“Ich hätte tausendmal tot sein können”

21.07.2026 • 10:47 Uhr
"Ich hätte tausendmal tot sein können"
Nach einer Krebserkrankung genießt Kurt Greber sein Leben. Und dazu gehört auch hin und wieder ein Bier. Philipp Steurer

Kurt Greber musste in seinem Leben viele Schicksalsschläge meistern. Trotzdem hat er seinen Lebensmut nicht verloren.

Buch Kurt Greber (65) lebt gerne. “Das Leben ist einfach wunderschön. Ich bin mit der Familie und der Welt im Frieden”, sagt er. Kurt könnte auch verbittert sein angesichts der zahlreichen Schicksalsschläge, die ihn trafen. Doch statt Groll strahlt er Heiterkeit und Dankbarkeit aus.

Der Sohn eines Senners aus Buch hatte eine unbeschwerte Kindheit. “Das ganze Dorf war unser Spielplatz.” Bereits als Zehnjähriger half er seinem Vater im Betrieb. “Ich habe Käse eingepackt und verkauft.” Nach dem Poly absolvierte er eine Ausbildung zum Elektriker. Der junge Mann ergatterte eine Lehrstelle bei den VKW. “Es gab 300 Anmeldungen für zwölf Lehrplätze.”

Die Arbeit bei den VKW machte ihm Freude. “Ich konnte mich ständig weiterentwickeln.” Als Zentralwart steuerte und überwachte er das Hochspannungsnetz. Außerdem handelte er Strom an der Börse. “Dazu musste ich die Börsenprüfung ablegen.” Nach 46 Dienstjahren ging Kurt bei den VKW in Pension. “Eigentlich wollte ich erst ein Jahr später in den Ruhestand gehen, aber dann wurde ich schwer krank.”

"Ich hätte tausendmal tot sein können"
Kurt Greber liest jeden Tag in der Bibel.

Im Oktober 2020 bekam der Bucher die Diagnose Zungengrundkrebs. “Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Jetzt lauerte der Tod im Hintergrund.” Mit drei Chemotherapien und 37 Bestrahlungen versuchten seine Ärzte, dem bösartigen Tumor Herr zu werden. Die Behandlung verlangte Kurt viel ab. “Ich konnte nicht mehr essen und verlor innerhalb eines Monats zwölf Kilo. Dann wurde ich über eine Magensonde ernährt.” Über Monate quälten ihn Schmerzen im Rachenraum. “Manchmal waren sie so stark, dass ich mich im Spital aufnehmen ließ.”

Dass er den Behandlungsmarathon überstand, schreibt er seiner körperlichen Fitness und seiner mentalen Stärke zu. “Ich habe ein Leben lang gesportelt. Als Sportler entwickelt man eine größere Leidensfähigkeit.” Aber der Sport hatte auch seinen Preis. “Als junger Mann fuhr ich Motocross. Mit 21 verunglückte ich bei einem Rennen. Mein Hintermann fuhr mir in den Rücken. Nur knapp schlitterte ich damals an einer Querschnittslähmung vorbei.” Viele Jahre später, im Mai 2024, hätte ihn der Sport beinahe das Leben gekostet – bei einer Bergtour auf den Biberkopf. “Beim Abstieg über eine Steilrinne verlor ich den Halt. Ich stürzte auf einem Schneefeld 200 Höhenmeter in die Tiefe.” Kurt erlitt am ganzen Körper Prellungen und Serienrippenbrüche. “Es grenzt an ein Wunder, dass ich überlebt habe. Ich hätte tausendmal tot sein können”, meint der Bucher, der im Glauben seinen inneren Halt fand. Der Katholik liest jeden Tag in der Bibel.

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Kurt Greber (rechts) ist ein begeisterter Bergsteiger. Den Hochvogel im Allgäu bestieg er mit seinem Freund Franz-Michel.

Sein Glaube half ihm über weitere Schicksalsschläge hinweg. Im Jahr 2005 verlor Kurt seinen besten Freund Ludwig. “Er verkraftete die Scheidung nicht und nahm sich das Leben.” Im Jahr 2006 erlitt Kurt wieder einen Verlust. “Meine Frau trennte sich von mir. Das war ein Albtraum für mich. Ich trauerte drei Jahre.” Ein paar Jahre später ging der leidgeprüfte Mann wieder eine Beziehung ein, aber auch diese scheiterte nach 14 Jahren. Und wieder half ihm sein Glaube, die schwere Zeit zu bewältigen. Heute geht es dem Vater von drei Kindern wieder gut. Die vielen Tiefen in seinem Leben haben ihn zu einem zufriedenen Menschen werden lassen. “In meinem Leben gibt es kein Nörgeln mehr. Ich bin mit meinem Sein zufrieden.”