Helga Reiner: Die Welt war ihr nie weit genug

Sie kochte mit Leidenschaft, reiste mit offenen Augen und liebte mit ganzem Herzen.
Von Hartmut Hofer
Dornbirn Wer Helga kannte, wusste, dass sie immer in Bewegung war. Nicht rastlos, sondern neugierig auf Menschen, auf Orte, auf den nächsten guten Kaffee, das nächste unbekannte Gewürz, die nächste Geschichte, die es zu entdecken galt. Am 25. April 1971 wurde sie als zweites Kind von Fridoline (Frieda) und Karl Kocevar geboren. Mit Bruder Robert wuchs sie zunächst in Hatlerdorf auf, bevor die Familie nach Böngern am Zanzenberg zog und mit der Geburt von Schwester Elke 1976 komplett wurde. Im Haus tummelten sich Hasen, Schafe, Katzen, Hühner und Ziegen, es klang mehr nach Leben als nach Stille. Mittendrin Helga, ein aufgewecktes Mädchen mit großen blauen Augen und Locken.

1986 begann sie ihre Lehre als Konditorin bei Fenkart in Hohenems, und wer sie kannte, wunderte sich nicht, denn Genuss und Handwerk passten zu ihr. Es folgte eine zweite Ausbildung zur Köchin, mit Auszeichnung abgeschlossen, dazu die Fachakademie in Innsbruck und zahlreiche Weiterbildungen. Ihr Wissen behielt sie aber nicht für sich. Als Lehrlingsausbildnerin gab sie ihre Begeisterung weiter, was ihr mindestens ebenso viel bedeutete wie das eigene Können. Berufliche Stationen in ausgezeichneten Restaurants und Hotels in Tirol und Vorarlberg folgten, bevor sie im Dornbirner Café Stadelmann ihre berufliche Heimat fand – ein Ort, den sie liebevoll ihr “Wohnzimmer” nannte.

Am 7. Juni 1992 lernte sie ihren Wilfried kennen. Über viele Jahre führten die beiden eine stabile und lebendige Beziehung, bevor sie sich 2006 in Meran das Jawort gaben. Zu Hause war ihr treuer Bobtail “Chilly”. Helga liebte das Reisen mit wachen Augen. Thailand, China, die USA, Südafrika, Indien, Japan, Korea und der Nahe Osten. Von überall brachte sie Gewürze, Rezepte und Geschichten mit, die noch lange nachklangen. Eine besondere Zuneigung gehörte Kambodscha, wo ihr Patenkind Bopha Klan lebte. Dabei ließ sie sich auch von Herausforderungen nicht aus der Ruhe bringen, weder von Erdbeben noch von Taifunen oder anderen unerwarteten Ereignissen.

Zum nächsten Geburtstag hatte sie Argentinien geplant. Ihre Schwester Elke sagte dieser Tage, Helga habe wohl fast jedes besondere Café und jeden Geheimtipp zwischen Zürich und München gekannt. Das klingt nach Übertreibung. Wahrscheinlich stimmte es trotzdem.
Trotz allen Fernwehs blieb sie ein Familienmensch durch und durch. Ausflüge mit ihrer Mutter, Zeit mit Geschwistern, Nichte und Neffen – das war ihr genauso wichtig wie das Abenteuer in fernen Ländern. Mit Wärme, Ideen und Großzügigkeit gehörte sie einfach dazu, in jeder Runde, in der sie saß. Ihren Vater Karl, zu dem sie eine besonders enge Verbindung hatte, verlor sie 2022. Seinen Tod trug sie schwer. Umso unfassbarer bleibt ihr eigener, so plötzlicher Abschied. Zwischen der Diagnose ihrer schweren Krankheit und ihrem Tod am 18. April 2026 lagen nur wenige Wochen. Helga Reiner hinterlässt ihren Mann Wilfried, ihre Mutter Frieda, ihre Geschwister Robert und Elke sowie alle, die das Glück hatten, ihr nahezustehen. Sie fehlt, laut und lebendig, wie sie war.
Begleitet durch: Bestattung Oberhauser
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