„Die Stille ist mir am liebsten“

Komponist Thomas Ludescher lässt in Bludenz den Ruf des Einhorns erklingen.
BÜRS Was wäre die Welt ohne Musik? „Leer“, findet Thomas Ludescher ein klares Wort dafür. Dass dem aber nicht so ist, dafür trägt auch der Bürser bei. Als ihm der damalige Kapellmeister des Musikvereins Dalaas in Kindheitstagen ein Instrument in die Hand drückte, entfachte die Leidenschaft für Töne und Klänge im heute 54-Jährigen so richtig. Längst ist aus der Passion eine Profession geworden, ist Ludescher in mehreren Konservatorien und Musikhochschulen als Dozent tätig, bildet Studierende aus.

Einhorn für Gemeinschaft
Der Musikpädagoge gibt aber auch als Dirigent den Ton an und komponiert Werke. So blies er auch der Stadt Bludenz – im positiven Sinne – den Marsch. „Stadtrat Cenk Dogan, der ja selbst Musiker ist, fragte bei mir an, ob ich nicht einen Marsch für Bludenz komponieren möchte“, erzählt Ludescher, wie es zu der Auftragsarbeit kam. Also begann er zu recherchieren, was sich für das Alpenstädtle speziell ist. Bald kam ihm das Einhorn in den Sinn, das seit dem 14. Jahrhundert im Bludenzer Wappen platziert ist.

Es steht für Reinheit, Stärke, Schutz. „Aus heutiger Sicht kann man dies mit gewissen Werten, wie Gemeinschaft, gleichsetzen.“ Wenn das Einhorn „ruft“, steht das für das Verbindende – so wie auch orchestrale Musik, wo viele Instrumente zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen. Doch wie setzt man dies in einem typischen Marsch um? Ludescher: „Marschmusik hat eine enge Grundstruktur. Etwas untypisch beim Bludenzer Marsch ist, dass er fanfarenmäßig beginnt. Das kann man mit dem Ruf eines Einhorns interpretieren.“ Elementarer Bestandteil eines Marsches ist auch das Trio – eine Form, die im Mittelteil des Stückes eingeschoben ist und von Ludescher sehr lyrisch gestaltet wurde.

Vielfalt der Musik
Das Material und die Ideen sammelte der Komponist unter anderem beim Autofahren. „Ich singe sie ins Handy, werte sie zu Hause aus.“ Gut 20 Sprach- oder besser gesagt Klangnachrichten sind auf diese Weise entstanden. Das Ergebnis brachte Ludescher dann zu Papier.

Beim Neujahrsempfang der Stadt Bludenz wurde der Marsch – unter tosendem Beifall – uraufgeführt. Als nächster Schritt werden die Noten verlegt und die Blätter den umliegenden Musikvereinen kostenlos zur Verfügung gestellt. Ludescher hat dabei eine konzertante und eine Straßenversion geschrieben, die sich im Schlussteil unterscheiden. „Es ist etwas anderes, ob man auf einer Bühne spielt oder auf der Straße marschiert“, nennt der Mitbegründer der Kulturinitiative „Tal.schafft.Kultur“ den Grund.

Doch ist Marschmusik – die in der Historie auch schon missbräuchlich verwendet wurde – im Zeitalter von Youtube und Spotify bei den Jungen überhaupt noch gefragt? „Die Marschmusik ist extrem vielfältig und kennt jede Menge Facetten. Teilweise wird sie auch neu arrangiert und es fließen Rock- und Popelemente ein. Und die Jungen stehen auf Traditionelles“, liegt für Ludescher die Antwort klar auf der Hand. In den Musikschulen wird auch entsprechend Werbung gemacht.

Die Vielfalt der Musik, die für Thomas Ludescher auch geistige Nahrung bedeutet, macht die Faszination aus. So hört er privat gerne mal eine klassische Symphonie, zeitgenössische Werke, Jazz oder auch mal Queen oder Whitney Houston.“ Und dennoch überrascht die Antwort auf das, was er am liebsten mag. „Die Stille! Dann nehme ich ein Buch zu Hand und lese.“ CRO

Thomas Ludescher
Alter 54
Familienstand: verheiratet, 2 Söhne (beide machen Musik)
Beruf Professor für Blasorchesterleitung und Instrumentation an der Musikhochschule in Bozen, Dozent an der Stella Feldkirch, Musikpädagoge, Fachbereichsleiter
Hobbys Segeln, Fahrrad fahren, lesen
Mitbegründer der Kulturinitiative Tal.schafft. Dirigent und und Künstlerischer Leiter von Windwerk (ehemals Sinfonisches Blasorchester Vorarlberg), Jurorentätigkeit, Großes Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg