Gertrud Bertsch: Zwischen Firma, Familie und Himbeerroulade

Gertrud Bertsch sorgte für Harmonie zu Hause und für Glanz bei jedem Empfang.
Von Kristina Becker
Bludenz Manche Menschen prägen, ohne dass sie Aufmerksamkeit suchen oder im Vordergrund stehen. Gertrud Bertsch war ein solcher Mensch. Sie war die engste Vertraute ihres Mannes, jene stille Kraft, auf die sich ihr Umfeld verlassen konnte, und das Herz ihrer Familie.
Auf den Treppen der Universität Innsbruck sahen sich Gertrud und Josef zum ersten Mal. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick und auch bei Gertrud ließen die Schmetterlinge nicht lange auf sich warten. Was als Studentenliebe begann, wurde zu einer Familie. Die regelmäßigen Zusammentreffen von Kindern, später auch den Enkeln und Urenkel waren Fixpunkte.

Dabei bleibt Gertrud nicht nur als fürsorgliche und großzügige Mama, Oma und Uroma in Erinnerung, sondern auch als ausgezeichnete Köchin. Der Kalbsbraten zu Allerheiligen war Tradition, und ihre Himbeerroulade – fünfzehn Minuten von Hand aufgeschlagen – wird unvergessen bleiben.

Gertrud war feinsinnig und legte großen Wert auf ein liebevoll, harmonisch eingerichtetes zu Hause – der Tisch musste stets schön gedeckt sein und jede Blume hatte ihren Platz. Auch bei sich selbst achtete sie zeitlebens auf ein gepflegtes Äußeres.
Sie war belesen, sprach fließend Englisch, besuchte Vorlesungen an der Seniorenuniversität und verfolgte Live-Übertragungen der Metropolitan Opera im Kino. Mit ihren Enkeln saß sie selbst am Klavier und besuchte gemeinsam mit ihnen Kinderopern.

Dank ihrer Disziplin und ihrem Elan fand sie einen Weg, den Familienalltag mit ihrem Dasein als Unternehmergattin zu vereinen. Während Josef die Geschäfte führte, organisierte sie Empfänge sowie Geschäftsessen, plante Programme für Begleitpersonen internationaler Delegationen und zeigte ihnen die Schönheiten der Region. Aufgaben, die selten erwähnt werden, aber für den Firmenerfolg ebenso entscheidend waren. Josef und Gertrud schufen gemeinsam die Grundlage für eine Unternehmensgeschichte, die bis heute weit über Vorarlberg hinaus Bedeutung erlangte.

Mit ihrem Charme, Organisationstalent und einem feinen Gespür für Menschen sorgte sie dafür, dass sich jeder willkommen fühlte. Abgesehen von ihren Liebsten gab es wenig, das Gertrud so strahlen ließ, wie ein gelungener Empfang. Sie stammte aus einem mittelständischen Elternhaus in Deutschland und lernte, sich auf wirtschaftlichem, gesellschaftlichem sowie politischem Parkett selbstverständlich zu bewegen. Ihr Motto: “Man muss mit allem rechnen – auch mit was Gutem.” Ein Jass-Nachmittag mit der niederländischen Königsfamilie in Lech ist nur eine jener zahlreichen Anekdoten, die in der Familie bis heute erzählt werden.
Typisch für Gertrud waren neben ihrer Stärke ihr feiner, trockener Humor und ihre Offenheit Neuem gegenüber. Das galt auch für ihre große Leidenschaft: das Reisen. Obwohl sich Gertrud in den Bergen zu Hause fühlte, zog es sie immer wieder hinaus in die Welt – von den USA bis in den Oman. Dementsprechend hielt die Entfernung zu ihrer Familie, die bis nach Kanada verstreut lebt, sie nie davon ab, ihre Liebsten zu besuchen.

Bei all ihrer Reiselust und Neugier auf das Unbekannte blieb Josef bis zum letzten gemeinsamen Tag Gertruds Anker. Sie sagte oft, dass Altwerden Mut braucht, weil man mit den Jahren einsamer wird. Gertrud war mutig, solange sie konnte, aber mit Josefs Tod verlor sie nicht nur einen Teil von sich selbst, sondern ihren wichtigsten Weggefährten. Sie musste ihren Weg, wenn auch gestützt von ihrer Familie, allein fortsetzen. Seit dem 11. Mai 2026 gehen Gertrud und Josef ihn wieder gemeinsam.
Begleitet durch: Espera Bestattungshaus
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