Vom Funken zur Leidenschaft

Goldschmiedemeisterin Katrin Eberhard verbindet Kreativität, Präzision und Handwerkskunst.
Bregenz In der Werkstatt herrscht Ruhe. Nur das leise Zischen des Brenners durchbricht die Stille. Konzentriert richtet eine Frau die Flamme auf eine feine Lötstelle, bis das Metall rötlich glüht. Sekunden später verbindet geschmolzenes Lot die filigranen Teile zu einem Ganzen. Präzision, Geduld und ein sicheres Gespür für den richtigen Moment prägen die Arbeit von Goldschmiedin Katrin Eberhard. 2020 startete die gebürtige Norddeutsche in die Selbstständigkeit und eröffnete 2024 in der Bregenzer Brandgasse ihr Atelier “SchmuckElster”. Dort entstehen Unikate – gefertigt mit handwerklichem Können und viel Liebe zum Detail. Katrin hat ein untrügliches Gespür für alles, was glänzt – und für Schmuckstücke mit Geschichte. Dabei war das Goldschmiedehandwerk zunächst nicht ihr Traumjob.

Aufgewachsen ist die 36-Jährige in einem kleinen norddeutschen Dorf. Als es Zeit für die Berufswahl war, wusste sie nur eines sicher: Es sollte kein Bürojob sein, sondern etwas Kreatives. In Praktika probierte die junge Frau Verschiedenes aus, etwa im Sattlerhandwerk. In Berufstests kristallisierte sich wiederholt eine besondere Begabung für die Goldschmiedekunst heraus. Metall schien ihr anfangs ein viel zu hartes Material. Trotzdem gab sie dem Handwerk eine Chance. Ein Praktikum in einer
Goldschmiede wurde zum Wendepunkt – und zur Liebe fürs Leben. “Es war nicht nur das Handwerkliche, das mich begeistert hat. Der Goldschmied zeigte mir, was alles dazugehört: vom Entwurf über die Beratung bis zum Tüfteln an der perfekten Lösung für ein Schmuckstück. Diese Vielseitigkeit hat mich überzeugt”, erzählt die Bregenzerin. Auf die Lehre in Hamburg folgte der Besuch der Meisterschule in München. Ein neuer Abschnitt begann, als sie 2014 nach Bregenz zog. Am Bodensee fand sie nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine berufliche Perspektive. Als angestellte Goldschmiedin arbeitete Katrin bis zur Geburt ihrer beiden Söhne (heute sieben und acht Jahre). Nach der Elternzeit startete sie 2020 als Selbstständige und firmiert seitdem als “SchmuckElster”.
“Schmuckstücke bewahren Erinnerungen, erzählen Geschichten und sollen die Persönlichkeit ihrer Träger unterstreichen.”
Katrin Eberhard, Goldschmiedemeisterin

750er Gelbgold mit seinem warmen Glanz gehört zu den Lieblingsmaterialien der Meisterin. Sie arbeitet ausschließlich mit recycelten Edelmetallen und fair geschürften Edelsteinen. “Schmuck ist ein Luxusgut. Gerade deshalb ist es für mich eine Frage der Verantwortung, unter welchen Bedingungen er entsteht. Dass am anderen Ende der Welt Menschen für die Gewinnung von Rohstoffen ihr Leben riskieren, ist mit meinem Verständnis von Handwerk nicht vereinbar”, erklärt sie.
Schmuckstücke sind für Katrin Lebensbegleiter. “Sie tragen Erinnerungen und sollen sich anfühlen, als wären sie genau für den Menschen gemacht, der sie trägt”, betont die Meisterin. Inspiriert von Geschichten, Erinnerungen und natürlichen Formen verbinden sich unter ihren Händen Handwerk und künstlerischer Anspruch zu Kostbarem – von der behutsamen Umarbeitung bis zur individuellen Neuanfertigung. Am Beginn steht immer eine Idee. Manchmal entsteht diese spontan, manchmal aus einem Kundenwunsch heraus. Katrin hört zu, entwirft, sägt, lötet, feilt und poliert, bis aus dem Rohmaterial ein filigranes Einzelstück entsteht. Sie mag raue Strukturen und natürliche Oberflächen, weil diese dem Material seinen eigenen Charakter lassen.

Die Goldschmiedin sieht ihre Arbeit nicht in Konkurrenz zur industriellen Fertigung, sondern als bewusste Alternative: individuell, handgefertigt und nachhaltig. Sie ist sicher: “Genau darin liegt die Zukunft der edlen Handwerkskunst.” JH
Zur Person
KATRIN EBERHARD
GEBOREN 3. November 1989 im deutschen Winsen (Luhe)
WOHNORT Bregenz
BERUF Goldschmiedemeisterin
FAMILIENSTAND Mutter von zwei Buben, in Partnerschaft
HOBBYS Wandern, Sport, Camping-Roadtrips mit den Kindern, Malen
KONTAKT www.schmuckelster.at