Mitgefiebert und mitgefeiert

In Dalaas sind jetzt viele stolz auf Strolz. Das gilt besonders für die Familie.
dalaas. Es ist ein Herbsttag der ungemütlichen Sorte. Nass. Kühl. Neblig. Doch aus dem Grau sticht es plötzlich Pink und leuchtend Blau hervor. Ein großes Transparent ziert das mit urigen Holzschindeln gedeckte Elternhaus von Matthias Strolz (40) in Wald am Arlberg. Verwandte und Freunde haben es angebracht. Und es wird wohl noch eine Zeit lang hängen bleiben. „Viele haben am Sonntag mitgefiebert und dann, als das Ergebnis feststand, mitgefeiert“, erzählt seine Schwester, Bettina Nessler (43). Der Stolz über den fulminanten Erfolg des Bruders steht ihr immer noch ins sympathische Gesicht geschrieben. „Es ist schon ein tolles Gefühl“, sagt sie.
Mit dem Erfolg im Gespräch
Nur zum Aufräumen sei sie bisher nicht gekommen. Fast entschuldigend blickt Bettina Nessler auf die Überreste einer ausgelassenen Wahlparty. In der guten Stube finden sich noch Krümel, pinkfarbene Pickerl und ebensolche Ballons, denen langsam die Luft ausgeht. Einen längeren Atem traut sie ihrem Bruder zu. Sogar das Zeug zum Bundeskanzler wird ihm attestiert. Er würde die Herausforderung annehmen und schaffen, lautet die geschwisterliche Einschätzung. Tochter Laura hält mit. „Ich hätte ihn auch gewählt“, sagt sie mit einem fröhlichen Lachen.
In der Spielgruppe, wo Bettina Nessler arbeitet, sei sie am Montag oft auf den politischen Erfolg von Matthias angesprochen worden. „Die Leute freuen sich mit uns, und das finde ich schön.“
Noch mehr schätzt sie an ihrem Bruder, dass er nie den Bezug zur Heimatgemeinde verloren hat. „Die Familie ist ihm sehr wichtig“, so Nessler. Mindestens zwei Mal im Jahr führt ihn der Weg nach Hause. An Allerheiligen wird Matthias Strolz mit seiner Frau und den drei Töchtern wieder da sein.
Die Parteigründung stellt für seine Schwester die logische Konsequenz aus seinen vielfältigen politischen Aktivitäten dar, die das jüngste von drei Kindern schon von Jugend an pflegte. „Jetzt muss er nur noch umsetzen, was er angekündigt hat“, meint sein Nachbar Siegfried Salzgeber (74). Er gönnt Matthias den Erfolg, weil „er gar keine schlechten Ideen hat“. Das hohe Ergebnis von fast 40 Prozent der Stimmen allein in Dalaas überraschte ihn aber dann doch.
Junge Leute mobilisiert
Gemeindesekretär Mario Hartmann (40) spricht von einer diesmal ganz speziellen Situation. „Er ist bekannt im Klostertal. Die Familie, die Freunde, alle wohnen hier. Da war ein so hoher Stimmenanteil voraussehbar“, analysiert Hartmann. Zudem sei es Matthias Strolz gut gelungen, junge Leute anzusprechen. Er habe den Wahlkampf auch mit Herzblut geführt, habe viel investiert, privat und höchstpersönlich. Also stolz auf Strolz? „Seine Leistung nötigt einem auf jeden Fall Respekt ab“, räumt Mario Hartmann ein.
Dabei finden sich im ganzen Gemeindegebiet von Dalaas nur zwei NEOS-Werbeplakate. Doch die reichten offenbar, um Matthias Strolz bei den Mitbürgern wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Eltern hielt es übrigens am Wahltag nicht zu Hause. Noch am Sonntag machten sie sich auf nach Wien, um in der Nähe des Sohnes zu sein. Von Daheim kam eine Glückwunsch-SMS.
Jetzt muss er nur noch umsetzen, was er angekündigt hat.
siegfried Salzgeber
