Der Waldläufer

Nicola Gulli hat mit der Natur- und Wildnisschule sein Hobby zum Beruf gemacht.
Röthis Waldläufer: Dieser Begriff charakterisiert Nicola Gulli (37) wohl am besten. Schon seit Kindertagen streift der gebürtige Schweizer, der seit 10 Jahren in Vorarlberg lebt, am liebsten durch den grünen Tann. Beseelt von der Vorstellung, zu Hause in der Wildnis und damit gleichzeitig mehr zu Hause bei sich selbst zu sein, machte er sein Hobby zum Beruf. Gulli absolvierte eine Ausbildung zum Natur- und Wildnistrainer und gründete 2019 im liechtensteinischen Ruggel eine Natur- und Wildnisschule. Selbst die Pandemie konnte den Plänen nichts anhaben. „Wir hatten genug Platz, um auf Abstand zu gehen“, erzählt Nicola Gulli mit einem Schmunzeln. Inzwischen geht alles wieder seinen gewohnten Gang, können die Camps für Klein und Groß, beeinflusst höchstens vom Wetter, aber auch das stört nicht, wie gewohnt stattfinden. Waldläuferbanden, Kinderkurse, primitives Handwerk, Feuertechniken, Bogenbau, Ledergerben, Pflanzenwissen und vieles andere lässt sich in der Wildnisschule erleben bzw. erlernen.

Gegenseitige Inspiration
Die Idee der Natur- und Wildnisschulen schwappte schon vor längerer Zeit von Amerika nach Europa über. Als Begründer gilt Tom Brown, der sich zehn Jahre lang von einem Indianer in das einfache Leben in und mit der Natur einweihen ließ. Rundum schossen die Schulen danach buchstäblich wie Pilze aus dem Boden. Nicola Gulli ist’s recht, denn die Schulen inspirieren sich gegenseitig. Er selbst lernte ursprünglich Polymechaniker. „Die Arbeit an der Maschine war aber absolut nicht mein Ding“, erinnert sich Gulli zurück. Deshalb verlegte er sich nach der Lehre aufs Reisen mit Rucksack oder Rad. Immer wieder kehrte Nicola zurück, allerdings nur, um Geld für neue Reisen zu verdienen. „Die schönste Reise führte mich jedoch zu Lena“, sagt er und wirft seiner Partnerin einen liebevollen Blick zu. Selbstredend lernten sich die beiden draußen kennen. Zuweilen hilft Lena auch in der Natur- und Wildnisschule mit und sagt von Nicola: „Er hat ein gutes Auge für die Menschen und die Fähigkeiten, die in ihnen schlummern.“

Gemeinschaftsgefühl
Der Platz, auf dem Nicola Gulli mit seinen Gästen ganz bewusst in die Natur eintaucht, liegt gerade einmal zehn Gehminuten von Ruggel entfernt. „Das Areal gehört einem Freund. Ich helfe ihm bei der Bewirtschaftung und darf dafür meine Kurse dort abhalten“, erklärt Nicola. Am meisten los ist zwischen April und Oktober. Danach wird es ruhiger. Die Intention bleibt jedoch gleich: „Es geht mir darum, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.“ Deshalb bleiben die Teilnehmer vielfach auch danach etwa per Internet in Kontakt. Nicola Gulli will ihnen aber noch mehr mitgeben, nämlich vorhandene Fähigkeiten ans Tageslicht zu bringen. „Fähigkeiten, die Selbstvertrauen und Stärke schenken, weil wir zum Beispiel wissen, dass wir immer und überall ein Feuer zaubern können“, nennt er ein Beispiel. So wird Schritt für Schritt eine tiefere Verbundenheit zur Natur aufgebaut. „Das tut gut. Uns selbst und allen, mit denen wir das teilen“, bringen Nicola und Lena ihre Philosophie auf den Punkt.

Zur Person
Nicola Gulli
Alter: 37
Wohnort: Röthis
Beruf: Natur- und Wildnistrainer, bildet auch selbst aus
Familie: Partnerschaft mit Lena, Tochter Yuna (2)
Hobby: Snowboarden
Infos: www.wildnessen.ch




