Moderner Dinosaurier

04.05.2018 • 06:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erste ausführliche VN-Testfahrten mit der neuen G-Klasse: Offroad eine Klasse für sich, auf Asphalt deutlich verbessert.werk
Erste ausführliche VN-Testfahrten mit der neuen G-Klasse: Offroad eine Klasse für sich, auf Asphalt deutlich verbessert.werk

Vieles neu, alles besser: Mercedes hat die G-Klasse zukunftsfit gemacht, ohne den Charakter zu ändern.

Mercedes. „Jetzt noch die dritte Sperre dazuschalten“, mahnt der erfahrene Instruktor. Der G500 klettert über loses Geröll einen Steilhang hinauf, als wäre das gar nichts. Dass die Neuauflage des Geländewagendinosauriers trotz einer Schräglage von fast 35 Prozent nicht umkippt, grenzt an ein physikalisches Wunder. „Das kann sonst keiner“, ermutigt der Mercedes-Mann am Beifahrersitz die Offroad-Leistungsfähigkeit auszureizen.

Die Limits haben sich verschoben: weiter ins Extreme. Die neue G-Klasse hat weder Kanten verloren noch Talente eingebüßt. Im Gegenteil. Sie kann alles besser und ist im Gelände damit eine Klasse für sich. Andere Hersteller haben ihre Kraxler der SUV-Welle geopfert. Mercedes hat seine Ikone indes zukunftsfit gemacht. Dafür sind die Schwaben mit Unterstützung des Produktionspartners Magna in Graz technisch neue Wege gegangen. Vorne ist jetzt eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker-Vorderachse verbaut, der Leiterrahmen in Kombination mit der Starrachse hinten ist geblieben.

Dass es den Entwicklern geglückt ist, damit die bisherige Offroad­tauglichkeit nicht nur zu halten, sondern eindrucksvoll zu verbessern, muss auch so manchen im Werk überrascht haben. Die Referenzzeit am Grazer Hausberg, dem Schockl, hat der Neue jedenfalls regelrecht pulverisiert. Von achteinhalb auf unter acht Minuten, heißt es. Die anspruchsvolle Strecke in der Nähe der Magna-Produktion ist für Geländewagen so etwas wie die Nordschleife für Sportwagen. Auch andere Werte belegen den Fortschritt: Mehr Bodenfreiheit (plus 6 mm auf 24,1 cm), Wattiefe um ganze 10 auf jetzt 70 Zentimeter gestiegen und Zuwächse bei Böschungswinkel und Rampenwinkel.

So viel zu den Fakten. Die gefühlten Fahreindrücke zeigen insbesondere auf befestigten Straßen, dass der Neue zwar den ursprünglichen Charakter nicht aufgegeben hat, aber in Sachen Fahrdynamik nichts mehr mit den Vorgängern zu tun hat. Auf Asphalt verhält sich der „Vierkanter“ jetzt wie ein echtes Auto. Rund, geschmeidig lässt er sich mit einer neuen Leichtigkeit präzise durch Kurven steuern. Eine elektrische Lenkung hilft im Verbund mit der steiferen Karosserie. Leichter ist er auch als der Vorgänger. 170 Kilogramm weniger machen sich bemerkbar – höchst positiv, wie man leicht erraten kann.

Etwas länger und breiter mit modernen LED-Lichtern im klassischen Stil versehen: Die Wiedererkennung der G-Klasse ist geblieben. Wie vieles in seiner Geschichte seit 1979. Der markante Türgriff, die Türscharniere oder das ihm eigene Schließgeräusch: Bei der Offroad-Legende wurde auf nichts verzichtet, das ihn seit Jahrzehnten auszeichnet.

Brachialer Vortrieb

Und freilich gibt es auch mit der Neuauflage wieder eine AMG-Version (G63) mit mächtigem Achtzylinder Biturbo, dessen 585 PS Leistung für brachialen Vortrieb sorgen. Gut fahrbar, weil auch wie beim Standardmodell gleich mehrere Fahrmodi wählbar sind. Die Spreizung reicht von supersportlich bis höchst komfortabel.

Gemeinsam ist G500 und G63 ein Qualitätssprung im Innenraum. Mehr Platz, verbesserte Geräuschdämmung und Luxus wie in der S-Klasse. Zudem haben modernstes Infotainment und viele Assistenzsysteme Einzug gehalten. Dass innen kaum etwas beim Alten geblieben ist, dürfte wohl nicht einmal Traditionalisten stören.

Die Limits haben sich verschoben: weiter ins Extreme. Die G-Klasse setzt im Gelände neue Maßstäbe.

Luxus pur: Große Bildschirme, top Infotainment und viele Assistenzsysteme.
Luxus pur: Große Bildschirme, top Infotainment und viele Assistenzsysteme.
Mercedes-AMG: Der neue G63 setzt die sportlichen Maßstäbe im Segment.
Mercedes-AMG: Der neue G63 setzt die sportlichen Maßstäbe im Segment.
Die G-Klasse ist seit 1979 am Markt und längst eine Ikone.
Die G-Klasse ist seit 1979 am Markt und längst eine Ikone.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb G500: 4-Liter-V8-Benziner mit 422 PS, 610 Nm, Allrad, 9G-Tronic; G63: 4-Liter-V8-Biturbo-Benziner mit 585 PS, 850 Nm; Allrad, 9G-Tronic

Preis ab 142.490 Euro (G500); bzw. 196.180 Euro (G63)
Marktstart 1. Juni