“Ist das schon Demenz oder noch ‚normale‘ Vergesslichkeit?“

VN / 07.05.2026 • 16:30 Uhr
Volles Haus in der Kammgarn Hard. Dr. Balázs Szántó vom LKH Rankweil beantwortete nach seinem Vortrag Fragen aus dem Publikum zum Thema Demenz.
Volles Haus in der Kammgarn Hard. Dr. Balázs Szántó vom LKH Rankweil beantwortete nach seinem Vortrag Fragen aus dem Publikum zum Thema Demenz.Susanne Stankovic

Auftakt zur Vortragsreihe über Demenz stieß auf großes Interesse in Hard.

Hard Um für das Thema Demenz zu sensibilisieren und einen Raum für Austausch zu schaffen, haben die Hofsteiggemeinden im Rahmen der Aktion Demenz gemeinsam eine dreiteilige Vortragsreihe organisiert. Den Auftakt dazu machte vergangenen Dienstag die Gemeinde Hard. Dr. Balázs Szántó, Facharzt für Psychiatrie und Oberarzt der gerontopsychiatrischen Abteilung sowie der Gedächtnisambulanz im LKH Rankweil, sprach in der Kulturwerkstatt Kammgarn zum Thema „Ist das schon Demenz oder noch ‚normale‘ Vergesslichkeit?“.

Cornelia Reibnegger, Leiterin des Sozialsprengels Hard, führte in den Vortrag von Dr. Szántó ein und zeigte sich erfreut, dass deutlich mehr Besucher kamen als erwartet.
Cornelia Reibnegger, Leiterin des Sozialsprengels Hard, führte in den Vortrag von Dr. Szántó ein und zeigte sich erfreut, dass deutlich mehr Besucher kamen als erwartet.

Vor voll besetztem Saal schilderte Dr. Szántó alltägliche Situationen, die wohl viele kennen: Man geht in die Küche und fragt sich, warum man eigentlich dorthin wollte. Oder man steht im Keller und hat vergessen, was man holen wollte. Solche Momente können verunsichern – ist das noch ein normales Vergessen oder schon eine beginnende Demenz?

Mit Hilfe einer Präsentationsfolie erklärte Dr. Balázs Szántó die verschiedenen Gedächtnisarten.
Mit Hilfe einer Präsentationsfolie erklärte Dr. Balázs Szántó die verschiedenen Gedächtnisarten.

Normale Vergesslichkeit

Normale Vergesslichkeit zeichne sich dadurch aus, „dass ich dann nachher auch in der Lage bin, mich wieder daran zu erinnern, was ich ursprünglich wollte“, erklärte Dr. Szántó, etwa, wenn man zurückgeht, wo man herkam und einem dann der Grund, warum man in die Küche oder in den Keller wollte, wieder einfällt. Solch vorübergehendes Vergessen sei „vollkommen normal“, so der Arzt. Auch wenn man den Schlüssel verlegt hat, es aber eingrenzen kann, wo er sein könnte, also man in der Lage ist, ihn wiederzufinden, sei das im Bereich des Gesunden.

Beginnende Demenz

Doch wie zeigt sich nun eine beginnende Demenz? „Manchmal kann der Beginn ganz subtil sein“, erklärte Dr. Szántó. Alltägliche Aufgaben, die man früher problemlos nebenbei gemacht habe, würden zu Herausforderungen, führten zu viel mehr Stress und zu einem Gefühl der Überforderung, so der Arzt. Anzeichen können etwa Schwierigkeiten beim Autofahren sein, oder bei der richtigen Einnahme von Medikamenten. Auch wenn jemand eine Rechnung doppelt oder dreifach bezahlt oder mehrfach am Tag dieselbe Person anruft, weil er vergessen hat, dass er bereits mit dieser Person telefoniert hat, seien typische Situationen. „Eine Demenz führt zu grundlegenden Problemen im Alltag“, betonte Dr. Szántó, zu einer Beeinträchtigung, bei der „eine selbständige Lebensführung irgendwann nicht mehr möglich ist“. Mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis veranschaulichte der Facharzt mögliche Merkmale einer Demenz, die nicht nur das Gedächtnis und andere geistige Fähigkeiten beeinträchtigt, sondern auch die Stimmung, den Antrieb oder das Sozialverhalten des Betroffenen verändert.

Weitere Ursachen für Gedächtnisstörungen

Doch nicht jede ausgeprägte Vergesslichkeit ist gleich eine Demenz. „Ganz häufig kann eine Depression zu einer ausgeprägten Vergesslichkeit führen“, erklärte der Arzt. Ebenso können schwere Schlafstörungen, Nebenwirkungen von Medikamenten sowie bestimmte innere Erkrankungen, wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Ursache sein. Deshalb sei es wichtig, Betroffene gründlich zu untersuchen. Als erste Anlaufstelle bei Gedächtnisstörungen nannte Dr. Szántó den Hausarzt, der dann erste Untersuchungen in die Wege leiten kann.

Die zahlreichen Fragen der Zuhörer im Anschluss an den Vortrag zeigten das große Interesse am Thema Demenz.

Nächster Vortrag in Wolfurt

Im zweiten Teil der Vortragsreihe erläutert am Dienstag, den 19. Mai um 19 Uhr der Pflegeexperte Christian Müller-Hergl im Vereinshaus Wolfurt, wie man im Fall einer Demenzdiagnose eines Angehörigen die Beziehung positiv gestaltet und wie der Pflegealltag zu Hause gelingt. Der Eintritt ist frei. SSU

Typische Situationen normaler Vergesslichkeit auf einer Präsentationsfolie.
Typische Situationen normaler Vergesslichkeit auf einer Präsentationsfolie.
Eine Präsentationsfolie zeigt, welche Veränderungen durch Demenz auftreten können.
Eine Präsentationsfolie zeigt, welche Veränderungen durch Demenz auftreten können.
Dr. Balázs Szántó erhielt ein kleines Dankeschön vom Sozialsprengel Hard.
Dr. Balázs Szántó erhielt ein kleines Dankeschön vom Sozialsprengel Hard.