Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Risiko

Politik / 24.04.2021 • 06:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Dem Nationalratsabgeordneten Laurenz Pöttinger (ÖVP) ist diese Woche sehr viel Spott zuteil geworden: An Freiheitliche gewandt meinte er, eine Ausweitung der Intensivkapazitäten zur Behandlung von Corona-Patientinnen und -Patienten wäre „in Wirklichkeit eine Erhöhung, eine wesentliche Erhöhung auch noch der Toten in diesem Land“. Begründung: Ungefähr ein Drittel all jener, die auf eine solche Station kommen, sterbe. Wenig später korrigierte er diese Aussage. Demnach wollte er das nicht so gemeint haben, dass ohne solche Stationen niemand mehr sterben würde. Sondern folgendermaßen: Man darf nicht glauben, dass man alle Beschränkungen aufheben und ein zunehmendes Infektionsgeschehen einfach so mir nichts, dir nichts über größere Intensivkapazitäten abfangen kann.

Intensivkapazitäten bleiben ein Kriterium. Reserven sind nötig, in jedem Fall aber begrenzt.“

Das kommt der Wahrheit näher. Irreführend bleibt der Hinweis, dass rund ein Drittel der Patientinnen und Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, sterben. So viele waren es bis Februar insgesamt. Zumal Ältere geimpft sind, werden zunehmend Jüngere eingeliefert, bei denen der Anteil ungleich niedriger war: Bei 50- bis unter 65-Jährigen belief er sich auf 19, bei unter 50-Jährigen auf sieben Prozent.

Das lässt hoffen, dass es – zumindest gemessen an der Gesamtzahl der Infektionen – immer weniger Todesfälle gibt. Das war’s aber auch schon mit den guten Nachrichten. Was bleibt, ist das Problem mit den Intensivkapazitäten bzw. der extrem großen Belastung für das Personal sowie dem Leid und den Langzeitfolgen für die Patientinnen und Patienten.

Warnendes Beispiel

In Wien sind Spitäler gerade eher an ihre Grenzen gekommen als im vergangenen Herbst: Es gibt mehr schwere Erkrankungen mit längeren Verläufen. Impfungen werden dieses Problem in absehbarer Zeit nicht lösen: Zum einen wird es noch dauern, bis eine Herdenimmunität erreicht sein könnte, zum anderen bringen sogenannte Fluchtmutationen, gegen die es geringeren Schutz gibt, unter Umständen ohnehin wieder vieles durcheinander.

Bei allen Öffnungsschritten, die aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen immer dringlicher werden, sollte man dieses Risiko nicht vergessen: Intensivkapazitäten bleiben ein entscheidendes Kriterium. Reserven sind nötig, in jedem Fall aber begrenzt.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.