Energischer Herausforderer

Motor / 15.07.2022 • 10:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine Attraktion in Ausformung und Auftritt: Der Kia EV6 stellt sich als hochspannender Stromspender zur Schau.Vn/Paulitsch
Eine Attraktion in Ausformung und Auftritt: Der Kia EV6 stellt sich als hochspannender Stromspender zur Schau.Vn/Paulitsch

Mit dem schnellladefähigen Crossover-SUV EV6 geht Kia zukunftsweisend in die Vollen.

kia Um weiter in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu fahren, hat Kia auch bei der Elektromobilität richtig Spannung aufgebaut und schickt den ersten Vollzeitelektriker auf spezieller Elektro-Plattform ins Rennen. Ein Kürzel genügt, um den Crossover-SUV als Stromer auszuweisen: EV6. Die Koreaner greifen in die Vollen, um dem Augenschmeichler durch die Attraktion in Ausformung und Auftritt im Straßenverkehr ein Alleinstellungsmerkmal zu sichern.

So gesehen hat der E-Typ die Nase schon einmal weit vorne. Aerodynamisch-athletisch streckt sich der Stromer glattflächig und geduckt auf 4,68 Meter hin, um sich im Abgang mit dem eigenwilligen Bürzelheck noch einmal eine extra Finesse zu geben. Die optische Attacke mutet an, als wolle der Elektro-Koreaner vor allem jene Umweltfreunde herausfordern, die ihr Öko-Gewissen auch extravagant beschleunigen wollen.

Schwungvoller Schwergewichtler

In diesem Sinne gibt sich der neue EV6 auch zukunftsweisend in vielerlei Hinsicht. Im VN-Test hatten wir es mit dem Stromspender in der Version 77,4 kWh AWD GT Line zu tun: Allradantrieb mit 239 kW/325 PS Systemleistung. Die Schubkraft zieht das Energiebündel aus einem 74-kW-Elektromotor auf der Vorderachse und einer 165-kW-Elektromaschine auf der Hinterachse. Bei einem maximalen Drehmoment von 605 Nm geht denn auch so richtig was vorwärts. Dass der Stromer infolge seines massigen Batteriepakets im Unterboden mit 2,1 Tonnen schon ein gewichtiger Brummer ist, lässt er einen im Augenblick der Tempogier vergessen. Vom Start weg reißt der EV6 fulminant an. Den Ballast merkt man indes beim Bremsen oder wenn es in die Kurvenlage geht. Da knickt der Schwergewichtler bisweilen schon einmal ein. Dafür ist der Allradler allzeit trittsicher unterwegs.

Nachdem der Elektro-Kia gerne auf seinen dynamischen Grundcharakter anspielt, ist auch die Fahrwerksabstimmung von vergleichsweise unverblümter Auslegung. Sie garantiert allerdings den annehmbaren Kompromiss aus gesunder Straffheit und langestreckentauglichem Komfort.

Heftiger Stromstoß

Was den EV6 in Tat und Wahrheit auszeichnet, ist sein 800-Volt-Bordnetz. Das ist gleichsam ein heftiger Stromstoß für die vorherrschende Elektroautoszene, in der das bislang nur wenige Modelle zu bieten haben. Der Kia-Stromer wird durch die progressive Ladetechnik jedenfalls nicht zum Heißläufer, gleichzeitig erlaubt es ihm superschnelles Nachladen. Mit 240-kW-Ladeleistung in der Spitze, wenn auch nur kurz, lässt sich der schlappe Akku damit an der Schnellladestation im Idealfall binnen 22 Minuten wieder auf 80 Prozent Batteriekapazität bringen. Wenn der EV6 voll im Saft steht, soll es den Werksangaben zufolge gar über 500 Stromkilometer weit gehen. Wie viel tatsächlich vom Öko-Vorteil bleibt, hängt natürlich auch vom eigenen Fahrprofil ab. Wir haben bei großenteils disziplinierter Fahrweise, gerade auch auf der Autobahn, immerhin knapp 400 Kilometer geschafft. Respekt! Unterwegs fiel alsbald auf, dass der EV6 ein angenehmer Beförderer ist, der allen Mitfahrern an Bord genügend Platz bietet. Da lässt es sich auch nach längeren Reisefahrten entspannt aussteigen. In die Gesamtschau passt, dass der Koreaner allerlei Technik-Joker ausspielt. Und über die Instrumententafel mit zwei 12,3-Zoll-Monitoren erfolgt via Display und Touchscreen die volldigitale Show für Navi-, Entertainment- und Fahrinfos. Allein der Materialmix um die Kommandozentrale könnte noch mehr Charme vertragen. Ein feines Helferlein ist wiederum die Rundumsichtkamera, über die man angesichts der mäßigen Übersicht des EV6 beim Reversieren froh ist. VN-HGP

Mit dem gewichtigen Stromer geht’s auch auf kurvigen Landstraßen überraschend handlich und souverän voran.

Das Heck ist eine optische Attacke. Der Kofferraum hat 480 l Stauvolumen.
Das Heck ist eine optische Attacke. Der Kofferraum hat 480 l Stauvolumen.
Mutig durchgestylt ist die Kommandozentrale mit dem Volldigital-Cockpit.
Mutig durchgestylt ist die Kommandozentrale mit dem Volldigital-Cockpit.
Hochvolt-Held: Der Kia-Stromer ist ein intelligenter Schnelllader.
Hochvolt-Held: Der Kia-Stromer ist ein intelligenter Schnelllader.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb Zwei Synchron-E-Motoren, 325 PS Systemleistung, 605 Nm, Allrad, Reduktionsgetriebe.

Fahrleistung/Verbrauch 0 – 100 km/h: 5,2 Sek., Spitze. 185 km/h, Norm: 18,4 kWh/100 km, Test: 19,4

Preis Grundpreis: 67.390 Euro, Testwagen: 70.390 Euro.