Waltraud Böckle: Die Geschäftsfrau, aus der Lebensfreude strahlte

„Immer heiter, Gott hilft weiter“: Dieses Motto trug die Götzner Geschäftsfrau Waltraud Böckle durch 91 glückliche und erfolgreiche Lebensjahre.
Von Ingrid Böckle / Kristina Becker
Götzis Am 4. August hat Waltraud Böckle ihre letzte Reise angetreten. Ganz friedlich, zu Hause, mitten im Schlaf. Zurück bleiben ein reiches Leben und viele Erinnerungen bei ihren Liebsten.
Am 20. Jänner 1935 kam sie in Klaus als ältestes Kind von Josef und Wilhelmine Stark zur Welt. Ein Jahr später wurde ihr einziger Bruder Eugen geboren – für sie zeitlebens ein besonderer Mensch. Mit zwei Jahren erkrankte sie schwer an einer Lungenentzündung und war dem Tod nahe; ihr Vater trug sie eine ganze Nacht lang in seinen Armen, und sie kam durch. Auch als Eugen später als Schauspieler in Wien lebte, riss das Band nie ab: eine Geschwisterliebe bis zu seinem Tod 2021, warm und selbstverständlich.
Waltraud besuchte die Handelsschule und wurde die jüngste Gewerbe-Konzessionsbesitzerin in ganz Vorarlberg – in einer Zeit, in der das für eine junge Frau alles andere als selbstverständlich war.
Ihren Ehemann Ernst Böckle lernte sie auf einem Musikfest kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. 1955 wurde geheiratet, die Hochzeitsreise führte nach Venedig. Gemeinsam übernahmen die beiden das Geschäft von Waltrauds Vater Josef Stark und machten daraus ein Lebensmittel- und Spielwarengeschäft, das aus Götzis nicht wegzudenken war. Später kamen mehrere Liegenschaften dazu und ein kleines Einkaufszentrum. Für viele Kinder im Ort war es der Laden, in dem die Augen groß wurden. Für Generationen von Kund(inn)en ein Ort, an dem man nicht nur einkaufte, sondern dazugehörte.

Mit ihrem Ernst führte sie eine sehr liebevolle Ehe, die im Privaten und im Beruflichen Früchte trug. Vier Kinder machten das Familienleben vollständig: Roswitha und Eugen, beide 1956, Markus 1964 und Ingrid 1967. Haus, Geschäft, Familie: Waltraud versorgte alles, und keine Arbeit war ihr je zu viel.
In der Früh stand sie auf und freute sich bereits: auf die Arbeit, auf den Tag, auf das, was kommt. Diese Lebensfreude war keine Fassade, sie war ihr Wesen – und sie strahlte auf jeden aus, der ihr begegnete. Sie hatte die seltene Gabe, in allem das Schöne zu sehen. Ihr Motto begleitete sie durch alle Jahre: „Immer heiter, Gott hilft weiter.“ Es trug sie durch gute Zeiten und durch die schweren erst recht – auch, als Ernst 2013 starb.

Waltraud liebte das Reisen. Schon vor 45 Jahren reiste sie gemeinsam mit Ernst nach Kanada, als das noch etwas ganz Besonderes war. Ihr Herz aber gehörte Italien und der Sonne.
Waltraud hatte ein langes, sehr schönes Leben – und sie wusste es zu schätzen. Sie war eine Geschäftsfrau durch und durch: zielstrebig, tüchtig, mit einem sicheren Gespür für Menschen – und dabei immer schick und elegant. Mit Ernst bildete sie das perfekte Team – was der eine anpackte, trug der andere mit, und gemeinsam gelang ihnen weit mehr als jedem für sich. Hinter der Geschäftsfrau schlug ein riesengroßes Herz. Ihr Humor blieb ihr bis zuletzt, ihr klarer Geist war zeitlebens beeindruckend. Ihre Pflegerinnen Ana und Flori haben sie in den letzten Jahren wunderbar begleitet. Sie war der Mittelpunkt ihrer Familie. Was sie weitergegeben hat, bleibt in ihren Kindern und Enkelkindern lebendig.
Begleitet durch: Bestattung Ammann
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