Familiennachzug ausgesetzt: “Es ist sehr, sehr schwer”

Prosper Masabo fand im Montafon Zuflucht. Seine Frau und zwei Kinder konnte er seit dreieinhalb Jahren nicht in die Arme schließen.
Schruns Prosper Masabo sitzt auf einer Holzbank unter einem Rosenbogen. Nur eine Rose ist vom vergangenen Sommer übrig geblieben. Genauso sitzt auch der 44-Jährige allein auf der Bank. Links und rechts sind Plätze frei. Am liebsten würde er sie mit seiner Familie füllen. Doch seine Ehefrau, seine Tochter und sein Sohn leben in Burundi – “in der Heimat”, wie der Neo-Montafoner das Land noch immer nennt. Vor dreieinhalb Jahren musste er es aufgrund ethnischer Spannungen verlassen.
In Burundi gibt es zwei große ethnische Gruppen: die Hutu und die Tutsi. Masabo gehört den Tutsi an, während derzeit eine Hutu-Regierung an der Macht ist. Das bedeutet für Tutsi nicht allein Diskriminierung. Im schlimmsten Fall sind sie von Entführungen, Verfolgung, Inhaftierung und sogar Mord bedroht. “Viele intellektuelle Menschen werden systematisch entführt”, schildert er den VN. Der studierte Jurist berichtet, dass Korruption in dem kleinen, dicht besiedelten ostafrikanischen Staat, der zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, ein großes Problem sei.

Wissen: Asyl- und Migrationspakt
Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) gilt ab 12. Juni. Damit werden die EU-Asylregeln nicht nur vereinheitlicht, sondern auch verschärft. Die bisherige Dublin-III-Verordnung wird durch die Asyl- und Migrationsmanagement-Verordnung ersetzt, wobei der Grundsatz bestehen bleibt, dass Asylanträge grundsätzlich im ersten EU-Einreiseland gestellt werden müssen. Gleichzeitig sollen Weiterreisen in andere Mitgliedstaaten erschwert und besonders belastete Länder durch einen Solidaritätsmechanismus entlastet werden.
Schließlich musste Masabo aus Burundi flüchten, um sein Leben zu retten. Am 15. November 2022 kam er nach Österreich. Seine erste Station war Wien, danach lebte er in Traiskirchen und Villach. Im Caritas-Quartier “Maria Rast” in Schruns fand er eine dauerhafte Unterkunft. Masabo erzählt seine Geschichte mit ausgewähltem Vokabular, flüssig und mit erstaunlich wenig Akzent. Für ihn war von Anfang an klar, dass Deutsch der Schlüssel ist, um hier anzukommen. Zunächst half er sich mit einer Sprach-App, später übte er im Austausch mit Mitarbeitenden der Caritas und besuchte Sprachkurse. Und er sagt auch: “Die deutsche Sprache kann ich nur üben, wenn ich auf andere zugehe.”

Noch heute lebt Masabo in Schruns. Er hat das Bleiberecht und arbeitet als Küchenhilfe in einem Hotel. Doch er hat weitere Pläne: “Ich möchte ab Oktober eine Ausbildung im Gesundheitsbereich machen. Ich habe mich für die Pflegeschule in Feldkirch angemeldet.” Zudem sucht er eine größere Wohnung, damit seine Familie genügend Platz hat.
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Familiennachzug per Quote gebremst
Wie lange die Familie getrennt bleibt, ist unklar. Erst am Mittwoch wurde im Parlament das Asyl- und Migrationspakt-Anpassungsgesetz (AMPAG) beschlossen. Damit wird auch der Familiennachzug neu geregelt. Seit fast einem Jahr gilt ein grundsätzlicher Stopp. Künftig soll der Familiennachzug über Quoten organisiert werden. Das bedeutet, dass Menschen mit anerkanntem Schutzstatus in Österreich ihre Angehörigen nicht mehr automatisch nachholen können – selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Stattdessen müssen die Familienmitglieder Teil eines jährlichen Kontingents sein. Zudem erhalten Angehörige künftig nicht mehr automatisch denselben Asylstatus, sondern lediglich einen Aufenthaltstitel.

Masabo hofft dennoch auf ein baldiges Wiedersehen – trotz der politischen Entwicklungen. “Im September wird mein Sohn acht Jahre alt, meine Tochter wird im Juni fünf Jahre alt”, erzählt er. Gemeinsam mit ihrer Mutter leben die beiden Kinder in Burundi. Noch heute werde die Familie von Unbekannten telefonisch bedroht. “Ich will mit meiner Familie hier zusammenleben. Wir haben täglich Kontakt per Whatsapp, aber ich will sie berühren, ich will mit meinen zwei Kindern spielen. Es ist sehr, sehr schwer.”
