Das ist der neue Chef im “Katrina” in Bezau

Menschen / 02.02.2024 • 07:00 Uhr
Der junge Bregenzerwälder möchte attraktive Arbeitsplätze bieten. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Der junge Bregenzerwälder möchte attraktive Arbeitsplätze bieten. VN/Steurer

Die VN haben die Bregenzerwälder Gastro-Familie Krieg besucht und mit ihr über Generationenwechsel und Zukunftspläne gesprochen.

Bezau Das Café-Restaurant Katrina ist seit Jahren eine Institution in Bezau und für ein kreatives Speisenangebot rund um hausgemachte Nudeln, Röstipizza, Gemüse-Paella und eine Salatsauce mit Geheimrezeptur bekannt. „Viele haben uns nicht zugetraut, dass wir das schaffen. Aber wir sind mit dem Konzept gleich gut angekommen“, erinnert sich Marianne Krieg an Zeiten, in denen es noch mehr Gasthäuser im Dorf gab.

Nun sitzt die 65-Jährige an einem der Tische im Katrina und blickt sich im Lokal um. „Mit fünf Kindern, Haus, dem Betrieb und Schulden war das schon eine Herausforderung“, sagt sie rückblickend. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter (63) hat sie den Betrieb aufgebaut. Nun steht nach 33 Jahren ein Generationenwechsel an. Sohn Kilian hat Anfang des Jahres das Zepter übernommen.

Kilian, Marianne und Peter Krieg starten in einen neuen Lebensabschnitt.<span class="copyright"> VN/Steurer</span>
Kilian, Marianne und Peter Krieg starten in einen neuen Lebensabschnitt. VN/Steurer

„Ich bin voll glücklich und dankbar für die Chance, das weiterzuführen, was meine Eltern aufgebaut haben“, sagt der neue Chef. Er ist mit vier Geschwistern aufgewachsen und bezeichnet sich selbst als „das Küken“. Für ihn war dieser Weg eigentlich gar nicht so klar vorgezeichnet. Der junge Mann mit dem lockigen dunkelbraunen Haar hatte nach dem Poly erst einmal eine Lehre als Elektroinstallateur und Anlagenelektriker absolviert. „Gekocht habe ich aber immer schon sehr gerne”, fügt der 28-Jährige hinzu. Schließlich waren es Gerüchte über ein mögliches Aus des „Katrina“, die ihn zu einer weiteren Lehrausbildung als Gastronomiefachmann, also als Koch und Kellner, und die Betriebsübernahme bewogen haben.

Der neue Chef hat sich in der Küche immer schon wohlgefühlt. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Der neue Chef hat sich in der Küche immer schon wohlgefühlt. VN/Steurer

„Das macht uns natürlich sehr glücklich“, sagt Mama Marianne und wirkt dabei sichtlich erleichtert. Corona-Pandemie und Ungewissheit über die Nachfolge hatten ihr und ihrem Mann Peter in den vergangenen Jahren doch einige Sorgen bereitet. Auch die allgemeinen Entwicklungen in der Gastronomie verfolgen die beiden aufmerksam. Sie sehen die Teuerung und eine immer schnelllebiger werdende Gesellschaft als Negativspirale für die Branche. „Früher haben sich die Jungen noch im Gasthaus getroffen, heute läuft vieles nur noch über das Smartphone“, erläutert Seniorchef Peter seine Wahrnehmung und fügt hinzu: „Wenn die Generation Stammtisch ausstirbt, dann weiß ich auch nicht.“

Die Familie hat ein leer stehendes ehemaliges Schuhgeschäft in ein modernes Restaurant verwandelt.
Die Familie hat ein leer stehendes ehemaliges Schuhgeschäft in ein modernes Restaurant verwandelt.

Marianne und Peter haben ihr ganzes Berufsleben der Gastronomie gewidmet. Kennengelernt haben sie sich bei der Arbeit in einem Restaurant in Zürich. „Irgendwann fiel dann die Entscheidung, nach Österreich zurückzukehren, weil wir lieber hier leben.“ Im Jahr 1991 startete das Gastro-Paar in Bezau im Café am Platz in die Selbstständigkeit. Neun Jahre später ergab sich für die beiden die Möglichkeit, in die Räumlichkeiten des ehemaligen Schuhgeschäfts von Katrina, der Frau von Mariannes Patenonkel, zu übersiedeln. Im Jahr 2000 wurde umgebaut und das Restaurant eröffnet.

Das "Katrina" befindet sich in der Nähe des Wälderbähnle-Bahnhofs.
Das "Katrina" befindet sich in der Nähe des Wälderbähnle-Bahnhofs.
Auch ein Gastgarten lädt zum Verweilen ein. <span class="copyright">Katrina</span>
Auch ein Gastgarten lädt zum Verweilen ein. Katrina

„Ich war der erste im Bregenzerwald, der Chinesisch gekocht hat“, erzählt Seniorchef Peter und schmunzelt. Besonders stolz sind der Koch und die Familie beim Speiseangebot auf ihre kreativen vegetarischen Gerichte und die Salatsauce. Und auch auf ihr Personal. Die Nähe zum Menschen und die abwechslungsreiche Aufgabe sind es, die dem Trio selbst am meisten am Job gefallen.

Stolz ist die Familie auch auf das Hausdressing.
Stolz ist die Familie auch auf das Hausdressing.
Beim Fleisch wird auf regionale Qualität gesetzt. <span class="copyright">Katrina</span>
Beim Fleisch wird auf regionale Qualität gesetzt. Katrina
Auch Asiatisch wird gekocht. <span class="copyright">Katrina</span>
Auch Asiatisch wird gekocht. Katrina
Naschkatzen kommen ebenso nicht zu kurz.
Naschkatzen kommen ebenso nicht zu kurz.

„Das Konzept ist schon super“, ist sich Kilian sicher und fügt hinzu: „Ich werde die Trends beobachten und möchte mehr Richtung vegan und vegetarisch gehen.“ Wichtig für ihn ist ebenso, attraktive Arbeitsplätze für Junge zu schaffen und die Menschen wieder dazu zu animieren, die Gastronomie zu unterstützen.

Nicht nur in der Küche, sondern auch im Service hilft der neue Chef mit.
Nicht nur in der Küche, sondern auch im Service hilft der neue Chef mit.

Trotz vieler Ideen bleibt das erste Ziel für den neuen Chef jetzt aber erst einmal, gut in die Selbstständigkeit hineinzufinden. Dabei darf er auch auf die Unterstützung seiner Eltern zählen. „Wir werden ihm natürlich nach wie vor den Rücken stärken“, sagt Seniorchefin Marianne. Peter arbeitet vorerst in der Küche in Altersteilzeit weiter. „Mit 65 entscheide ich dann, wie es weitergeht. Das kommt auch auf die Gesundheit an.“

Kilian startet optimistisch in seine neue Aufgabe.<span class="copyright"> VN/Steurer</span>
Kilian startet optimistisch in seine neue Aufgabe. VN/Steurer

Für Kilian ist klar, dass die „Seniors“ noch weiter mitwirken werden. „Der Betrieb ist wie ihr sechstes Kind. Ich würde das auch tun, wenn ich sie wäre“, sagt er und lacht. Eines ist aber für ihn klar: „Mama hat doch lange gearbeitet. Ich werde sie auch mal auf Urlaub auf die Kanaren oder so schicken.“