Autonome und innovative Kulturarbeit

OP / 04.05.2022 • 16:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Fünf Jahre nach der Gründung hat der Kulturkreis Feldkirch in der Werkstatt der Spenglerei Härtenberger – heute das Theater am Saumarkt – eine Heimat gefunden.
Fünf Jahre nach der Gründung hat der Kulturkreis Feldkirch in der Werkstatt der Spenglerei Härtenberger – heute das Theater am Saumarkt – eine Heimat gefunden.

Kulturkreis Feldkirch und Theater am Saumarkt feiern heuer ein Doppeljubiläum.

Kultur Es sind denkwürdige Jubiläen, die der Kulturkreis Feldkirch mit dem 50-jährigen Bestehen und das Theater am Saumarkt mit respektive 45 Jahren heuer feiern. Aus diesem Anlass fand vor Kurzem ein kleiner Festakt im Theater am Saumarkt statt. Peter Bilger, Obmann des Kulturkreises Feldkirch, bot dabei einen kurzen und sehr prägnanten Rückblick zur Entstehungsgeschichte.

Vor 50 Jahren hatte eine Gruppe Kulturtätiger den Kulturkreis Feldkirch gegründet. Im Mittelpunkt ihrer Kulturarbeit stand Theater, Kabarett und Literatur. Zu Beginn musste für jede Veranstaltung nach geeigneten Räumen gesucht werden. Nach fünf Jahren fand sich dann eine geeignete Räumlichkeit mitten in der Stadt, nämlich die Werkstatt der Spenglerei Härtenberger. Diese wurde von den Mitgliedern des Kulturvereins unter der Leitung des Architekten Erich Steinmayr mit viel Enthusiasmus und Ausdauer eigenhändig umgebaut, bemalt und bestuhlt. So entstand das heutige Theater am Saumarkt.

Gegengewicht

Der Trägerverein des Theaters am Saumarkt ist aber nach wie vor der Kulturkreis Feldkirch, dessen Vorstandsmitglieder ehrenamtlich die Kulturarbeit mit Liebe und Engagement gestalten. „Mit dem Begriff Kulturarbeit ist oftmals eine etwas romantische Vorstellung von Selbstverwirklichung verbunden. Aber es gilt nichts zu beschönigen. Kulturarbeit ist fordernd und herausfordernd. Gleichzeitig ist sie aber auch eine ideale Möglichkeit, den Homo ludens in sich auszuspielen. Angesichts der rasanten Entwicklung in Sachen Neoliberalismus und Digitalisierung kann Kulturarbeit aber auch ein humanitäres Gegengewicht bieten, sie kann auch eine Einübung in Demokratie darstellen. Kulturarbeit geschieht jedoch nach wie vor zu oft unter dem Zeichen von Ausbeutung.“

Emanzipatorischer Kunstbegriff

Hans Schreiber von der Kulturplattform Oberösterreich versuchte sich vor einigen Jahren an einer Definition zu Kulturarbeit: „Sie ist selbstbestimmt, offen für Neues, sucht den Dialog, ist in Bewegung, demokratiepolitisch und gesellschaftsverändern, partizipativ, stellt dem passiven Konsumieren aktive Teilnahme entgegen und erzeugt Nachhaltigkeit.“

Diese Definition prägt auch das Kulturleben des Trägervereins und des Theaters am Saumarkt. Diese spezielle Form von Kulturarbeit wurde in den 1970er-Jahren „erfunden“ und vermittelte eine Aufbruchsstimmung in der Kultur- und Kunstszene. „Der vorherrschende Zeitgeist hinterlässt seine Spuren auch in einem emanzipatorischen Kulturbegriff. Engagierte, kulturbegeisterte Menschen wünschen sich eine Begegnung mit ‚ihrer‘ Kunst“, ist Sabine Benzer, Geschäftsführerin des Theaters am Saumarkt, überzeugt. Kulturinitiativen werden gegründet und Kulturarbeit wird geleistet. „Wir leben ein schönes Miteinander und können auf hervorragende Kooperationen zurückgreifen“, ist die engagierte Kulturvermittlerin überzeugt. „Doch leider leiden Kulturschaffende und Kulturvermittler oftmals noch immer unter prekären Bedingungen, die dringend geändert gehören.“

Zeitgenössische Kunst und Kultur

Die Kulturarbeit mit einem kleinen organisatorischen Team und vielen ehrenamtlichen Programmgruppen-Mitgliedern kann auf stolze fünf Jahrzehnte zurückblicken. Die gemeinsame Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst und Kultur und die quasi basisdemokratische Bespielung des Theaters am Saumarkt führte zu kulturellen Höhenflügen ebenso wie aufbrechenden Konflikten. Aber bis heute gibt es eine sehr engagierte Gruppe von Menschen, die den Saumarkt mit viel Begeisterung und Engagement bespielen.

„Nur wer sich für etwas begeistern konnte, hat sich der Kulturarbeit verschrieben. Mir war es ungeheuer wichtig, Menschen für Kunst – vor allem für die Literatur – zu gewinnen, weil ich überzeugt bin, dass sie Menschen verändern kann, wenn sie sich mit ihr auseinandersetzen. Auch dass es ein Team gab, das gemeinsam die Höhen und Tiefen des Kulturkreises durchlebte, spielte eine bedeutende Rolle. Für die Zukunft wünsche ich mir und den Menschen in Feldkirch, dass der Saumarkt weiterhin ein Ort bleibt, an dem Kunst gemacht und erlebt werden kann“, bekennt sich Marie-Rose Rodewald-Cerha, Vizeobfrau und Programmgruppe Literatur, zur aktuellen Kulturarbeit. BI

„Nur wer sich für etwas begeistern konnte, hat sich der Kulturarbeit verschrieben.“

Geschäftsführerin des Theaters am Saumarkt Sabine Benzer mit den Vorständen Helene Amann, Walter Müller, Regine Zink, Werner Gerold, Erika Kronabitter, Peter Bilder und Marie-Rose Rodewald-Cerha. C. Hefel
Geschäftsführerin des Theaters am Saumarkt Sabine Benzer mit den Vorständen Helene Amann, Walter Müller, Regine Zink, Werner Gerold, Erika Kronabitter, Peter Bilder und Marie-Rose Rodewald-Cerha. C. Hefel