhängnis. Er war 22, als er seine 13-jährige Großcousine Myra Gale Brown heiratete. In Großbritannien löste dieses Verhalten einen Sturm der Entrüstung aus und zwang Lewis, seine Tournee am dritten Abend abzubrechen. In den USA sollte er nie wieder einen Top-20-Hit landen.

Der gemeinsame Sohn von Lewis mit Myra ertrank 1962 dreijährig im Pool. Das gleiche Schicksal ereilte Ehefrau Nummer vier. Ein 19-jähriger Sohn starb 1973 bei einem Autounfall, seine fünfte Ehefrau 1983 offenbar an einer Überdosis Heroin. Lewis’ bewegtes Leben wurde 1986 mit Dennis Quaid in der Hauptrolle unter dem Titel “Great Balls of Fire” verfilmt.

Angst, wegen seiner Musik zur Hölle verdammt zu sein, hatte Lewis immer wieder zu Protokoll gegeben. “Ich war immer besorgt, ob ich im Himmel oder der Hölle landen werde”, sagte er 2015 dem britischen “Guardian”. “Ich sorge mich weiterhin, abends vor dem Zubettgehen. Es ist eine sehr ernste Situation. Wohin komme ich nach meinem letzten Atemzug?”

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