Ernst Sohm: Ein “heruntergekommener” Bildsteiner
Ernst Sohm war maßgeblich daran beteiligt, dass die damalige Dornbirner Molkerei zur besten Joghurtmolkerei Österreichs gekürt wurde.privat
Von Kristina Beckerund Klaus Thaler
DornbirnEin “heruntergekommener Bildsteiner”: Das war die Eigendefinition von Ernst Sohm, der in Bildstein geboren und aufgewachsen, dann aber in Dornbirn ansässig geworden war – also “von oben” heruntergekommen. Diese Bezeichnung wertete er gern dadurch auf, dass er seine Wohnadresse mit L. A. abkürzte – wie die kalifornische Großstadt Los Angeles. “Sein” L. A. meinte aber die Straße “Lange Aecker”, eine kurze Seitenstraße in Haselstauden. Geografie war überhaupt eines seiner Fachgebiete und man konnte von ihm Auskünfte wie aus einem Lexikon bekommen.
Geboren 1936, verdiente sich Ernst in den Nachkriegsjahren die ersten Schillinge durch Mithilfe in der Sennerei Bildstein-Gaisbirn. Dort fand er Interesse an dieser Arbeit und begann seine Lehre in der Käserei Hörbranz. Das war für ihn fast eine Zumutung, denn damals mussten die bis zu 100 kg schweren Käselaibe noch händisch gewendet und gesalzen werden. Die weitere Berufsausbildung bis zur Meisterprüfung absolvierte er in Rotholz (Tirol) und wechselte anschließend zur Großmolkerei Dornbirn. Dort entstand 1967 gerade die erste Milch- und Molketrocknungsanlage Westösterreichs. Nach einer speziellen Einschulung gelang Ernst die Inbetriebnahme der komplexen Anlage hervorragend und er leitete diese danach mehrere Jahre.
1983 überzeugte ihn sein Vorgesetzter Klaus Thaler, ihn bei der Übernahme der Privatmolkerei Bregenz zu unterstützen. Ernst übernahm dort erfolgreich die Verbesserung der Joghurtproduktion. Aufgrund der für eine Qualitätsproduktion fehlenden Voraussetzungen wurde schließlich in Dornbirn ein Zubau für eine neue Produktionsanlage geschaffen, welche Ernst Mitte 1984 in Betrieb nehmen konnte. Mit seinem Einsatz wurde die Qualität so stark verbessert, dass Dornbirn bald zur besten Joghurtmolkerei Österreichs gekürt wurde. 1990 wurde Ernst die Verkaufsleitung für den gesamten Frischdienst übertragen. Diese große Verantwortung behielt er bis zur Übernahme durch den Milchhof Feldkirch-Oberland. Die neu entstandene Firma verließ er bald durch Pensionsantritt.
Vor der Käsereilehre hatte Ernst eine kurze Schnupperlehre bei einer Baufirma gemacht. Dort erwarb er sich so viele Grundkenntnisse, dass er zum “Hüslebauer” wurde. Zuerst erstellte er sein Eigenheim, danach folgten weitere für seine vier Kinder. Auch bei unzähligen Neu- und Umbauten oder Reparaturen bei Mitarbeitern oder Freunden waren seine Kenntnisse und Arbeitskraft gefragt. Viele Bekannte machte Ernst sich auch durch die Weitergabe der von ihm vermehrten EM-Bakterienkultur, die geruchsarme Gülle erzeugte und die er selbst bei seinen geliebten Bienenvölkern anwandte.
Es ist darum nicht verwunderlich, dass zu seiner Verabschiedung am 14. Jänner die Kirche Haselstauden beinahe bis zum letzten Platz gefüllt war. Angesichts der überaus großen Runde von Trauergästen bedankte sich seine Tochter Gabi für die so große Anteilnahme mit den alle Anwesenden erlösenden Worten: “Wenn Papa das so sehen könnte, würde er sagen: ‚Wow‘!”
Nachrufe in den Vorarlberger Nachrichten
Möchten Sie einen Angehörigen mit einem Nachruf würdigen? Dann kontaktieren Sie uns unter nachrufe@vn.at unter dem Betreff “Nachrufe”.
Weitere Nachrufe finden Sie hier.
Ernst Sohm stammte aus Bildstein, wohnte aber den Großteil seines Lebens in Dornbirn.
Das von Ernst Sohm erbaute Haus in “L. A.”.