Neue VVV-Preise: “Es gibt immer Gewinner und Verlierer”

Trotz Kritik: Warum der Berater des Vorarlberger Verkehrsverbunds das neue Tarifsystem für attraktiver hält und mehr Fahrgäste erwartet.
Schwarzach Ziel des Vorarlberger Verkehrsverbunds (VVV) war es, das Tarifsystem einfacher zu machen. Es soll mehr Gelegenheitsnutzer anziehen und schlussendlich für den Kauf von mehr Jahreskarten sorgen. Für VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand und Gerd Probst, Geschäftsführer von Probst & Consorten aus Dresden, steht außer Frage, dass das neue System einfacher und attraktiver geworden ist. Probst hat den VVV beim neuen Tarifsystem beraten und war etwa bei Tarifveränderungen in München, Zürich und Berlin beteiligt.

Einnahmen steigern
Rund 60 Prozent der Kosten des VVV werden von Bund, Land und den Gemeinden, also den Steuerzahlern, finanziert. Etwa 40 Prozent werden durch Fahrgäste getragen. “Der Steuerzahler zahlt schon viel, das darf nicht schlechter werden”, sagt Probst im Zuge einer Pressekonferenz am Montag.

Bei der jüngsten Studie zum Mobilitätsverhalten der Vorarlberger im Jahr 2023 entfielen 13,5 Prozent auf den öffentlichen Verkehr. 2013 waren es 13,6 Prozent. Trotz der Tarifreform im Jahr 2014, seit der die günstigeren Jahreskarten angeboten werden, gab es also keine merkliche Veränderung. Hillbrand zufolge habe es bei der Tarifreform im Jahr 2014 übrigens ähnlich viele Beschwerden gegeben wie derzeit. Grundsätzlich hat der VVV zum Ziel, mit den vorhandenen Mitteln den öffentlichen Verkehr in Vorarlberg weiterhin finanzieren zu können und gleichzeitig mehr Menschen für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs zu gewinnen.
Auch von politischer Seite gibt es ein Ziel: Im “Mobilitätskonzept Vorarlberg 2019” wird unter anderem angestrebt, bis 2030 den Anteil der mit Bus und Bahn zurückgelegten Wege auf 16 Prozent zu steigern. “Zwei Prozent Steigerung klingt jetzt nicht nach sehr viel, aber das sind einige zusätzliche Fahrgäste, die wir da reinholen müssen”, schildert Hillbrand.
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Einfachheit
Die Preise des neuen Tarifsystems würden laut VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand keine zusätzlichen Einnahmen generieren. Viel eher soll die Einfachheit das Nutzungsverhalten ändern, neue Fahrgäste anziehen und dadurch die Einnahmen steigern.

Das Hauptaugenmerk bei der Umstellung lag also auf Gelegenheitsnutzern. Dass das alte System für diese Personen in der Praxis schon vorher einfach gewesen sei, da man am Fahrscheinautomaten statt Dominos zu zählen nur einen Zielort wählte, sehen Probst und Hillbrand anders. „Jetzt hat man die Freizügigkeit, dass man sich nicht auf das genaue Ziel festlegen muss, sondern sagen kann, ich nehme die Lokalzone und es ist egal, ob ich in Klaus oder in Weiler zum Bäcker gehe“, sagt Probst. Die neuen Zonen seien eine Umstellung, die etwas Zeit zur Anpassung benötige, aber danach würde man das System in der Praxis intuitiver nutzen können. Für sie sei klar: Das neue System ist einfacher. Und dass diese Einfachheit für das Nutzungsverhalten sehr wichtig ist, wisse Probst aus Erfahrung.
Preise
Dass die teureren Fahrten nun für einige Personen unangenehm sind, findet Probst aus menschlicher Sicht verständlich. Aber bei einer Vereinfachung gäbe es immer Gewinner und Verlierer. “Die Gewinner stehen leider nicht mit dem Blumenstrauß vor der Tür des Verkehrsverbundes. Und die Verlierer melden sich natürlich”, sagt der Experte.

Im Vergleich zu anderen Kunden verfüge der VVV über eine gute Datenbasis. Dadurch hätten die Zonen so festgelegt werden können, dass möglichst wenige Fahrgäste von starken Preiserhöhungen betroffen seien. “Wer die öffentlichen Verkehrsmittel öfter nutzt, für den zahlt sich schnell eine Jahreskarte aus. Und gegenüber denjenigen, die nur ein- oder zweimal im Monat fahren, kann man die Preise rechtfertigen”, ist Probst überzeugt. In Deutschland sei das Angebot deutlich schlechter und die Fahrpreise höher.