Vom Lausbub zum mobilen Männerberater

Menschen / 28.04.2026 • 14:32 Uhr
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Markus Schwarzl leitete das Männercafé zwei Jahre lang. Im März musste es schließen.Schwarzl

Markus Schwarzl (48) setzt sich seit vielen Jahren mit großem Engagement für Männer und Buben in schwierigen Lebenssituationen ein.

Feldkirch Markus Schwarzl war als Kind ein richtiger Lausbub. “Ich habe viel Blödsinn gemacht. Einmal habe ich beim Haus des Nachbarn die Fensterläden abgehängt”, erzählt der 48-Jährige schmunzelnd. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr war seine Kindheit ungetrübt. Aber dann ließen sich seine Eltern scheiden. Der Vater verschwand aus seinem Leben. “Ich habe Papa vermisst.”

Als es darum ging, einen Beruf zu wählen, kam sein Onkel ins Spiel. “Er war Koch und zeigte mir die Faszination dieses Berufes. Als Koch kann man sich kreativ ausleben.” Schwarzl absolvierte die Kochlehre im Hotel Rössle in Röthis. Danach arbeitete er einige Jahre im Gastgewerbe. Aber die familienfeindlichen Arbeitszeiten störten ihn. Deshalb wechselte er in die Lebensmittelindustrie. “Ich habe bei Hilcona und später bei Ospelt in der Schweiz gearbeitet.” Als Abteilungsleiter hatte er sehr lange Arbeitstage. Das führte im Jahr 2003 zu einem Burn-out. Dem nicht genug, brach bei ihm auch noch eine seltene Autoimmunerkrankung aus. Aufgrund des Goodpasture-Syndroms landete er auf der Intensivstation. “Es stand für mich Spitz auf Knopf. Aber die Ärzte kämpften erfolgreich um mein Leben.”

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Seit dem 14. Lebensjahr spielt Markus Schwarzl Poolbillard. Bei diesem Sport kann er vom Berufsalltag abschalten.Schwarzl

Zwei Jahre lang, von 2003 bis 2005, war Schwarzl krankheitsbedingt außer Gefecht gesetzt. Danach brach er zu neuen Ufern auf. Der Vater zweier Töchter machte eine dreijährige Ausbildung zum Sozialbetreuer an der Kathi-Lampert-Schule in Götzis. “Ich wollte nur noch das tun, was mir Spaß macht: Menschen begleiten und unterstützen, die sich in herausfordernden Situationen befinden.” Nach der Ausbildung fand er in der offenen Jugendarbeit eine Stelle. “Ich arbeitete in Jugendhäusern und habe viele Bubenprojekte initiiert und begleitet.” Schwarzl wurde zum Anker für junge Menschen, die in einer schwierigen Phase waren. “Ich habe viele Jungs auf einen besseren Weg gebracht.”

Weil Gewalt immer wieder ein Thema war, bildete sich Schwarzl zum Antigewalttrainer und Traumapädagogen weiter. Später ließ er sich auch noch zum Mentaltrainer, zum Lebens- und Sozialberater, zum Mediator und zum Trainer für Gender und Diversity ausbilden. Insgesamt war der Feldkircher 17 Jahre lang in der Buben- und Männerarbeit tätig.

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Markus Schwarzl ist ein begeisterter Camper.Schwarzl

Das prädestinierte ihn dafür, ein Männercafé in Bregenz zu gründen. Diese niederschwellige Einrichtung wurde ab 2024 zur Anlaufstelle für Männer und Buben in den unterschiedlichsten Lebenslagen. “In den zwei Jahren ihres Bestehens hatten wir 7000 Kontakte.” Schwarzl, der Männercaféleiter, stellte fest, dass die Not unter Männern groß ist. “Nicht wenige, die das Café aufsuchten, hatten Suizidgedanken. Ich konnte mehr als 27 Männer von diesem finalen Schritt abhalten.” Themen wie Gewaltprävention, Einsamkeit (vor allem nach einer Scheidung) und psychische Erkrankungen seien sehr präsent gewesen.

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Seine Freizeit verbringt der Männerberater gerne am Bodensee.Schwarzl

Dass er das Männercafé aufgrund von Förderkürzungen vor wenigen Wochen zusperren musste, tut dem 48-Jährigen sehr leid. “Dabei bräuchte es dringend und flächendeckend leicht zugängliche Begegnungsorte für Männer.” Das Projekt Männerberatung will er aber nicht gänzlich aufgeben. “Ich biete jetzt mobile Männerberatung an. Buben und Männer, die Hilfe brauchen, können mich anrufen (Tel. 0664/2430364) oder mir ein Mail (office@maennerfragen.at) schreiben. Außerdem führe ich in den Gemeinden Gesprächsrunden vor Ort durch. Näheres dazu findet man auf meiner Homepage (www.maennerfragen.at).”

Markus Schwarzl

geboren 18. Juli 1977 in Feldkirch

Wohnort Feldkirch

Familienstand geschieden, zwei Töchter

Hobbys Poolbillard, Camping, Biken, Kochen, Theater