Werner Hagen: Spitze Feder und großes Herz

23.01.2026 • 12:05 Uhr
Werner Hagen: Spitze Feder und großes Herz
Werner Hagen war als Lehrer, Pfadfinder, Mundartdichter, Satiriker und Mitgründer des Weltladens Dornbirn vielseitig engagiert.privat

Am 12. November 2025 verstarb der Dornbirner Werner Hagen, der weit über seine Heimatstadt hinaus als Satiriker und Mundartdichter bekannt war.

Von Kristina Becker

Dornbirn Werner Hagen kam am 7. Januar 1943 in Dornbirn als viertes von fünf Kindern von Hans und Irma Hagen zur Welt. Da aufgrund der Kriegszeit Kohle Mangelware war, wurde der neugeborene Werner mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in Irmas Elternhaus, dem Gasthaus Adler, einquartiert, denn hier wurde geheizt. Seinen Vater lernte er erst als Dreijähriger kennen, als dieser aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurückkehrte. Werner erlebte eine schöne Kindheit, die er schon damals mit Kasperltheateraufführungen humorvoll bereicherte. In der Volks- und Realschule war er ein guter Schüler, dessen satirische Beiträge allerdings beim Direktor nicht nur für Freude sorgten.

Werner Hagen: Spitze Feder und großes Herz
Werner mit seinem Enkel Raffael.

Nach der Matura studierte Werner Deutsch und Französisch in Wien, Paris und Innsbruck und lehrte anschließend jeweils ein Jahr in Bludenz, Istanbul und Nordfrankreich. 1972 nahm er eine Lehrerstelle am BRG Dornbirn-Schoren an. Hier gründete er die Schultheatergruppe, für deren Auftritte er selbst Requisiten bastelte, und trat bei Lehrer-Nikolofeiern als “gefürchteter” Krampus auf. Später wechselte er ans Sportgymnasium Dornbirn, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 unterrichtete.

Bereits in seiner Jugendzeit trat Werner den Pfadfindern bei, bei denen er sich über Jahrzehnte hinweg engagierte – unter anderem als Leiter von Fahrten und Sommerlagern, bei Sozialeinsätzen im Ausland und natürlich beim Dornbirner Flohmarkt, wo er fast 50 Jahre in der Buchabteilung im Einsatz war. Aber auch literarisch beteiligte er sich gern bei den Pfadis, ob bei der Pfadizeitung “D’Funzl”, den Gemeindeblattinseraten im Vorfeld des Flohmarkts, Jubiläumsbroschüren oder als Vortragsredner.

Das Schreiben war für Werner ein großer Lebensinhalt. Neben Reimen für Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste schrieb er für die “Seagar-Rätscho”, den Rundfunk und das Kabarett “Wühlmäuse”. 1979 startete er mit “Gaul” Ulrich Gabriel und anderen das “Kasperltheater für Vorarlberg”, ein Stabpuppenkabarett. Seit 1988 schrieb er die Texte für den “Nochejasser” mit Klaus Schöch im ORF. Dabei war er ein scharfer Beobachter des Alltags und der Gesellschaft, die er mit viel Witz beschrieb.

Werner Hagen: Spitze Feder und großes Herz
Wenn er nicht gerade bei den Pfadfindern, im Weltladen oder in Sachen Dichtung im Einsatz war, war Werner in seiner Freizeit auch gern in den Bergen unterwegs.

In seinen Texten kam oft auch sein Engagement für Menschenrechte und Umweltschutz zum Vorschein. Als Gründungsmitglied des Vereins 3. Welt und des Weltladens Dornbirn blieb er bis zum Schluss aktiv und war stets zur Stelle, wenn er gebraucht wurde – egal ob als Obmann, Verkäufer, Mundartdichter, Handwerker oder Transporteur.

Mit Elisabeth, die er 1974 heiratete, führte er eine liebevolle und harmonische Ehe. Das Paar teilte viele gemeinsame Hobbys und Interessen – die Arbeit im Weltladen, aber vor allem die vielen Berg- und Skitouren, das Radfahren, den Gemüseanbau auf ihrem Acker im Lustenauer Ried oder entspannende Aufenthalte in ihrem Häuschen im Ebnit.

Als Papa und Opa sorgte Werner gerne für Action und Abenteuer. Gleichzeitig war er auch verständnisvoll, großzügig und geduldig. Seine Tochter Claudia erinnert sich gern an Paddelurlaube, Wandertouren oder das Klettern mit seinem Enkel Raffael.

In den letzten Jahren zog sich Werner immer mehr zurück. Der körperliche und geistige Radius wurde kleiner, die Schritte kürzer. Schließlich endete Werners Leben dort, wo es begann: in der Wohnung über dem ehemaligen Gasthof Adler. Seine Liebsten erinnern sich an ihn als einen, der seine Weltanschauung wirklich lebte. Mit seiner Liebe zur Familie, Kreativität, Lebensfreude, Abenteuerlust, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit wird er ihnen in dankbarer Erinnerung bleiben.

Begleitet durch: Bestattung Oberhauser

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Einem größeren Publikum bekannt wurde Werner Hagen als Texter für den “Nochejasser” im ORF Vorarlberg.