Irgendwo zwischen „Limo“ und Geländewagen daheim

Motor / 30.08.2013 • 12:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Der Herr ist mein Fels“, aber meine Burg hat vier Räder und Komfort biblischen Ausmaßes. Fotos: VN/Steurer
„Der Herr ist mein Fels“, aber meine Burg hat vier Räder und Komfort biblischen Ausmaßes. Fotos: VN/Steurer

Der urbane Geländewagen von Honda bietet für sein Geld auch viel Platz. Und mehr.

Toyota. Er wirkt zunächst einmal einfach wuchtig. Eine Burg auf Rädern. Wehrhaft, massig. Romanik in Reinkultur, 12. Jahrhundert. Halberstadt lässt grüßen.

Im Detail: Zwei schrägliegende Scheinwerfer mit integriertem LED-Tagfahrlicht krönen beidseits den dicken Kühlergrill. Hinten runden die nach oben gezogenen Rückleuchten die kompakten Rundungen ab. Da steigt man nicht ein, sondern auf. Der CR-V der mittlerweile vierten Generation lässt seinen Ahnherrn aus 1996 unglaublich alt aussehen.

Zweiter Eindruck: Man setzt sich. Und in der Testversion 2,2 1-DTEC 4 WD Executive AT nimmt man vergnüglich die hohe Qualität von Material und Verarbeitung, die unkomplizierte Funktionalität ausnahmslos aller Bedienelemente vom Tempomat bis zum umfangreichen Sicherheitspaket zur Kenntnis. Elektrisch verstellbare Ledersitze, sensorgesteuertes Fern- und Abblendlicht, ein beleuchteter Startknopf und große runde Instrumente. Kein Overkill – hier ein Knöpfchen, dort ein Schieberchen –, alles reduziert und erfreulich einfärbig. Fast möchte man sagen: elegant.

Natürlich reizt der grüne Econ-Knopf verspielte Naturen als Erstes. Ein sanfter Druck stimmt Motor, Automatik und Klimaanlage in einem Sparmodus aufeinander ab. 150 PS leistet das 2,2-Liter-i-DTEC-Triebwerk, 350 Newtonmeter sorgen für ordentlich Schub. Immerhin wiegt das Teil bei voller Zuladung von 455 Kilo mehr als zwei Tonnen. Dass der CR-V dann doch im Testbetrieb mit 6,2 l Durchschnittsverbrauch nahezu alemannisch-zurückhaltend abschneidet, dafür muss man ihn loben.

Ein wenig leidet die Sicht

Und wofür gibt’s Schelte? Ein wenig für die „Rück-Sicht“, die unter den dicken Dachsäulen und dem hoch angesetzten Fenster leidet. Und ein wenig für die Vorsicht, die im elektronischen Auffahrwarner zur Hochform aufläuft. Wer seinem Vordermann zu dicht auffährt, dem ruckelt das Bremspedal, der Sicherheitsgurt zieht an, eine Warnanzeige blinkt und ein ekelhaftes Fiepen unterstreicht die Warnung. Nachdem man sich am Pannenstreifen erholt und wieder zu sittsamem Fahrstil zurückgefunden hat, rücken zwei große Vorteile des CR-V in den Vordergrund: Er ist ein herrlicher, leiser und bequemer Reisewagen, mit dem man am liebsten ins Burgund ausbüchsen möchte (wo er vor romanischen Klosteranlagen sicher eine gute Figur macht). Und er hat Platz wie ein Lkw. 16 Getränkekisten finden im Kofferraum Platz. Das reicht für diesen Monat. ##Thomas Matt##

Positiv: Alle Bedien­elemente sind dort, wo sie hingehören. Der CR-V fährt sich wunderbar unkompliziert.
Positiv: Alle Bedien­elemente sind dort, wo sie hingehören. Der CR-V fährt sich wunderbar unkompliziert.
Nobel, geräumig und funktional: der „Arbeitsplatz“.
Nobel, geräumig und funktional: der „Arbeitsplatz“.
Auch das Heck wirkt gefällig.
Auch das Heck wirkt gefällig.
Negativ: Die breiten Dachsäulen hinten und die hohe Fensterlinie verschlechtern die Sicht nach hinten.
Negativ: Die breiten Dachsäulen hinten und die hohe Fensterlinie verschlechtern die Sicht nach hinten.

Fakten

» Motor/Antrieb: 4-Zylinder-Diesel mit 2199 ccm und 110 kW (150 PS) bei 4500 U/min. Max. Drehmoment 350 Nm bei 2000 U/min, Allrad

» Fahrleistung/Verbrauch: Höchstgeschwindigkeit 190 km/h, 0–100 km/h in 9,7 Sek., Verbrauch 5,8 l (Test 6,2 l) CO2 154 g/km

» Preis: ab 31.680 Euro, Testwagen 43.800 Euro