Sabine Anderle: Vom Kindheitstraum zur Kultwirtin – das Gasthaus Lamm war ihre Familie

20.03.2026 • 11:30 Uhr
Am 24. Januar verstarb die beliebte
Am 24. Jänner verstarb die beliebte “Lammwirtin” Sabine Anderle aus Lustenau.privat

Am 24. Januar verstarb Sabine Anderle, die Wirtin des legendären “Lamm” in Lustenau.

Von Ulrike Müller

Lustenau Sabine wurde am 4. September 1964 in Dornbirn geboren, sie besuchte die Volksschule Hasenfeld und die Hauptschule im Kirchdorf. Im Elternhaus in Lustenau, wenige Meter entfernt vom Gasthaus Lamm, wuchsen Sabine und ihre drei Geschwister mit viel Platz zum Spielen auf. Wenn an den Wochenenden die Verwandtschaft zu Besuch kam, war das Haus voll, es wurde erzählt, gelacht und musiziert – Sabine war stets mittendrin und hat dies laut ihrer Schwester Monika sehr genossen.

Wenn an solchen Tagen dem Vater die Zigaretten ausgingen, schickte er die beiden Schwestern ins Lamm, wo sie von Fanis Appenzeller Hund begrüßt wurden. Der Hund bellte Monika an, nicht aber Sabine – er wusste wohl damals bereits, dass sie ins Lamm gehört. Denn, wie ihre Schwester erzählt, äußerte Sabine schon früh den Wunsch, einmal die Wirtin vom Lamm zu werden.

Nach der Schule arbeitete sie bei Textil Bösch. Später ging Sabine mit ihrer Freundin Manuela in die Schweiz und arbeitete als Kellnerin, doch es zog sie wieder zurück in ihr geliebtes Lustenau, und der Wunsch, das Lamm zu übernehmen, wuchs immer mehr.

“Es funktioniert zu 110 Prozent!”

Beim 1902 erbauten Gasthaus an der Hohenemserstraße wurde über Jahrzehnte wenig an der Einrichtung verändert. 1994 trat Fani mit 93 Jahren in den Ruhestand, und die Zukunft des Lamms war ungewiss. Acht Jahre war es geschlossen, bis sich Sabine 2002, trotz Warnungen von Insidern, ihren Traum erfüllte und das 100 Jahre alte Gasthaus übernahm. “Ich bin mir zu 110 Prozent sicher, dass es funktioniert!”, meinte sie. Und das tat es.

Sabine war mit Leidenschaft Wirtin im
Sabine war mit Leidenschaft Wirtin im “Lamm”.

Ein großer Wunsch von Sabine zur Wiedereröffnung war, dass “Lamms Fani” in den Räumen des Gasthauses weiterleben sollte – und wer einmal dort war, kann dies spüren. Einige Fotos von ihr hängen an den Holzwänden. Stammgäste treffen sich hier zum “Fürobad-Bierli”, diskutieren über Gott und die Welt. Auch der Lammsaal ist für Geburtstagsfeiern sehr beliebt, wo knusprige Schnitzel und das “legendäre Backhännili” serviert werden, und während des Faschings tanzen “Greötli” zu alten Schlagern – Sabine war dabei stets mittendrin.

Sabine, wie man sie kannte.
Sabine, wie man sie kannte.

Das denkmalgeschützte Gasthaus gehört mittlerweile der Gemeinde Lustenau, die Außenfassade und das Dach wurden erneuert, alles andere blieb, wie es war. Sabine war mit Leib und Seele Wirtin, das merkte jeder Gast, wenn er die alten Räumlichkeiten betrat. Dass sie auch zur Kultwirtin wird, hat sich Sabine mit ihrer einzigartigen Energie selbst erschaffen – das Lamm war ihre Familie.

Eine Ära geht zu Ende – ein neuer Wirt im Lamm

Am 1. Oktober 2025 entschloss sie sich, in Pension zu gehen. Ihr Neffe Manuel, auch ein Gastronom, freute sich darauf, das Schmuckstück zu übernehmen. Leider holte sie vor ein paar Wochen, gerade bereit für den Urlaub, ein Blutgerinnsel jäh aus dem Leben, und Sabine schloss, überraschend für alle, für immer ihre Augen.

Mit Sabine Anderle verliert Lustenau eine einzigartige Wirtin. Ihre herzliche Gastfreundschaft sorgt dafür, dass sie für immer Teil des Lamms bleibt und sie neben “Lamms Fani” ebenfalls Kultstatus gewonnen hat.

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Sabine Anderle erlangte als Wirtin des
Sabine Anderle erlangte als Wirtin des “Lamm” in Lustenau Kultstatus.
Sabine hinter der Theke ihres Gasthauses. Das
Sabine hinter der Theke ihres Gasthauses. Das “Lamm” war ihre Familie.