Frischer Wind bei der Feuerwehr

OP / 06.04.2022 • 17:52 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
60 bis 70 Einsätze haben die Feuerwehrmänner und -frauen im Jahr durchschnittlich zu bewältigen.
60 bis 70 Einsätze haben die Feuerwehrmänner und -frauen im Jahr durchschnittlich zu bewältigen.

Gerhard Tschann übergibt das Kommando an Dominik Leimegger.

Feuerwehr Die Pandemie mit ihren weitreichenden Folgen geht auch an den Einsatzkräften der Blaulichtorganisationen nicht spurlos vorüber. Umfangreiche Anpassungen im Übungs-, Proben- und Einsatzdienst waren und sind immer noch die Folge, wie zum Beispiel Maskenpflicht, Alarmierung von Einzelgruppen im Tag- und Nachtwechsel, Nachuntersuchung von erkrankten Atemschutzträgern, Testungen bei Proben, Aufenthaltsverbote im Gerätehaus, Übungen in Kleinstgruppen oder auch völliges Aussetzen der Probentätigkeit. So auch bei den Floriani in Gisingen.

Das soziale Leben, das gesellige Miteinander und der persönliche Austausch zwischen den Mitgliedern der Gisinger Wehr und die aktive Mitgestaltung des Dorflebens (Dorffest, kirchliche und sonstige Ausrückungen, Festbesuche, usw.) kam unter die Räder der Covidpandemie. Feuerwehrmitglieder wurden im Angesicht der bedrohlichen Zustände und Entwicklungen auch zum Dienst an Grenzübergängen und in Testzentren herangezogen – glücklicherweise nur kurzfristig bis zur Übernahme durch Polizei, Bundesheer und Behörden. Das oberste Ziel – die Aufrechterhaltung der ständigen und uneingeschränkten Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Gisingen – konnte durch teils drastische, aber im Nachhinein betrachtet absolut notwendige Maßnahmen erreicht werden.

Kommando in neuen Händen

Vor Kurzem konnte im Rahmen der Jahreshauptversammlung auf die ereignisreichen Jahre zurückgeblickt werden. Im Zuge dessen gab es auch größere Änderungen in der Führungsetage der Wehr. Gerhard Tschann (57) hat seine Funktion als Kommandant in jüngere Hände gelegt: Das Zepter haben nun Dominik Leimegger (32) als Kommandant und Florian Ebner als sein Stellvertreter übernommen. Ex-Kommandant Tschann war durch seinen Vater bereits im Kindesalter mit der Gisinger Wehr in Berührung gekommen. Mit 16 Jahren entschied er sich schließlich, gemeinsam mit vier Freunden, Mitglied zu werden. Da es damals noch keine Jungfeuerwehr gab, hieß dies, dass er auch gleich direkt bei Einsätzen dabei war. In all den Jahren war die Feuerwehr vor allem eines für ihn: „Kameradschaft und Freundschaft, in die man hineinwächst.Man muss die Feuerwehr als Ganzes sehen: Es sind nicht nur die actionreichen Einsätze und das ‚Leben retten‘, sondern vor allem Menschen, denen man jedes Mal das Leben anvertraut. Zur Feuerwehr zu kommen, war einer der prägendsten Momente meines Lebens“, hält der Gisinger fest.

Für seinen Nachfolger Dominik Leimegger war es auch die Familie bzw. sein Götte Patrick Müllner die ihn zur Feuerwehr brachte. Er durfte früher regelmäßig zum Feuerwehrhaus in Rankweil mitgehen. „Es war wie ein Event für mich“, führt Leimegger aus. Der Film „Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen“ habe dann das Übrige dazu beigetragen, sodass Leim-egger mit nicht ganz zwölf Jahren seine Fußballschuhe gegen den Feuerwehranzug eingetauscht und sich für die Jungwehr in Gisingen eingeschrieben hat. 2005 kam er in den Aktivstand und bereits vier Jahre später hat er das Gruppenkommando und die Jugend übernommen. 2013 folgte das Amt des Zugskommandanten bis eben zur jüngsten Jahreshauptversammlung, bei der er nun das Kommando übernahm. „Bei der Feuerwehr lernst du wirklich Freunde kennen, die du ein Leben lang nicht verlierst“, erklärt Leimegger stolz.

Auf die Wehr ist Verlass

In Gisingen erklären sich aktuell knapp 100 Mitglieder bereit, unzählige Stunden in Aus- und Weiterbildung zu investieren, um in Notsituationen unentgeltliche Hilfe leisten zu können. „Die Bevölkerung von Gisingen kann sich auf ihre Wehr verlassen, die ganzjährig sowie rund um die Uhr in der Lage ist, in Not geratenen Mitbürgern entsprechend professionelle und zeitnahe Hilfe angedeihen zu lassen“, so Gerhard Tschann. Er selbst bleibt weiterhin im Aktivstand der Feuerwehr.

