Das Schweigen brechen

Isabella Außerer schafft einen Raum, in dem Eigenes wertfrei entstehen darf.
Dornbirn Der Flur ist lang. Vorbei an einigen Türen geht es zur Praxis von Isabella Außerer. Für manchen beginnt dort ein längerer Weg: der Weg zu dem, was lange im Verborgenen schwelte. Isabella ist Malort-Dienende, psychosoziale Beraterin und Supervisorin. Hinschauen, ehrlich benennen, Zusammenhänge erkennen. Ressourcen stärken und Selbstwirksamkeit fördern: Darum geht es ihr – in allen drei Bereichen.
Aufgewachsen ist Isabella in Schwarzenberg, nach der Matura führte ihr Weg nach Wien. Dort absolvierte sie die Ausbildung zur Elementarpädagogin und übernahm später die Leitung einer Einrichtung. Nach Schwarzenberg kehrte sie vor der Geburt ihrer ersten Tochter zurück.
Mit dem Muttersein schärfte sich ihr Blick auf Beziehung und Begleitung weiter. Es ging für sie immer weniger darum, was ein Kind tun oder können sollte. Vielmehr rückten solche Fragen in den Fokus: Welche eigenen Themen wirken in der Beziehung zum Kind? Was braucht es, damit Beziehung gelingen kann? Erfahrungen, welche Hürden Alleinerziehende überwinden müssen, kamen hinzu.

Nach der Karenz leitete Isabella eine Einrichtung in Dornbirn. Sie lernte ihren heutigen Ehemann kennen, wurde erneut Mama und begann, ihre bisherige Arbeit und die eigene Rolle darin neu zu hinterfragen. 2023 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete einen Malort nach dem wertungsfreien Konzept von Arno Stern. Weitere Ausbildungen, unter anderem zur Lebens- und Sozialberaterin, folgten.
Heute begleitet Isabella Eltern und pädagogische Fachkräfte, ist als Supervisorin und in der Aus- und Weiterbildung aktiv. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie bereichernd, aber auch herausfordernd die tägliche Arbeit mit Kindern, Eltern und den eigenen Emotionen sein kann. Für sie steht deshalb fest: „Supervision ist kein Luxus, sondern gehört zu professioneller pädagogischer Arbeit.“ So entsteht Raum, um innezuhalten, Konflikte zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen.

Als psychosoziale Beraterin begleitet sie gemeinsam mit einer ihrer Kolleginnen Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Sie hört zu, gibt Halt und schafft einen geschützten Ort, an dem auch das ausgesprochen werden darf, wofür oft die Worte fehlen. „Wir sind keine Therapeutinnen. Aber wir geben den Frauen einen geschützten Rahmen, in dem sie sich zeigen und gehört fühlen dürfen“, erklärt die 36-Jährige. Sie hat selbst sexualisierte Gewalt erlebt, kennt aus eigener Erfahrung Ohnmacht und Scham – und weiß: Manchmal braucht es keine große Institution, sondern einen Ort, an dem eine Frau einfach gesehen wird.
Es sind keine kleinen Projekte, die Isabella verwirklicht. Ein anspruchsvoller Job, drei Kinder, die Beziehung sind unter einen Hut zu bringen. Was nach einem anspruchsvollen Balanceakt klingt, ist für sie vor allem eine bewusste Entscheidung: als Paar herauszufinden, was für jeden Einzelnen wirklich zählt – und danach zu leben.

Dazu gehört auch, klassische Rollenbilder immer wieder infrage zu stellen. Ihr Mann ist bei ihrem jüngsten Sohn in Karenz, Haushalt und Elternarbeit sind klar abgesprochen. „Ich hasse es, Wäsche zu machen – er liebt es.“ Also übernimmt er das. „Es ist völlig normal für uns, dass wir zum gleichen Anteil an der Care-Arbeit beteiligt sind”, betont sie.
Auch wenn solche Entscheidungen manchmal für irritierte Kommentare sorgen: Beide möchten ihren Kindern vorleben, dass Familie nicht nach einem vorgegebenen Muster funktionieren muss. Und genau darin liegt für Isabella die schönste Form von Freiheit.
Zur Person
ISABELLA AUSSERER
GEBOREN 5. Juni 1990 in Schwarzenberg
WOHNORT Dornbirn
FAMILIENSTAND verheiratet, drei Kinder (9, 5, 2 Jahre)
BERUF Elementarpädagogin, psychosoziale Beraterin und Supervisorin
HOBBY Kochen, Aktivitäten in der Natur, Malen
KONTAKT inbeziehungbleiben.com