“Man kann nicht alles wollen und nix dafür bezahlen”

Der größte gemeinnützige Wohnbauträger hat seit knapp einem Monat einen neuen Geschäftsführer. Er hat genaue Vorstellungen, was Priorität hat und an welchen Richtlinien er sich orientiert.
Dornbirn Sein wichtigstes Argument sind Zahlen und Fakten. Seit 1. August ist Manfred Bauer, der zuvor führende Positionen in der Bau- bzw. baunahen Wirtschaft innehatte, Geschäftsführer des gemeinnützigen Riesen Vogewosi. Der Manager kennt die Wohnbaugesellschaft aus der eigenen Geschichte. “Meine Großmutter wohnte in der Südtirolersiedlung, und auch ich bin in Vogewosi-Siedlungen aufgewachsen”, erzählt er.

Seine neue Aufgabe geht er mit viel Elan an. Das ist auch notwendig, denn als größter Wohnungsvermieter Vorarlbergs hat er eine ganze Agenda an Aufgaben abzuarbeiten, etwa die Instandhaltung bzw. Ertüchtigung der Wohnungen und Gebäude, neue Projekte und die regelmäßigen Zwischenrufe aus der Politik, die vorderhand an ihm abprallen. Denn er hat Zahlen und Fakten zur Hand, wenn er seine Antrittsbesuche bei den Bürgermeistern macht. Und er hat ein Team im Unternehmen, das ihn begeistert. “Die Leute, die hier arbeiten, leben Gemeinnützigkeit”, so Bauer beim Gespräch mit den VN.
Dienstreise in die Wohnanlagen
Deshalb führen ihn seine ersten “Dienstreisen” nicht gleich zu den Bürgermeistern, sondern in die Wohnanlagen. Er besichtige alle Bautengruppen, begleite die 26 Hausverwalter, die in Summe bei fast 15.000 Wohnungen nach dem Rechten schauen – in jeglicher Hinsicht, denn sie sind Ansprechpartner für alle Anliegen, die mit Haus, Wohnung und Infrastruktur zu tun haben. “Das bedeutet, dass jeder Hausverwalter zwischen 600 und 700 Wohnungen betreut”, ist der neue Chef beeindruckt. Alle gemeinnützigen Wohnbauträger zusammen stellen übrigens 22.800 Wohnungen zur Verfügung.

“Ich besuche die Anlagen und Gemeinden, damit ich auch weiß, um was es geht”, erklärt er und hebt die Bedeutung der Vogewosi und ihrer Mieter hervor: “Fast zehn Prozent aller Vorarlberger – von der untersten Schicht bis weit nach oben – leben in einer Wohnung von uns.” Damit sie auch in Zukunft eine angemessene Unterkunft haben, investieren wir laufend in die Renovierung und Sanierung”, so Bauer. Und auch wenn Politiker ständig mehr Wohnungen fordern, will er in Zukunft vor allem in die Ertüchtigung des Wohnraums sowie in mögliche Ausbauten, Erweiterungen und Nachverdichtungen investieren. “Die Zeiten, in denen grüne Wiesen verbaut werden, sind vorbei”, gibt Bauer ein klares Statement ab.
Natürlich werde man weiterhin den Auftrag erfüllen und für entsprechenden Wohnraum im Land Sorge tragen, doch Forderungen nach 1000 neuen Wohnungen im Jahr hält er für überzogen und belegt das mit der Zahl jener Menschen, die sich bei den Gemeinden um eine Genossenschaftswohnung bemühen. Die meisten der derzeitigen Wohnungswerber – Anträge gibt es zum Stichtag 6596 – wohnen aktuell in einer privaten Mietwohnung (50,4 Prozent), gefolgt von Haushalten, die bereits über eine gemeinnützige Wohnung verfügen (21,3 Prozent), und Personen, die noch bei den Eltern wohnen (11,4 Prozent). 911 Antragstellende haben übrigens in mehreren Gemeinden einen Antrag gestellt. Und 42 Anträge wurden überhaupt gesperrt, weil sie bereits mehrere Wohnungen abgelehnt haben, erklärt Bauer.
“Halten uns an Gesetz”
Zur politischen Debatte um leistbares Wohnen: “Es gibt das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz, und an das halten wir uns.” Das Gesetz verbietet zum Beispiel, dass man Gewinne macht, ist aber auch Maßstab für das, was gebaut wird. “Wir müssen mit dem Geld verantwortungsvoll umgehen, das sind wir unseren Eigentümern – das sind alle Vorarlberger – schuldig.” Er setze in dieser Debatte auf Sachlichkeit, hat aber auch eine klare Botschaft. Damit der Auftrag an die Gemeinnützigen gelinge, appelliert er an alle Beteiligten – vom Gesetzgeber über die Auftragnehmer bis zu den Wohnungswerbern –, bei Kostentreibern und Wünschen “etwas zurückzuschrauben”. Und bringt es auf den Punkt: “Man kann nicht alles wollen und nix zahlen.”
