Bedeutung der Vergangenheit

Menschen / 22.11.2022 • 17:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Otto Schwald mit seinem neuesten Buch über die Geschichte Vorarlbergs.
Otto Schwald mit seinem neuesten Buch über die Geschichte Vorarlbergs.

Historiker Otto Schwald lebt seine Leidenschaft für die heimische Sport- und Zeitgeschichte.

BLUDENZ „Wer nur in der Gegenwart lebt, hat nur den Augenblick und somit nichts. Das Wissen über die Herkunft ist wichtig“, betont Otto Schwald. Denn über das Wissen über die Vergangenheit weite sich der Blick. „Eigentlich könnte aus früheren Fehlern gelernt werden, was jedoch oft nicht der Fall ist, dazu muss man nur die aktuellen Ereignisse wie etwa in der Ukraine betrachten“, führt der 68-jährige Historiker weiter aus. Durch die Auseinandersetzung mit der kollektiven und individuellen Vergangenheit eröffne sich ein anderer Bedeutungshorizont: „Man nimmt sich im Gesamtgeschehen selber nicht mehr so wichtig.“

Leidenschaft geweckt

Gute Pädagogen können prägend für den weiteren Lebensverlauf ihrer Schüler sein. Jedenfalls war dies bei Otto Schwald der Fall. Der Unterricht seines damaligen Volksschullehrers ließ bei ihm schon in der dritten Klasse den Berufswunsch reifen, Lehrer zu werden. Von diesem Wunsch kam er nie ab. Durch weitere Lehrer am Gymnasium Bludenz wurde nicht nur sein Berufswunsch verstärkt, sondern auch noch eine Leidenschaft geweckt, die Begeisterung für Geschichte. Die Entscheidung für ein Lehramtsstudium in Geschichte/Deutsch fiel Otto Schwald durch seine Erfahrungen in der Schule leicht. Bereut hat er dies nie: „Die Arbeit mit Schülern hat mir immer Freude gemacht. Ich habe bis zu meinem letzten Tag am Gymnasium Bludenz sehr gerne unterrichtet.“

Zahlen und Statistiken bilden für den gebürtigen Nüziger eine wertvolle Grundlage. Ein besonderes Faible hegt er für die Sportgeschichte. „Ich habe ein riesiges Sportarchiv bei mir zu Hause. Ein ganzer Raum ist gefüllt mit Ordnern, Büchern und Zeitungsausschnitten. Glücklicherweise hat meine Frau Elisabeth viel Geduld mit mir“, sagt Schwald. Er habe alle Sportresultate vor der Zeit der Digitalisierung archiviert. Aus diesem Fundus entstanden Bücher für den Österreichischen sowie für den Vorarlberger Skiverband, aber auch ein biografisches Nachschlagewerk über 700 österreichische Wintersportler. Als Historiker sei er vor allem daran interessiert, wie Sportarten entstanden seien.

Aber auch die Geschichte der Stadt Bludenz und Vorarlberg insgesamt sind ein Thema, dem er sich intensiv gewidmet hat. So entstand beispielsweise eine Trilogie zur Historie von Gastronomie, Handel und Gewerbe sowie Industrie in der Alpenstadt.

Mit der ihm eigenen Akribie dokumentierte er die Bludenzer Geschichte gründlich: „Die Ursprungsfotos waren größtenteils sehr alt. Mir war es vor allem wichtig, die Veränderungen in der Stadt anhand von einzelnen Gebäuden zu dokumentieren. Wichtig war mir, den historischen Kontext der jeweiligen Gebäude zu berücksichtigen, wie beispielsweise beim ehemaligen Schlachthof, der sich unter der Übergangsbrücke nach Bürs befand. Heute ist dort ein Parkplatz.“

Akribische Recherche

Bei seinen Recherchen war jeweils viel Archivarbeit nötig, nicht zuletzt deshalb, weil Otto Schwald ausgesprochen viel Wert auf große Genauigkeit seiner Ausführungen legt. „Meine Frau ist immer meine erste kritische Lektorin“, erklärt er. Während sich viele Autoren um eine Veröffentlichung ihrer Werke bemühen müssen, war dies für ihn kein Thema. Er wurde mehrfach von Verlagen für lokale historische Aufarbeitungen in Buchform angefragt. Und so entstand sein neuestes Werk: 55 Meilensteine der Geschichte Vorarlbergs.

Das wird morgen, Donnerstag, in der Villa Falkenhorst in Thüringen präsentiert. „Mir fiel die Themenauswahl nicht leicht. Ich habe jedoch vorab mit einigen Historikerkollegen sowie mit meinen Kindern Christiane und Sebastian, die beide ebenfalls unter anderem Geschichte studiert haben, besprochen, welche Kriterien berücksichtigt werden sollten. Das war sehr hilfreich.“ Die Faszination für die unmittelbare Geschichte Vorarlbergs bleibt ungebrochen. BI

„Wer nur in der Gegenwart lebt, hat nur den Augenblick und somit nichts.“

Die Enkelkinder sind ein weiterer neuer Lebens­inhalt für Otto Schwald.
Die Enkelkinder sind ein weiterer neuer Lebens­inhalt für Otto Schwald.
Computer statt Klasse als neuer Arbeitsplatz.
Computer statt Klasse als neuer Arbeitsplatz.
Otto Schwald war immer mit Begeisterung Lehrer, hier bei der letzten Matura im Jahr 2017 mit Direktor Abl.
Otto Schwald war immer mit Begeisterung Lehrer, hier bei der letzten Matura im Jahr 2017 mit Direktor Abl.
Elisabeth und Otto Schwald verbindet unter anderem die Begeisterung für Kultur.
Elisabeth und Otto Schwald verbindet unter anderem die Begeisterung für Kultur.

Zur Person

OTTO SCHWALD

Geboren 24. Juni 1954

Familie verheiratet mit Elisabeth, drei Kinder, fünf Enkel

Wohnort Bludenz

Hobbys Geschichte, Lesen, Musik, Kunst, Philatelie, Reisen

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