Nachruf Amalia Pichler: “Mama war so stark – und ein echter Goldschatz”

Am 16. Februar endete der Lebensweg von Amalia Pichler – einer Frau, die in ihrem Leben mit Stärke, Offenheit und Großzügigkeit beeindruckte.
Von Kristina Becker
Kennelbach Amalias Lebensweg begann am 4. Mai 1935 in Aldein in Südtirol und führte bald in die Steiermark nach Deutschlandsberg, wo sie mit ihren Brüdern Willi, Louis und Erich aufwuchs. Besonders nach dem frühen Verlust ihrer Mutter Anna zeigte sich Malis außergewöhnliche Stärke: Mit nur 14 Jahren übernahm sie Verantwortung für den Haushalt und kümmerte sich mit bewundernswerter Hingabe um ihre jüngeren Brüder.
Anfang der 1950er-Jahre zog es sie nach Vorarlberg. Ihr Bruder Willi half ihr beim Neubeginn. Im Restaurant Weberbeck arbeitete sie im Service und in der Küche und beeindruckte mit Fleiß, Herzlichkeit und Tatkraft. Mit großem Engagement ermöglichte sie auch ihren Brüdern Louis und Erich den Weg nach Vorarlberg. Der Zusammenhalt der Familie lag ihr ein Leben lang besonders am Herzen, und sie pflegte stets einen guten Kontakt zu ihren Verwandten in Südtirol.
Nach ihrer ersten Ehe, die ihr ihren Sohn Gert schenkte, fand sie später in Herbert ihre große Liebe. Gemeinsam gingen sie durchs Leben und schufen ein liebevolles Zuhause, das durch Michael und Andrea komplettiert wurde. Mali war nicht nur eine hervorragende Köchin, sondern auch Mutter mit Leib und Seele. Sie vermittelte ihren Kindern Werte, die sie selbst lebte: Liebe, Dankbarkeit, Großzügigkeit, Aufrichtigkeit und eine tiefe Menschlichkeit. “Mama war ein echter Goldschatz”, sagt ihre Tochter Andrea über sie.
Amalia war bis ins hohe Alter eine politisch interessierte und sportbegeisterte Frau. Ob internationale Politik, regionale Ereignisse oder sportliche Großereignisse – Mali war informiert, stellte Fragen und hatte eine klare Meinung. Ihr Interesse an der Welt hielt ihren Geist wach und jung.
Ein besonderes Licht in ihrem Leben war ihr Enkel Mathias. Ihr Herz schlug für die Kinder – für Enkel, Nichten und Neffen. Wenn sie ihren berühmten “Stopfa mit Apfelmus” oder einen ihrer Blechkuchen zubereitete, versammelte sich die Familie um sie. Besonders ihr Gotakind Annette durfte sich immer wieder über ihre liebevolle Zuwendung freuen.
Doch Mali war nicht nur fürsorglich, sondern auch lebensfroh. Sie liebte die Geselligkeit, das Lachen und das Tanzen. Bei den Faschingskränzle im Schindler- oder Hofsteigsaal war sie mittendrin. Ein besonderes Highlight war ihr 90. Geburtstag letztes Jahr, den sie im Kreise ihrer Familie feiern durfte. Mali war lustig und kommunikativ, pflegte herzliche Freundschaften mit ihren Nachbarn und Freunden in der Steinfeldstraße und nahm die Menschen stets so, wie sie sind. Mit großer Hingabe kümmerte sie sich um ihre Blumen, und auch die Tiere lagen ihr am Herzen – so versorgte sie im Winter stets liebevoll die Vögel.
Ihre wöchentlichen Ausflüge nach Bregenz waren feste Rituale: der Besuch der Seekapelle, der Wochenmarkt und das gemütliche Zusammensein im Café Leutbühel. Ein Grillteller und zwei Kugeln Vanilleeis mit Sahne – das war für sie ein perfekter Tag.
Doch die letzten Jahre verlangten ihr viel ab. 2015 musste sie ihren geliebten Herbert verabschieden, im vergangenen Mai auch ihren Sohn Gert. Diese Verluste schmerzten sie tief. Doch selbst in dunklen Stunden verlor sie nie ihren Glauben und ihre Zuversicht. Als sie im September 2025 schwer erkrankte, hatte sie nur einen Wunsch: zu Hause, im Kreis ihrer Liebsten, Abschied nehmen zu dürfen. Dank der liebevollen Fürsorge ihrer Familie wurde ihr dieser Wunsch erfüllt. Am 16. Februar, just am Geburtstag ihres geliebten Herberts, schlief Amalia friedlich ein. Mit ihr geht eine Frau, die ihre Familie über alles liebte, die das Leben zu schätzen wusste und die bis zuletzt mit wachem Geist und großem Herzen mitten im Weltgeschehen stand.
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