Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Seid achtsam!

Politik / 03.11.2020 • 07:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jetzt wird es wieder stiller im Land. Die verschärften Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen der Regierung treten in Kraft, sie werden uns die nächste Zeit begleiten. Und nun ist neben der Vernunft, sich so weit möglich an die Regeln zu halten, um den rasanten Verlauf der Pandemie abzubremsen, vor allem auch Achtsamkeit gefragt. Achtsamkeit kann das Leben der Menschen maßgeblich beeinflussen, auch wenn sie in unserer von Schnelligkeit getriebenen Welt oft keinen Raum mehr hat, wie aus der Zeit gefallen erscheint. Nun könnte die Achtsamkeit durch den Druck des Faktischen mehr Bedeutung bekommen, in diversen Bereichen des Lebens. Ein Plädoyer für den achtsamen Umgang.

Mehr Achtsamkeit in der Sprache: Auch wenn Einschnitte in die persönliche Freiheit hart sind, sollte man nicht von „Krieg“ oder „Ausnahmezustand“ fabulieren, die Realität ist schlimm genug. Außerdem sollte man vermeiden, eine derartig existenzielle Erfahrung wie Krieg mit anderen schwierigen Situationen zu vergleichen, das ist unpassend. Und Menschen, die eine kriegerische Auseinandersetzung erleben mussten, empfinden solche Vergleiche als zynisch. Zu Recht.

Auch wenn Einschnitte in die persönliche Freiheit hart sind, sollte man nicht von „Krieg“ fabulieren, die Realität ist schlimm genug.

Mehr Achtsamkeit in der Öffentlichkeit: Viele haben jetzt Ängste und zeigen diese auf den Social Media-Plattformen offen, um so mit der Angst besser umgehen zu können. Das ist menschlich und konstruktiv, solange man sich nicht mit dem fantasievollen Entwerfen apokalyptischer Szenarien gegenseitig überbietet – und die anderen damit vielleicht tief verunsichert. Gerade jetzt sollte man sich auf die positiven Seiten von Twitter, Facebook und Co. konzentrieren. Also die Möglichkeit zur Nähe trotz Distanz.

Leben ohne Party

Mehr Achtsamkeit beim Freizeitverhalten: Besuche, Feiern, Vergnügungen sollten jetzt einmal zweitrangig sein, wenn wir gemeinsam die Infektionszahlen in den Griff bekommen und unser Gesundheitssystem stabilisieren wollen. Natürlich ist das bitter, aber in der Pandemie sind Hochzeitsfeste oder Partys kein Menschenrecht.

Mehr Achtsamkeit mit den anderen: Auf die Menschen aus den sogenannten „Risikogruppen“ sollte man nicht nur mit seinem Verhalten Rücksicht nehmen, sondern sie auch nicht an den Rand schieben – Hauptsache, sie sind ordentlich unter Verschluss! Gerade jetzt muss man ältere Menschen, jene mit Vorerkrankungen oder Handicaps an die Welt anbinden. Sie gehören genauso dazu wie die Jungen, Gesunden, Berufstätigen.

Mehr Achtsamkeit mit sich selbst: Niemand muss immer Stärke zeigen, jede und jeder kann Probleme haben. Wer nun in sich hineinhört und seine eigenen Grenzen erkennt, kann die Ausnahmesituation auch seelisch besser überstehen. Hilfe von anderen anzunehmen, ist keine Schande – es ist nur gescheit.

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