Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist

Mobilität / 04.04.2024 • 12:08 Uhr
Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist
Ein Beispiel eines privaten Parkhauses in Vorarlberg. Die beiden Säulen schränken die Wachstumsmöglichkeiten ein, die Fahrzeuge haben gerade noch so Platz. VN/Rauch

Die Parkplätze werden immer enger, denn die Fahrzeuge werden immer breiter.

Bregenz Der Rav4 von Toyota der zweiten Generation wird oft als das erste “echte” SUV gewertet. Zwar versuchten Jeep, Range Rover und der Mercedes G bereits zuvor, den Geländewagen und luxuriösen Komfort zu verknüpfen, doch erst Toyota veränderte den Markt in Europa. Für heutige Maßstäbe ist der Rav4 aus dem Jahr 2000 ein Zwerg – was sich auch langsam in den Parkhäusern Vorarlbergs bemerkbar macht.

Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist
Thomas Kinz hat immer wieder Fahrzeuge im GWL, die auf die Fahrbahn reichen und mehr als einen Parkplatz benötigen. Denkbar wären Einfahrverbote für übergroße Fahrzeuge. Bregenz Travel

Das GWL in Bregenz feiert seinen 50. Geburtstag, das Parkhaus ist auch aus dem Jahr 1974 und gilt inzwischen vielen als relativ eng geschnitten. “Das Problem der zu breiten Fahrzeuge ist oft nicht das Einparken, sondern das anschließende Aussteigen”, bestätigt Thomas Kinz vom Kaufhaus am Leutbühel. Beim Einparken helfen in immer mehr Fahrzeugen elektronische Hilfen, doch die Türen brauchen Platz. Und: In Österreich ist ein Parkplatz fünf Meter lang. Die Autos werden aber immer länger, manche wie die S-Klasse von Mercedes übertreffen diese Marke seit Jahrzehnten. Weiters schaffe die Höhe von gewissen Bautypen vermehrt Probleme in Parkhäusern und Garagen.

Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist
Das linke Fahrzeug füllt den Parkplatz vollständig aus. Dass die Tür noch geöffnet werden kann, ist dem relativ schmalen Nachbarfahrzeug zu verdanken – und auch diese dürften künftig noch breiter werden. VN/Rauch

Der Toyota Rav4 der zweiten Generation ist maximal 426,5 Zentimeter lang und 173,5 Zentimeter breit. Leergewicht unter 1,5 Tonnen. Die aktuelle fünfte Generation kommt auf 460 Zentimeter Länge und 185,5 Zentimeter Breite bei einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen – und ist damit für einen SUV immer noch recht kompakt. Der aktuelle Mercedes-Benz GLC ist bis zu 192 Zentimeter breit. Der Q8 von Audi 199,8 Zentimeter. Und der BMW G05, die aktuelle vierte Generation des X5, ist bis zu 201 Zentimeter breit. Sein Leergewicht reicht je nach Motorisierung von 2135 bis 2510 Kilogramm. Die Fahrzeuge sind tatsächlich noch breiter, da im Typenschein die Seitenspiegel nicht mitgerechnet werden, warnt der ÖAMTC bereits 2017. Wenn man in die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik blickt, alles noch kein Problem: Ein Parkplatz sollte demnach 250 Zentimeter breit sein. Dies gilt jedoch erst seit 2011 – und viele Parkflächen sind älter.

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Im Freigelände ist ein Parkplatz recht schnell neu gezeichnet, anders ist es in Parkhäusern und Tiefgaragen. So kommt ein Parkplatz im GWL-Parkhaus in Bregenz auf Breiten von 210 bis 240 Zentimetern, je nach Stellplatz. In der Hochgarage des Messeparks ist der reine Parkplatz 186 Zentimeter breit. Auf beiden Seiten gibt es jedoch markierte Flächen, die das Ein- und Aussteigen sichern sollen. Eine Markierweise, die Kinz etwa als vorbildlich wahrnimmt.

Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist
Ein Beispiel aus dem Messepark-Parkhaus. Der SUV füllt den Parkplatz vollständig aus. VN/Rauch

Die Fahrzeuge ragen also immer öfter aus den Parkflächen in die Fahrbahn oder auf die angrenzenden Parkplätze hinein. “Derzeit geht es so weit in unseren Parkhäusern und Parkflächen noch recht gut”, betont Kinz. Und für die Zukunft? “Eine bereits teilweise praktizierte Lösung ist das Einfahrverbot für Fahrzeuge über dem Normalmaß. Dies wären Einfahrtverbote ab 1,90 Meter Breite und über 5 Meter Länge.”

Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist
Ein weiteres Beispiel aus dem Parkhaus des Messeparks. VN/Rauch

Und das ist nur die Spitze des Eisberges, vermutet Jürgen Wagner vom ÖAMTC Vorarlberg: “Obwohl die Fahrzeugbreiten, der ohnedies schon sehr breiten Fahrzeuge, nicht mehr wesentlich zunehmen wird, wir die große Masse der Kleinwagen und der Kompaktklasse noch zulegen”, vermutet er, dass sich weitere Fahrzeugtypen den SUV annähern dürften. So wuchs etwa der Opel Astra in den vergangenen Jahren von 171 Zentimeter (Astra G) auf 186 Zentimeter Breite beim Astra L. Der VW Golf V war 2003 noch 176 Zentimeter breit, in seiner aktuellen Version VIII sind es immerhin nur 179 Zentimeter. Kinz hingegen sieht wieder einen Trend hin zu kleineren Fahrzeugen, eben gerade auch wegen der Garagengrößen.

Fahrzeugbreite

Das Kraftfahrzeuggesetz sieht in Paragraf 4 eine maximale Fahrzeugbreite von 255 Zentimetern vor, inklusive Anhänger und Beladung. Dies ist die maximal zulässige Breite, um eine Normalspur angemessen nutzen zu können. Um in einem Baustellenbereich auf der Autobahn den linken Fahrstreifen nutzen zu dürfen, ist eine Breite von 200 bis 210 Zentimeter üblicherweise das Maximum. Das Befahren eines breitenbeschränkten Fahrstreifens mit einem zu breiten Fahrzeug stellt einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung dar, warnt der ÖAMTC. Daher kann ein solcher Verstoß ein Verwaltungsstrafverfahren nach sich ziehen. Und: Wird der Lenker eines zu breiten Pkw in einen Unfall verwickelt, kann unter Umständen auch die Kasko-Versicherung leistungsfrei sein.

Ein weiteres Problem: Die Angaben zur Fahrzeugbreite im Typenschein ist ohne die Spiegel gerechnet. Insgesamt überschritten im Jahr 2017 laut ÖAMTC bereits 77 Prozent der aktuellen Fahrzeugmodelle eine Breite von zwei Metern, 29 Prozent sind breiter als 210 Zentimeter.

Wenn auf dem Parkplatz nicht genug Platz ist
Ein Größenvergleich anhand der eingetragenen Fahrzeugausmaßen der Karosserien auf einem Parkplatz mit einer Länge von 500 und einer Breite von 230 Zentimentern: In Schwarz der Rav4 der zweiten Generation von 2000, in Blau der Rav4 der fünften Generation von 2018. In Rot ein BMW X5 xDrive40i von 2023.