Die Gisinger Feuerwehr ist der technische Stützpunkt für hydraulische Rettungsgeräte. Das bedeutet, sie werden bei eingeklemmten Personen, z.B. bei Verkehrs- und Arbeitsunfällen, auch bei überörtlichen Vorfällen mitalarmiert. Der Schwerpunkt der rund 60 bis 70 alljährlichen Alarmierungen liegt bei Verkehrsunfällen, Katastrophenschutz, Beseitigung von Ölspuren, Schneeeinsätzen oder Hochwasser (Nafla) sowie Wohnhaus- und Industriebränden (Gefahrengut). Bei Unwetterkatastrophen werden die Blaulichtorganisationen im Krisenstab im Vorfeld alarmiert und die Lage beobachtet. Im Normalfall ist die Feuerwehr nach Alarmierung mit dem ersten Fahrzeug bereits in 2 bis 3 Minuten abfahrbereit und durchschnittlich 5 bis 6 Minuten später bereits am Einsatzort.

Über die Entstehung

Da schon um die Jahrhundertwende in verschiedenen Orten des Landes Freiwillige Feuerwehren existierten und sich bewährten, entschloss man sich 1909, auch in Gisingen eine Feuerwehr zu gründen. Zu diesem Zweck wurde, unter Vorsitz von Andreas Hilbe und des Ortsvorstehers Alois Köchle, im ehemaligen Gasthaus „Sternen“ eine Versammlung zur Gründung einberufen. Bei der Gründungsversammlung am 21.12.1909 traten 29 Mitglieder der neuen Wehr bei. Aus ihrer Mitte wurde Fiedel Gau als 1. Feuerwehrkommandant gewählt.

Für die Ausrüstung der Wehr wurde ein privates Darlehen in Höhe von 1000 Kronen (ca. 22.000 Euro) aufgenommen, öffentliche Mittel standen keine zur Verfügung. Zusätzlich musste jedes Mitglied einen monatlichen Beitrag von 20 „Heller“ (was etwa einer Portion Gulasch und zwei Bier entsprach) bezahlen. Als erste Anschaffungen erhielt jeder Wehrmann einen Helm, einen Steigergurt und einen Pickel, von der Firma Rosenbauer wurden Leitern, Fackeln und Werkzeug für den Einsatz gekauft. Mangels eines zentralen Gerätedepots waren die Gerätschaften in verschiedenen Häusern deponiert, die persönliche Ausrüstung hatte jeder Wehrmann zu Hause. Bei Einsätzen wurde mittels Kirchenglocken und Hornbläsern alarmiert.

Nach dem erstmaligen Auftreten als Körperschaft in der Öffentlichkeit bei einem kirchlichen Anlass trat man am 4. Oktober 1910 auch dem Gauverband (heute Landesfeuerwehrverband) bei. Zu dieser Zeit zählte der Verein schon 71 unterstützende Mitglieder sowie drei Ehrenmitglieder. Die erste große Bewährungsprobe erfolgte schließlich bei einem Hochwassereinsatz. Vom Ersten Weltkrieg blieb auch die Gisinger Wehr nicht verschont. 18 Mann mussten Kriegsdienst leisten, ein Teil davon kehrte nicht mehr zurück. Nach Kriegsende konnte der Bestand durch Neuaufnahmen wiederhergestellt werden. Im Jahr 1920 erfolgte die Einweihung des ersten Gerätehauses neben der Schule St. Sebastian. Ab diesem Zeitpunkt war eine zentrale Verwahrung der Gerätschaften möglich. TAY

Das neue Führungsteam mit Kdt. Leimegger (2.v.r.).
Das neue Führungsteam mit Kdt. Leimegger (2.v.r.).
Waren es bei der Gründung im Jahr 1909 noch 29 Floriani ist die Feuerwehr Gisingen mittlerweile auf knapp 100 Mitglieder angewachsen. FW Gisingen
Waren es bei der Gründung im Jahr 1909 noch 29 Floriani ist die Feuerwehr Gisingen mittlerweile auf knapp 100 Mitglieder angewachsen. FW Gisingen
Neben Einsätzen wird auch viel Zeit in die Aus- und Weiterbildung investiert.Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung des Nachwuchses.
Neben Einsätzen wird auch viel Zeit in die Aus- und Weiterbildung investiert.Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung des Nachwuchses.
Die Gisinger Floriani sind Stützpunkt für hydraulische Rettungsgeräte, die bei eingeklemmten Personen zum Einsatz kommen.
Die Gisinger Floriani sind Stützpunkt für hydraulische Rettungsgeräte, die bei eingeklemmten Personen zum Einsatz kommen.

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