Zusätzliche Hospizmillionen

13.04.2017 • 20:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Bregenzer Hospizstation im ehemaligen Sanatorium Mehrerau soll Ende des Jahres eröffnet werden.  Foto: VN/STEURER
Die Bregenzer Hospizstation im ehemaligen Sanatorium Mehrerau soll Ende des Jahres eröffnet werden. Foto: VN/STEURER

Geld aus dem Finanzausgleich fließt. Vorarlberg vor flächendeckender Versorgung.

Wien. Die Grundsteinlegung für das Bregenzer „Hospiz am See“ ist mehr als nur ein Symbol. Sie ist der Beginn der flächendeckenden, stationären Hospiz- und Palliativversorgung in Vorarlberg. Österreichweit sieht das anders aus. Im Hospizbereich ist der Bedarf erst zur Hälfte gedeckt, im Palliativbereich zu 75 Prozent. „Es mangelt an Betten, an stationären und an Tageshospizen“, hält Caritas-Präsident Michael Landau fest: „Vor diesem Hintergrund bin ich für den Vorarlberger Weg, der mit dem Hospiz am See eingeschlagen wird, sehr dankbar.“ Die Station soll Ende des Jahres eröffnet und laut Landau über die Landesgrenzen hinaus zum Leuchtturmprojekt werden: „Jeder Sterbende ist bis zuletzt ein Lebender. Ich bin froh, dass diesem Gedanken in Vorarlberg Rechnung getragen wird.“

Ausbau mobiler Teams

Dies trifft auch auf den Palliativbereich zu. Bis Februar 2018 wird die Station im Hohenemser Spital auf Vordermann gebracht. Weitere Plätze sind damit geplant. Dennoch gibt es in Vorarlberg weiteren Bedarf, zum Beispiel bei den mobilen Palliativteams. Diese unterstützen Ärzte und Pflegefachkräfte, erklärt Karl Bitschnau, Leiter der Caritas-Abteilung „Hospiz Vorarlberg“. Ein solches Team ist derzeit in der Palliativstation in Hohenems tätig. Diese Kooperation zwischen Krankenhaus und Caritas soll auf einen zweiten Standort ausgeweitet werden, erklärt Bitschnau: „Wir befinden uns mit dem Land bereits im Gespräch.“

In ganz Österreich werden schon dieses Jahr zusätzliche Mittel für den Ausbau der Hospiz- und Palliativangebote zur Verfügung gestellt. Für die Dauer der Finanzausgleichsperiode 2017 bis 2021 gibt es 18 zusätzliche Millionen Euro pro Jahr. Diese werden zu je einem Drittel von Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern aufgebracht. Bereits im Mai sollen die ersten drei Millionen vom Bund fließen. Der entsprechende Antrag gehe in den nächsten Tagen an das Finanzministerium, das den Betrag freigeben müsse, erklärt ein Sprecher den VN. Aufgeteilt wird nach dem Bevölkerungsschlüssel. Die nächste Tranche von drei Millionen ist für November geplant. In welcher Form und nach welchen Kriterien die zugesagten zwölf Millionen der Länder und Sozialversicherungsträger ausbezahlt oder angerechnet werden können, ist offen. Eine Sitzung Ende April in Wien soll das klären, heißt es im Büro des Landeshauptmanns.

Keine Regelfinanzierung

Die zusätzlichen 18 Millionen Euro sind jedenfalls ein Anstoß für eine bessere Versorgung, sagte Waltraud Klasnic, Vorsitzende des Hospiz- und Palliativforums, bereits im November. Ihre Amtskollegin Elisabeth Pittermann bekräftigt dies im VN-Gespräch. Die Infrastruktur könne damit ausgebaut werden. Im zweiten Schritt müsse sowohl die Pflege als auch die Therapie und Begleitung am Ende des Lebens in die Regelfinanzierung kommen. „Ein gebrochenes Bein wird bezahlt, aber für die letzte Phase des Lebens in schwerer Krankheit muss ein Patient selbst aufkommen? Das ergibt doch keinen Sinn“, meint Pittermann: „Es kann wirklich nicht sein, dass die Hospizeinrichtungen von Spenden abhängig sind. Das machen wir bei Schulen oder Krankenhäusern ja auch nicht so.“ Es brauche einen humanen Staat, der Gleichheit schaffe und für die Menschen da sei.

Der Grundstein, der kommende Woche im Bregenzer „Hospiz am See“ gelegt wird, ist also nur der Anfang eines noch langen Weges.

Hospizeinrichtungen dürfen nicht von Spenden abhängig sein.

Elisabeth Pittermann