Gemüse ohne Kilometer feiert Jubiläum

Isabella Moosbrugger teilt Wissen über natürlichen Anbau mit Gleichgesinnten und Kindern
Bezau Mit ihrem lustigen „Dienstfahrzeug“ ist sie ein vertrauter Blickfang im Bezauer Ortsbild. Isabella Moosbruggers Wägele erinnert ein wenig an ein Golfmobil, doch statt mit Golfschlägern von Green zu Green pendelt sie mit Gartengeräten – Hauen, Spaten, Rechen usw. – von Garten zu Garten und jetzt im Herbst auch mit Erntegut, das sie von den Gärten in den Erdkeller schafft.


Mit diesem Erdkeller sorgte 2019 bei der Handwerksausstellung für Furore. „Früher“, so erklärt sie, „war diese Lagerung von Ackerfrüchten allgemein üblich, Häuser hatten Keller mit Erd- oder Lehmböden, die ein gutes Lagerklima schufen. In heutigen Kellern ist dies ohne Tiefkühltruhen nicht mehr möglich. Ein Erdkeller ist eine natürliche Alternative“.

Mit dem Erdkeller – für den es sogar EU-Förderungen gab, drehte Isabella mit ihren Mitstreitern die Zeit zurück und stellt stolz fest, dass dieses Pilotprojekt „bestens funktioniert und 18 Hobbygärtnerinnen und -gärtnern eine natürliche Lagerung ihrer Ernten ermöglicht.“


Der Erdkeller ist nur eines von mehreren Projekten, das sie federführend initiierte. 2011 übernahm sie in Reuthe Verantwortung für ein gemeinsames Gartenprojekt. „Das hätte sich aufgelöst, weil niemand bereit war, Führungsrolle zu übernehmen.“ Sie initiierte auch die Bepflanzung und Pflege von Blumeninseln und gründete 2014 den Schulgarten. Neuerdings ging sie mit Witus sogar in die Kindergärten, wo sie das Bohnen-Projekt umsetzte.

Mit ihren Aktionen will sie vor allem das Bewusstsein stärken, dass „jeder seinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, gesunde Lebensmittel selbst anzubauen und dabei hilft, weite Transportwege für meist mit Chemieeinsatz gezogenem Obst und Gemüse zu vermeiden. Mit solchen Projekten, die ohne Chemieeinsatz auskommen, wird auch die Artenvielfalt gefördert“, weist sie auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin. „Gemüse ohne Kilometer“ ist der einprägsame Slogan für dieses Projekt, das mehrfach ausgezeichnet wurde – u. a. von der Internationalen Vereinigung Bodenseegärten.


Ihr Vorbild im Gemeinschaftsgarten Reuthe ist für ihre etwa drei Dutzend Mitstreiterinnen und Mitstreiter die größte Motivation. Seit zehn Jahren organisiert sie die gemeinsame Arbeit in diesem Garten und heuer hat sie auch noch ein Feld bebaut, das Dr. Jodok Fink zur Verfügung stellte. „Etwa 86 Kilo Bio-Dinkel konnten wir heuer dort ernten“, meint sie beim Lokalaugenschein stolz.


Und im Gemeinschaftsgarten erzählt die Pensionistin dann, wie sie dazu gekommen ist. „Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden, habe am elterlichen Hof mitgearbeitet und die Ausbildung zur Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft und zur Kräuterexpertin absolviert. Vieles habe ich mir aber einfach so selbst angeeignet und mit 18 Jahren – ich hatte gerade meinen Führerschein gemacht – hat ein schwerer Schicksalsschlag meine beruflichen Weichen gestellt. Mein Vater starb nach einem Schlaganfall, meine älteren Geschwister standen schon auf eigenen Beinen und mein jüngerer Bruder musste mit 16 Jahren von heute auf morgen Verantwortung am Hof übernehmen. Allein hätte er es nicht geschafft, also habe ich ihn nach Kräften unterstützt – und heute gebe ich eben meine Erfahrung weiter. Es macht Spaß, wenn man Menschen davon überzeugen kann, dass sie so einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten und auch noch gesunde Lebensmittel selbst produzieren können.“ STP

Zur Person
Isabella Moosbrugger
Wohnort: Bezau
Geboren: 4. März 1961
Beruf: Landwirtin
Familie: verheiratet, vier Kinder
Hobbys: Schwimmen, Radfahren und Gartenarbeit
Lebensmotto: Mit den kleinen Dingen zufrieden sein.






