Hubert Rhomberg: “Uns droht eine zweite S 18”

Mobilität / 05.07.2022 • 17:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hubert Rhomberg: "Uns droht eine zweite S 18"
Hubert Rhomberg warnt vor fehlender Einheit im Land. Rhomberg Bau, Mehramsee, VOL

Hubert Rhomberg verteidigt die von ihm mitberechnete Unterflurlösung für Bregenz und will die Entscheidung nicht den ÖBB überlassen.

Bregenz Dass die ÖBB nun hier mit einem weit größeren Infrastrukturbedarf rechnet, als in der von ihm im Auftrag der Stadt Bregenz erstellten Machbarkeitsstudie zur Unterflurlösung, überrascht Bauunternehmer Hubert Rhomberg nicht. “Aus ihrer Sicht ist dies absolut richtig.” Schließlich sei eine oberirdische Schaffung zusätzlicher Kapazitäten die kaufmännisch richtige Entscheidung, ist sie doch einfacher und günstiger.

Will man die Bahngleise zwischen Wolfurt und Lochau unter die Erde verlegen, müssten 120 Gebäude abgetragen werden, rechnet die ÖBB am Montag vor. In der Machbarkeitsstudie der Stadt Bregenz, erstellt von Rhomberg-Zierl-BDO, war von diesen Ausmaßen keine Rede. Diese ging im Gegensatz zur ÖBB zwischen Bregenz und Wolfurt nur von einem zwei- statt dreigleisigen Ausbau aus.

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Ob es dieses dritte Gleis tatsächlich benötigt, wird zumindest diskutiert. Hubert Rhomberg spricht hier dennoch von einem Horrorszenario der ÖBB. “Bei unserer Baumethode, die wir ja bereits praktizieren, sehe ich keine solch riesigen Baugruben wie die ÖBB”, stellt der Bauunternehmer klar.

“Die Frage ist, ist es richtig, nur die ÖBB zu fragen”, betont der Bauunternehmer. Schließlich gehe es um den Lebensraum aller, nicht nur um die logistische Frage. Um hier aber eine Lösung zu erreichen, brauche es eine Einheit im Land über alle politischen Gräben hinweg, warnt Rhomberg. “Ansonsten droht uns eine zweite S 18”, prophezeit er. Denn die oberirdische Bauweise werde die Bevölkerung nicht akzeptieren, schlussendlich dann keine der Alternativen realisiert und die Zukunft auf Ewigkeiten verspielt werden.

Schlussendlich drohe damit alles beim Alten zu bleiben, wenn Vorarlberg der ÖBB hier freie Hand ließe. “Die Verlagerung des Güterverkehrs wird damit zwar eingeschränkt, aber dennoch geschehen. Dies bedeutet also vor allem viel Güterverkehr in der Nacht, denn untertags sind die Gleise voll”, warnt der Bauunternehmer. Rhomberg warnt auch davor, dies als rein Bregenzer Problem zu sehen. “Dies betrifft alle bis zum Kummenberg hinauf”, schließlich habe die Bahn im Unterland eine mit einer U-Bahn vergleichbare Funktion.

Eine Alternative zur offenen wäre eine bergmännische Bauweise, so wie man einen Tunnel durch den Berg treibt. Der Nachteil: diese muss tiefer unter der Erde erfolgen, was sich auf alle Zugänge, Rampen und Notausgänge auswirkt. Sie wäre auch teurer als eine offene Bauweise bei geringerer Tiefenlage. Dennoch, die ÖBB prüft nun diese Alternative.

In der Landeshauptstadt würde man auch einen Kompromiss einer Kombination von Unter- am See und Oberflur nach Lauterach nicht gutheißen. “Nein, das wäre nicht akzeptabel, weil dann drei Gleise durch das Wohngebiet im Vorkloster geführt werden und das wollen wir nicht”, betont Bürgermeister Michael Ritsch. “Bregenz ist mehr als nur die Innenstadt und die Pipeline. Wir werden nicht zulassen, dass in unserem Stadtgebiet solche einschneidenden Projekte umgesetzt werden.”

Und in der Volkspartei erwärmt man sich für einen Güterbahn-Pfändertunnel. Bislang hielt man dieses für die erwarteten 14 täglichen Güterzüge für überdimensioniert.

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