Nach Übernahme: Nachfrage nach Kraftwerken “made in Bludenz” groß

Ein Jahr nach Bertsch-Energy-Insolvenz: Dieffenbacher Energy mit vollen Auftragsbüchern – Mitarbeiter werden gesucht.
Bludenz Der Schock war groß, als Bertsch Energy Ende November 2022 seine Insolvenz ankündigte. 156 Arbeitsplätze waren in Gefahr, Passiva in Höhe von fast 140 Millionen Euro wurden beim Insolvenzgericht gemeldet. Anerkannt wurden schließlich knapp zehn Millionen Euro. Ende Dezember 2022 konnte damals Insolvenzverwalter Wilhelm Klagian nach harten Verhandlungen die Übernahme des Bertsch-Unternehmens durch den baden-württtembergischen Maschinen- und Anlagenbauer Dieffenbacher vermelden.

„Wir sehen unser Engagement langfristig. Wir sind gekommen, um zu bleiben“, beteuerten im Gespräch mit den VN die Käufer, Lukas Langer und Christian Dieffenbacher, die das Familienunternehmen in fünfter Generation führen. Von der Technologie des Bludenzer Kraftwkersbauers waren sie damals überzeugt und wie sich nach einem Jahr herausstellt, war diese Einschätzung des neuen Business Units nicht unberechtigt. Für die Geschäftsführung konnte der österreichische Spitzenmanager Wolfgang Lashofer, der zuvor mehr als 35 Jahre lang für die österreichische Andritz Gruppe tätig war, gewonnen werden, ein branchenweit beachteter Coup.
“Ein gutes erstes Jahr”
Zum Jahresende 2023 kann Lashofer im Gespräch mit den VN eine gute Bilanz legen. „Wir haben ein sehr gutes erstes Jahr“, so der Geschäftsführer von Dieffenbacher Energy, neben den Aufträgen, die bereits das Vorgängerunternehmen ausverhandelt hat und die bei Nachverhandlungen mit den Kunden bestätigt wurden, konnte Dieffenbacher Energy auch große Neuaufträge ans Land ziehen. Neben einem Gaskraftwerk für die Voest Alpine in Linz wurde u. a. ein Großauftrag in Ägypten – dort soll aus bisher nicht verwendeten Palmenblättern Strom erzeugt werden – akquiriert, die meisten Aufträge haben wir aber in der DACH-Region“, so Lahofer. Von Auftragseingang bis zur Fertigstellung vergehen in der Regel drei Jahre. Deshalb ist derzeit die Projektpipeline des Bludenzer Unternehmens gut gefüllt, „das ist wirklich erfreulich. Der Auftragseingang liege bei rund 200 Millionen Euro, „das ist über 50 Prozent mehr als budgetiert“.

Neben der fundierten und innovativen Kraftwerkstechnologie des Bludenzer Unternehmen sei für die gute Auftragslage natürlich auch der Trend zur unabhängigen Energieerzeugung bzw. der Umstieg auf erneuerbare Energie vieler Firmen maßgeblich gewesen, weist er auf die veränderte Lage am Energiemarkt hin, der zahlreiche Firmen – in Vorarlberg etwa die Ganahl Aktiengesellschaft – bewogen habe, sich nach neuen Möglichkeiten in Sachen Energie umzuschauen. „In den Produktionsbetrieben ist das Interesse anhaltend hoch, dabei geht es neben der Unabhängigkeit auch um die Nachhaltigkeit und die Zurückdrängung fossiler Brennstoffe wie Gas und Öl“ berichtet Lashofer.

Die Zusammenarbeit mit Eppingen laufe gut. Dieffenbacher produziert Pressensysteme und komplette Produktionsanlagen für die Holzwerkstoff-, Forming- und Recyclingindustrie. Im Geschäftsjahr 2022 wurde von der Gruppe mit insgesamt vier Units ein Umsatz von deutlich über 400 Millionen Euro erzielt. Beschäftigt werden über 1700 Mitarbeiter weltweit.
Mitarbeiter gesucht
Was Dieffenbacher Energy in Bludenz jetzt brauche, seien dringend weitere Mitarbeiter. 95 Prozent der Belegschaft habe man übernommen, jetzt werden weitere Verfahrens- und Servicetechniker, Maschinen- und Anlagenbauer gesucht, welche die 160 Mitarbeiter an den vier Standorten unterstützen. In Wien wurde zudem ein neues Büro eröffnet. Weitere Standorte neben Bludenz und Wien sind am Dieffenbacher-Hauptsitz in Eppingen (Baden-Württemberg) und in Polen. In der Alpenstadt wird nicht produziert – hier planen und entwickeln die hochqualifizierten Mitarbeiter die Kraftwerke, produziert wird mit Partnern und in Polen. In Bludenz läuft nach wie vor die Suche nach einem Firmenstandort, bisher ist Dieffenbacher beim ehemaligen Eigentümer Bertsch eingemietet. „Ich rechne damit, dass wir im ersten Quartal 2024 eine Lösung haben werden“, erklärt der Manager, es gebe in Bludenz und im nahen Umfeld Möglichkeiten für die Errichtung eines Firmensitzes, bekräftigt Lashofer das Bekenntnis der Eigentümerfamilie Dieffenbacher zum Standort in der Alpenstadt.