Ein oft steiniger Weg ins Leben

18.02.2026 • 15:20 Uhr
Vorarlberger Kinderdorf
Jugendliche in betreuten Einrichtungen müssen sich oft schon sehr früh Gedanken über ihre Zukunft machen. Symbolfoto Voki

Rebecca Blattner engagiert sich für ehemalige Betreute von Kinderschutzeinrichtungen, sogenannten Care Leavern.

Bregenz „Ja, es läuft gut“, sagt Rebecca Blattner (27), und sie ist dankbar dafür. Die Bregenzerin hat fast ihr ganzes Leben im Kinderdorf Kronhalde verbracht. Mit 19 musste sie dort raus und auf eigenen Beinen stehen. „Glücklicherweise gab es Menschen, die an mich glaubten und mich ernstnahmen“, erzählt Rebecca. Heute setzt sie sich leidenschaftlich für die Rechte von Care Leavern ein. Dabei handelt es sich um junge Leute, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen sind und deren Betreuung meist schon mit 18 endet, was den Wechsel in die Selbständigkeit oft sehr herausfordernd macht. Um eine Besserstellung zu erreichen, engagiert sich Rebecca Blattner im Verein Care Leaver Österreich, der am Freitag an der Universität Innsbruck den Care Day ausrichtet. „Es ist der erste Care Day, den wir eigenverantwortlich gestalten“, fügt Rebecca nicht ohne Stolz an. Sie freut sich auch, dass das Vorarlberger Kinderdorf als Kooperationspartner gewonnen werden konnte. Ebenso wird die Kinder- und Jugendanwaltschaft vertreten sein.

Rebecca Blattner
Rebecca Blattner ist dankbar für die Unterstützung, die ihr nach dem Ausscheiden aus dem Kinderdorf Kronhalde zuteil wurde.

Bessere Unterstützung

Das Team von Care Leaver Österreich besteht aus jungen Erwachsenen, die alle Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendhilfe gemacht haben. Ihr Ziel ist es, Care Leaver zu stärken, das System hinsichtlich Unterstützung zu verbessern und so für mehr Chancengleichheit zu sorgen. „In Österreich verlassen junge Erwachsene im Durchschnitt mit 25 das Elternhaus“, nennt Rebecca Blattner ein Beispiel, wo es hakt. Care Leavern ist diese Schonfrist nicht vergönnt. „Wollen wir länger bleiben, sind wir Bittsteller“, verdeutlicht Blattner. Doch selbst dann ist mit spätestens 21 Schluss. „Wir kämpfen eigentlich nur um ein Recht, das jeder hat“, ergänzt sie. Auch Care Leaver möchten wenigstens bis 25 ein sicheres Dach über dem Kopf und dorthin zurückkehren können, wenn der Schritt ins Erwachsenenleben zu steinig gerät. Zudem steht noch immer der Wunsch nach einem bundeseinheitlichen Kinder- und Jugendschutzgesetz im Raum. Blattner bedauert, dass die Verländerung nicht verhindert werden konnte. So nehmen die Vorstandsmitglieder ihre Forderungen mit auf Vorträge im In- und Ausland, zu Kinderarmutskonferenzen, Netzwerktreffen und anderen Veranstaltungen, zu denen sie immer öfter eingeladen werden.

Pläne umgesetzt

Den Care Leavern eine Stimme geben, das ist es, was Rebecca Blattner antreibt. Sie habe viel Glück gehabt, dennoch seien schon mit 16 Existenzängste aufgekommen. Dank vielfältiger Hilfe konnte die junge Frau ihre Pläne umsetzen. Sie machte eine Lehre, absolvierte erfolgreich die Abendmatura und anschließend das Psychologiestudium. Inzwischen arbeitet Rebecca Blattner im Sozialbereich. Gleichzeitig bereitet sie sich auf das Masterstudium vor. Auf der beruflichen Agenda steht außerdem eine Ausbildung zur Klinischen Psychologin. Zu ihrer Kinderdorfmutter pflegt die Bregenzerin nach wie vor einen intensiven Kontakt. Bei ihrem Betreuer von der Ehemaligenbegleitung holt sie sich ebenfalls regelmäßig Rat. „Ja, es läuft gut“, bekräftigt Rebecca Blattner noch einmal. Sie tut, was in ihrer Macht steht, damit auch andere Care Leaver das irgendwann von sich sagen können.

Care Day an der Universität Innsbruck, Freitag, 20. Februar 2026, von 8.30 bis 17 Uhr, Infos zum Programm unter www.careleaver.at