Herrn Zucallis Gespür für Müll

Kurt Zucalli sorgt mit dem Alpenschutzverein für eine saubere Bergwelt.
Dornbirn 3905 Liter Müll, 516 Kilometer gereinigte Wanderwege, 786 Einsatzstunden und 44 Gemeinden: Das ist die Bilanz der Aktion “Saubere Alpen” in Vorarlberg 2026. Dahinter stehen Menschen, die sich für eine saubere Bergwelt einsetzen. Einer von ihnen ist Kurt Zucalli. In seiner Pension engagiert sich der 70-jährige Dornbirner beim Alpenschutzverein. Er organisiert Aktionswochen und Sammelaktionen und weiß inzwischen genau, wo sich Abfall versteckt. “Ich habe eine Nase für Müllablagerungen”, sagt er.

Ehrenamtliches Engagement
Zum Alpenschutzverein kam Zucalli eher zufällig über seinen Bruder Erich, der dort schon lange Mitglied ist. Seine 45-jährige Berufserfahrung in der Buchhaltung kam ihm zugute, als sich Ende 2019 zeigte, dass die Vereinsfinanzen aus dem Gleichgewicht geraten waren. 2021 übernahmen die Brüder ehrenamtlich viele Aufgaben des damaligen Geschäftsführers. Heute ist Kurt Zucalli Finanzreferent und Vorsitzender. Der 1971 gegründete Alpenschutzverein hat rund 200 Mitglieder in Vorarlberg. Neben Zahlen, Abrechnungen und Förderanträgen kümmert sich Zucalli vor allem um die größte Vereinsinitiative: die “Aktion Saubere Alpen”.


Fünf Aktionswochen finden im Sommer in Vorarlberg, Tirol und Salzburg statt. Junge Menschen zwischen 20 und 28 Jahren arbeiten dabei im Rahmen eines Ferialjobs mit. Zucalli organisiert Bus, Unterkunft, Ausrüstung und Routen. Bei Hitze und in Höhen von bis zu 2500 Metern sind die Einsätze oft Schwerarbeit. Besonders aufwendig ist das Aufspüren alter Müllablagerungen bei Berghütten. Früher wurde der Abfall dort oft einfach vergraben. Das Team gräbt ihn aus, sortiert ihn und bringt ihn zur Entsorgung. Zum Vorschein kommen Herdplatten, große Konservendosen, Batterien, Pfannen und Besteck. “Wenn wir viele Brennnesseln sehen, wissen wir, dass in der Nähe etwas vergraben sein könnte”, erklärt Zucalli.

Auch den Dornbirner Mitmachtag “Subere Weag” organisiert Zucalli. Im September schwärmen Zweierteams rund um Karren, Staufen, Gütle oder Bödele aus und sammeln auf und abseits der Wege Müll. An den neongelb-grünen Überziehleibchen mit der Aufschrift “Aktion Saubere Alpen” sind sie schon von Weitem zu erkennen. Besonders häufig finden sie Taschentücher. Diese verrotten in der Natur erst nach zwei bis drei Jahren, Feuchttücher sogar erst nach 25 Jahren. Zucallis Rat: ein paar Blätter Klopapier im Rucksack mitnehmen. “Das löst sich nach ein paar Regenschauern auf.”

Kuriose Funde
Manchmal finden sich auch Dinge, mit denen man nicht rechnet. “Ich bin Spezialist für Unterwäsche”, erzählt Zucalli schmunzelnd. Am Körbersee habe er einmal gemeinsam mit seinem Bruder gleich fünf Herrenunterhosen entdeckt. Auch Damenunterwäsche und weiße Socken gehören zu seinen Fundstücken. Sein geschulter Blick entdeckt eben auch, was anderen entgeht.

Doch es gibt auch erfreuliche Entwicklungen: Seit Einführung des Einwegpfands sind PET-Flaschen in der Natur deutlich seltener geworden. Weniger Müll ist natürlich ganz in Zucallis Sinn. Bei den Sammelaktionen dürfen die Säcke trotzdem gerne voll werden – schließlich soll sichtbar sein, was die Helfer leisten.

Bis Mitte November schließt Zucalli die Dokumentation und Abrechnungen des laufenden Jahres ab. Danach beginnt bereits die Vorbereitung für 2027: Förderungen beantragen, Finanzen planen, Teams einteilen, Unterkünfte und Bus organisieren. Für Zucalli beginnt die nächste Sammelsaison damit lange bevor die ersten Helfer wieder in die Berge aufbrechen. LCF





“Ich weiß, wo die Leute den Müll verstecken.”
Kurt Zucalli, Alpenschutzverein
Zur Person
Kurt Zucalli
Geboren: 29.7.1956
Wohnort: Dornbirn
Beruf: Pensionist
Familie: in Partnerschaft, ein Sohn
Hobbys: Akkordeon, Haus und Garten, Reisen
Lebensmotto: Probleme sind da, um sie zu lösen.