Slavko Tokić: Zufrieden war er, wenn es allen gut ging

01.10.2026 • 12:02 Uhr
Slavko Tokić auf seiner Kehrmaschine, fleißig wie eh und je.
Slavko Tokić auf seiner Kehrmaschine, fleißig wie eh und je. privat

Ob beim Schneeschaufeln um 3 Uhr, beim Reparieren von Fahrrädern oder beim Hausbau, Slavko Tokić war am liebsten dort, wo er gebraucht wurde.

Von Hartmut Hofer

Rankweil Stillstehen war nicht die Sache von Slavko Tokić. Wenn irgendwo etwas zu reparieren war, ein Rasen gemäht, ein Reifen gewechselt oder beim Hausbau eine helfende Hand gebraucht wurde, musste man ihn nicht zweimal fragen. “Wenn es allen gut geht, bin ich zufrieden”, sagte er gerne.

Slavko Tokić, unverkennbar mit seiner Kappe.
Slavko Tokić, unverkennbar mit seiner Kappe. privat

Geboren wurde Slavko am 20. Oktober 1946 in Vrpolje/Rakitno im heutigen Bosnien. Als jüngstes von fünf Kindern lernte er früh, mitanzupacken. Nach seiner Lehre als Dreher in Posušje und dem Militärdienst machte er sich 1967 alleine auf den Weg nach Vorarlberg. Gerade einmal 21 Jahre alt war er damals.

Was als Zeit als Gastarbeiter begann, wurde zu einem neuen Lebensmittelpunkt. 1968 wechselte er zur Firma Kunert, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 als Textilarbeiter beschäftigt war.

Dort fand er auch sein privates Glück. Bei Kunert lernte er Andja kennen. Nur wenige Monate später heirateten die beiden. Mit ihren Kindern Željko, Željka und Žarko wuchs die Familie, die für Slavko fortan der Mittelpunkt seines Lebens war.

Der Gedanke an die alte Heimat blieb dennoch. Gemeinsam mit Andja baute Slavko ein Haus in Kroatien. Eines Tages wollten sie dorthin zurückkehren. Doch aus Jahren wurden Jahrzehnte und aus Vorarlberg wurde Heimat. In Brederis waren längst tiefe Wurzeln gewachsen.

Viele werden Slavko mit seiner Kappe in Erinnerung behalten. Sie gehörte zu ihm wie seine direkte Art und sein Tatendrang. Er konnte streng sein und hatte klare Vorstellungen davon, was richtig war. Gleichzeitig galt er als gerecht, hilfsbereit und gesellig. Nichtstun war für Slavko kaum eine Option. Andere freuten sich auf den Urlaub, er freute sich, wenn ein Rasenmäher oder ein Fahrrad auf seine Reparatur wartete. Für seine Kinder und Verwandten half er beim Hausbau, wechselte Reifen und war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.

Auch in seiner Wohnanlage “Paspels” wussten die Menschen das zu schätzen. Bis zu seiner Pensionierung übernahm Slavko dort Hausmeistertätigkeiten. Wenn im Winter Schnee fiel, war er schon um drei Uhr morgens mit der Schaufel unterwegs. Besonders stolz war er darauf, sich für einen Spielplatz sowie einen Fußballplatz und einen Volleyballplatz eingesetzt zu haben. Für sein Engagement erhielt er eine Auszeichnung.

Gemeinsame Freude im Wasser, Slavko mit seinem Enkel Raphael
Gemeinsame Freude im Wasser, Slavko mit seinem Enkel Raphael privat

Besonders viel Freude schenkten Slavko seine Enkel Julia, Simon und Raphael. Mit Raphael hatte er noch etwas vor. “Wir fahren zusammen nach Rakitno, wenn du 18 bist”, hatte er seinem Enkel versprochen. Slavko wollte ihm jenen Ort zeigen, an dem seine eigene Lebensgeschichte begonnen hatte.

2025 erhielt Slavko die Diagnose Krebs. Doch auch die Krankheit hielt ihn lange nicht davon ab, das zu tun, was ihn sein ganzes Leben ausgezeichnet hatte. Noch im Mai 2026 fuhr er nach Kroatien. Hinter seinem Auto hing ein Anhänger voller Fahrräder, die dort für einen guten Zweck verkauft werden sollten. Selbst wenige Wochen vor seinem Tod mähte Slavko noch den Rasen.

Seinen Wunsch, noch einmal seinen Geburtsort zu besuchen, konnte er sich nicht mehr erfüllen. Am 23. August 2026 erlag Slavko Tokić seiner schweren Krankheit und schlief friedlich ein.

Stolz vor dem Baum, den einst sein Großvater für ihn pflanzte
Stolz vor dem Baum, den einst sein Großvater für ihn pflanzte privat

Zurück bleiben Andja, seine Kinder und Enkel, Verwandte, Freunde und viele Menschen, denen Slavko im Laufe seines Lebens geholfen hat. Und die Erinnerung an einen Mann, der nie viel Aufhebens um sich machte. Der lieber handelte, als über das Helfen zu reden.
“Wenn es allen gut geht, bin ich zufrieden.” Für Slavko Tokić waren das nicht einfach Worte. Es war seine Art zu leben.

Nachrufe in den Vorarlberger Nachrichten
Möchten Sie einen Angehörigen mit einem Nachruf würdigen? Dann kontaktieren Sie uns unter nachrufe@vn.at unter dem Betreff “Nachrufe”.
Weitere Nachrufe finden Sie hier.