Rüsselsheimer Blitz steht unter Strom

Der erste Vollelektrifizierungs-Schritt in Opels Kompaktklasse ist mit dem 5-türigen Astra vollzogen.
Opel Übung haben die Rüsselsheimer schon, wenn es darum geht, Antriebe unter Vollstrom zu setzen. Der Corsa ist es schon, ebenso der Mokka und etliche Nützlinge – Combo, Zafira/Vivaro, Movano – auch. Jetzt sind die Kompakten an der Reihe. Sie profitieren vom jüngst gestärkten Elektro-Antriebsstrang des Stellantis-Konzerns. Die Motorleistung wurde von 136 auf 156 PS angehoben, die Batteriekapazität von 50 auf 54 kWh gestärkt. Das resultiert nicht zuletzt in einer Verlängerung der Reichweiten. Dem frisch auf Stromantrieb gepolten Astra attestiert Opel bis zu 418 Kilometer.
Als Elektriker ist der Strom-Kompakte nur bei genauem Hinschauen identifizierbar: Ein dezentes blaues „e“ auf der rechten Seite der Heckklappe liefert den entscheidenden Hinweis. Im Interieur outet sich der Astra Electric erst dann als Elektriker, wenn die Zündung, pardon der Strom eingeschaltet ist, dann offenbaren sich die Stromantrieb-spezifischen Informationen.
Relatives Leichrgewicht
Ein wesentliches Kriterium für Reichweite ist das Gewicht. Hier hat man gespart, wo es nur möglich war, siehe Heckklappe aus Kunststoff. Effekt ist, dass der Stromer nur ein Kilogramm schwerer ist als sein Plug-in-Hybrid-Pendant. Mit ab 1679 Kilo ist er unter den Elektro-Schwergewichten eines der leichtesten. Zumindest als Fünftürer, der den Astra-Start in die Elektro-Ära einleitet. Für den Anfang 2024 folgenden Sports Tourer (Kombi-Version) gibt es noch keine diesbezüglichen Details.
Das vergleichsweise moderate Gewicht mag Anteil daran haben, dass der in den technischen Daten angegebene Null-auf-100-Wert von 9,2 Sekunden in der Praxis flotter wirkt, als er scheint. Zu erfühlen war das, sobald man es auf die Autobahnen rund um Berlin geschafft hatte. Wo das Antriebssystem bis zu 170 km/h zulässt. Das Gros der ersten Kennenlernfahrt führte jedoch durch den überaus dichten Verkehr der deutschen Hauptstadt. Das maximal erreichbare Schneckentempo wurde teils mit 11,0 kWh Verbrauch – laut Bordcomputeranzeige – belohnt.
Gute Geräuschdämmung
Lohnend ist auch, dass dem Kapitel Geräuschdämmung hohes Augenmerk geschenkt wurde. Lässt man die Seitenfenster geschlossen, erntet man im City-Dschungel nahezu Schalldichtheit. Dazu kommt, dass sich der Stromer in Bezug auf die Fahrwerksabstimmung gefühlt kaum anders benimmt als seine Verbrenner- und Teilelektro-Brüder. Was durchaus angenehm abgeht, ist angesichts der nahtlosen Portionierung der Fahrstufe die bekannte zeitweilige Irritation der Achtgang-Automatik, die in den konventionell und teilalternativ bewegten Pendants verbaut ist.
Realistische Reichweite
Im Stopp-and-Go-Verkehr erscheint die Reichweitenangabe realistisch. Rechnerisch wären sich knapp 350 Kilometer ausgegangen. Trotz eines kurzen Abstechers auf die Autobahn und trotz vollen Einsatzes der Klimaanlage.
Beim Laden der Akkus setzt Opel im Astra auf einen dreiphasigen 11-kW-Onboard-Lader. Mit Wechselstrom (DC) – es sind bis zu 100 kW Leistung möglich –, sollte der Akku in einer halben Stunde zu achtzig Prozent nachgefüllt sein.
Außer dem, wie erwähnt, demnächst kommenden elektrischen Sports Tourer stehen bei Opel weitere rein Batterie-elektrische Modelle in der Pipeline. Darunter auch der Nachfolger des noch aktuellen Opel Crossland.
Weitere Strom-Aktivitäten inkludieren die Einführung von mild hybridisierten Benzinern auf Basis eines 48-Volt-Bordnetzes.
Der Stromer fühlt sich kaum anders als die Verbrenner an. Unterschied: die mühelose Gleitfähigkeit.


Fakten und Daten
Motor/Antrieb E-Aggregat mit 156 PS und 260 Nm/54-kWh-Batterie /stufenloses Getriebe/Vorderrad
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 9,2 sec., 170 km/h Top-Speed/14,8 kWh/418 Kilometer
Marktstart/Preis Bestellbar ab September, Preis noch offen