Ein Marathon für Sternenkinder

Rainer Juriatti startet morgen, Freitag, auf der Pack eine besondere Mission.
Bludenz, Graz Scheitern ist keine Option. Schon gar nicht bei der Resonanz, die Rainer Juriatti (59) auf seine Aktion bekommen hat. Morgen, Freitag, startet der in Graz lebende Bludenzer auf der Pack eine besondere Mission. Er will 1200 Kilometer für Sternenkinder laufen und denen, die nie oder nur kurz leben durften, auf diese Weise eine Stimme geben, ihnen zu Akzeptanz verhelfen wie anderen Verstorbenen auch. Zwischen den Etappen hält Juriatti in den Ortschaften, in denen er nächtigt, auf Wunsch noch Vorträge. Da kam mit 36 zusätzlichen Veranstaltungen einiges zusammen. „Schon deshalb muss ich das Vorhaben durchziehen“, merkt er mit einem Schmunzeln an. Selbstredend kommt Rainer Juriatti auf seiner Marathontour auch in Vorarlberg vorbei. Am 6. Mai beispielsweise wird er in der Traube Braz mit dem Kiwanis-Club einen offenen Abend gestalten.

Schweißtreibende Eckpunkte
Allein schon die Eckpunkte seines Unternehmens lesen sich schweißtreibend: Neun Bundesländer, 10.000 Höhenmeter, 40 Etappen und zwei Großereignisse. So quasi auf den letzten Metern steht für Rainer Juriatti nämlich noch die Teilnahme am Linzathlon sowie am Grazathlon auf dem Programm. Durchschnittlich 35 Kilometer wird er täglich absolvieren, im Schlepptau einen rund 45 Kilo schweren Sportkinderwagen. Er ist mit allem ausgestattet, was es während des Ultramarathons braucht, Solarzellen inklusive: „Maximale Autonomie ist notwendig, um körperlich spürbar das auszuhalten, was Sternenkindeltern ein Leben lang psychisch aushalten müssen“. Rainer und seine Frau Vera sind fünffache Sternenkindeltern. Schmerzen und Einsamkeit beschreibt er als die dominierenden Gefühle von Eltern, die ein Sternenkind zu betrauern haben. Der Kinderwagen, den er hinter sich herzieht, symbolisiert das Leid vieler Betroffener in Österreich: „Er wird immer leer bleiben.“

Gedenken an Pablo
Der Starttag der Initiative, der 26. April, trägt zumindest einen Namen: Pablo. Er war das dritte Sternenkind der Familie Juriatti. „Pablo hat am längsten durchgehalten“, erzählt der Sternenkindvater. Bis zur 25. Schwangerschaftswoche durfte sich das Ehepaar auf Nachwuchs freuen, ehe wieder ein Traum zerbrach. Im Buch „Die Abwesenheit des Glücks“ hat der Schriftsteller den Schmerz, die Trauer, aber auch die Liebe, die so ein Ereignis mit sich bringt, in Worte gefasst. Nun möchte er buchstäblich im Laufschritt auch Bewusstsein für einen selbstverständlichen Umgang mit Sternenkindern und Sterneneltern schaffen.

Sportliche Motivation
Hinter der Aktion steht aber auch eine sehr persönliche Motivation. „Vor zehn Jahren wurde ich in Graz von einem Auto überfahren. Damals hieß es, es werde schwierig, jemals wieder einen Halbmarathon zu laufen. Das hat mich angespornt, nicht aufzugeben und hart zu trainieren. Ob meine Lendenwirbel und das Knie halten, werden wir sehen.“ Rainer Juriatti hofft es. Als größte Herausforderung betrachtet er das Arlbergmassiv, das er am 11. Tag überquert. Seit Juni 2023 trainierte er für das Vorhaben, lud Sandsäcke in den Laufwagen und ließ Bemerkungen wie „hast du einen Knall“ gelassen über sich ergehen. Wiewohl solche überwogen, gab es doch auch respektvolle Bewunderung für den Sternenkindaktivist und Marathonläufer. Als solcher weiß Rainer Juriatti, der seit 12 Jahren in Graz wohnt, was auf ihn zukommt, aber: „Ich gehe es mit Freude an.“ Vom Verlauf des Projektes wird täglich auf der Blogseite von www.mein-sternenkind.net sowie auf Social Media Plattformen berichtet.

Zur Person
Rainer Juriatti
Alter: 59
Beruf: Schriftsteller, Schauspieler
Familie: verheiratet mit Vera, zwei erwachsene Kinder
Wohnort: Graz
Fakten
1240 Kilometer Laufstrecke
ca. 10.000 Höhenmeter (lt. Komoot)
40 Etappen, 6 Ruhetage
Teilnahme Linzathlon, Abschluss Grazathlon
Start: 26. April 2024, dem Todestag seines Sohnes Pablo, einem seiner fünf Sternenkinder.
Das Team hinter dem Läufer:
Vera Juriatti, Backend-Office, Tourleitung, Pressekontakt während des Laufs, Social-Media Betreuung
Mag. Tonio Juriatti, Trainings-Coach und -partner, Social-Media Betreuung
Dr. Kristina Hütter-Klepp, Sport- und Ernährungsmedizin
Prim. Doz. Dr. Gerd Ivanic, Orthopäde
Christopher Martin, Physiotherapeut
Mike Uitz, Filialleiter, Intersport Tscherne
Lydia Tibet-Stuhlpfarrer, Vertriebsleiterin, Intersport Tscherne
Christoph Weber, Laufschuh-Experte, Intersport Tscherne
Marcel Hassler, Sportartikel-Experte, Intersport Tscherne
Ewald Michelitsch, Gefährt-Techniker, Intersport Tscherne
Mag. Sylvia Loibner, Taxi 878, Mentorin
Maximilian Wascher, John Harris Graz
Christian Sedlak, Kinderwagenshop Cindy Wien
