Ralph Hollenstein: Der Pedalpirat von Lustenau – Pionier und immer mit Vollgas unterwegs

05.05.2026 • 15:38 Uhr
Ralph Hollenstein gründete den ersten Lastenrad-Lieferdienst in Vorarlberg, wofür er 2017 den österreichischen Umweltpreis erhielt.
Ralph Hollenstein gründete den ersten Lastenrad-Lieferdienst in Vorarlberg, wofür er 2017 den österreichischen Umweltpreis erhielt.privat

Weltoffen und neugierig, mit vielen Visionen, die er realisierte, genoss Ralph Hollenstein sein Leben, das am 21. März endete.

Von Ulrike Müller

Lustenau Der Pedalpirat mit seiner Fahrradkutsche, so kannte man Ralph Hollenstein, er bewegte nicht nur Güter durch das ganze Rheintal, sondern auch die Gemüter der Menschen. Für manche war sein großes Transportrad ein Verkehrshindernis, für andere heldenhaft.

Ralph wurde am 30. Juli 1973 als zweites Kind von Inge und Wolfgang Hollenstein geboren. Mit seiner Schwester Ronja erlebte er eine schöne Kindheit. Die Lehre als Speditionskaufmann nach der Pflichtschule bei der Firma Scheffknecht Transporte prägte ihn sehr. Dazu beigetragen hat sein Ausbildner Egon. Denn obwohl Ralph kein einfacher Lehrling war, lernte er von dessen Berufs- und Lebenserfahrung und dem gegenseitigen, wertschätzenden Respekt. Von dieser Zeit erzählte Ralph bis zuletzt immer wieder. Später gab er alles an seine Lehrlinge weiter und war ihnen ein ebenso vorbildlicher Ausbildner. Das ging so weit, dass er einen seiner Lehrlinge in Not bei sich daheim aufnahm.

Ralph bei der 1. Lustenauer Fahrradparade 2016.
Ralph bei der 1. Lustenauer Fahrradparade 2016.

Verleihung des österreichischen Umweltpreises 2017

Ralphs beruflicher Weg führte von Scheffknecht Transporte über FIT Logistics zu Kühne & Nagel. Als Seefrachtspediteur aus Leidenschaft verschiffte er Container in alle Welt, kannte jeden Hafen und fand für jedes Problem eine Lösung. Doch mit Managern, teuren Uhren und dem Drumherum konnte er wenig anfangen. Er kündigte und widmete sich seiner Leidenschaft, dem Radfahren. Ralph machte sein Hobby zum Beruf, kombinierte dieses mit seiner 20-jährigen Erfahrung als Spediteur und gründete 2014 die Firma “Pedal Piraten” in Lustenau. Der erste Lastenrad-Paketdienst in Vorarlberg war geboren.

 Ralph Hollenstein war ein Pionier im klimafreundlichen Transportwesen und legte im Schnitt im Monat 1600 Kilometer per Lastenrad zurück.
Ralph Hollenstein war ein Pionier im klimafreundlichen Transportwesen und legte im Schnitt im Monat 1600 Kilometer per Lastenrad zurück.

Gemüsekisten vom Vetterhof, die “Gnouot Louot” vom Spar König, UPS-Pakete und Waren bis zu 250 Kilogramm transportierte er klimafreundlich durch das Land.Im Schnitt legte er rund 1600 Kilometer im Monat zurück. “Ich arbeite nur wenige Tage im Jahr, die restliche Zeit tue ich das, was ich am liebsten mache, nämlich radla!”, sagte Ralph gern über seinen Beruf. Sein innovatives Engagement für den Klimaschutz wurde 2017 belohnt und er erhielt zusammen mit Simon Vetter vom Vetterhof den österreichischen Umweltpreis. Nebenbei baute er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Stefan Bösch die “Pedal Piraten”-Werkstatt auf.erkstatt auf.

Ralph zu Hause in seinem geliebten Garten.
Ralph zu Hause in seinem geliebten Garten.

Das Recht auf Wind in den Haaren

Gemeinsam mit seiner Frau Elke, Tanja Maier und Michael König brachte er “Radeln ohne Alter” nach Österreich. Die Lustenauer Gemeindepolitik begrüßte dieses Projekt für Senioren, denn die vertraute Umgebung in einer Fahrradrikscha zu erkunden, ist die einfachste Art, Menschen glücklich zu machen. Inzwischen sind die Rikschas bei Senioren und deren Angehörigen nicht mehr wegzudenken.

Familienmensch und stolzer Vater

Als junggebliebener Vater war Ralph für jeden Spaß zu haben und seine drei Söhne waren sein größter Stolz. Er liebte seinen Garten, die Erde und das Pflanzen von Gemüse. Zudem hatte er eine Vorliebe für Kompost. Die Mikroorganismen, die den Wandel ermöglichen, faszinierten ihn. Seinen Plan, eine Pilzzucht aufzubauen, konnte er leider nicht mehr realisieren. Die Diagnose Lungenkarzinom im November 2024 schwächte langsam seine Kräfte und am Ende auch die Zuversicht.

Ralph, der Macher, war immer mit Vollgas unterwegs, sei es beim Arbeiten oder privat: Er gehörte immer zu den Letzten, die nach Hause gingen. Jetzt ging er voraus, denn am Frühlingsanfang, dem 21. März 2026, konnte er selbstbestimmt im geliebten Zuhause bei seinen Liebsten, mit einem Lächeln im Gesicht, seinen letzten Weg gehen – klar und bewusst, wie immer in seinem Leben.

Nachrufe in den Vorarlberger Nachrichten
Möchten Sie einen Angehörigen mit einem Nachruf würdigen? Dann kontaktieren Sie uns unter nachrufe@vn.at unter dem Betreff “Nachrufe”.
Weitere Nachrufe finden Sie hier.

Ralph mit seinem Sohn Pascal 2024 bei seinem letzten Besuch in Berlin.
Ralph mit seinem Sohn Pascal 2024 bei seinem letzten Besuch in Berlin.