Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Funkstille

Politik / 05.01.2022 • 09:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Omikron lautet die Unbekannte, die uns ins neue Jahr begleitet. Simulationsrechner Niki Popper kündigte für heute steigende Infektionszahlen an, Komplexitätsforscher Peter Klimek verwendete wegen des erwarteten raschen Anstiegs den Vergleich mit einer Wand statt mit der bisher bekannten Wellenform. Das klingt beunruhigend.

Gestern tagten die Experten der gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination Gecko. Der Tarnanzug von Generalmajor Rudolf Striedinger wird dabei wohl nicht zum Einsatz gekommen sein. Die Bezeichnung Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit der zweiten Leiterin Katharina Reich klingt gleichfalls beeindruckend militärisch. Die Einrichtung von Gecko war jedenfalls ein geschickter Schachzug: Das Bundesheer war letztes Jahr im Vertrauensranking der Aufsteiger schlechthin und viele Menschen bevorzugen Entscheidungen von Experten anstelle von Politik.

Das Bundesheer war letztes Jahr im Vertrauensranking der Aufsteiger schlechthin und viele Menschen bevorzugen Entscheidungen von Experten.

Doch in einer Demokratie regieren Politiker. Daher steht morgen ein Bund-Länder-Gecko-Gipfel am Programm. Einige Landeshauptleute haben ihre Vorstellungen medial schon vorab verkündet. Aus Angst vor dem Zusammenbruch wichtiger Infrastruktur verlangen Peter Kaiser (Kärnten), Markus Wallner (Vorarlberg) und Thomas Stelzer (OÖ) eine Verkürzung der Quarantäne. Hieß es also zunächst, jede Kontaktperson solle sich ungeachtet ihres Impfstatus ohne Möglichkeit des Freitestens isolieren, können nun positiv getestete, aber symptomlose Menschen unter Umständen weiter bei der Arbeit erscheinen. Derartige Kehrtwendungen verunsichern.

Zu allem kam lange Zeit kein Wort von Bundeskanzler Karl Nehammer oder Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Das ist eindeutig zu viel des neuen Stils im Vergleich zu ihren Vor- und Vorvorgängern Rudolf Anschober und Sebastian Kurz. Es müssen ja keine täglichen Pressekonferenzen sein wie zu Beginn der Pandemie, aber absolute Funkstille über Tage ist trotz berechtigtem Wunsch nach Weihnachtsruhe und Ferienlaune inklusive Coronainfo-Erschöpfung innerhalb der Gesellschaft nicht nachvollziehbar. Wir befinden uns immer noch in einer Pandemie und die Entwicklung in den nächsten Wochen ist unsicher und verunsichert. Da nützt es auch nichts, Arbeitsminister Martin Kocher mit guten Nachrichten zum Arbeitsmarkt auszuschicken.

Krisenkommunikation muss nicht nur logisch und nachvollziehbar sein, sie muss ehrlich, transparent und vor allem offen und rasch erfolgen. Die verantwortlichen Entscheidungsträger müssen nach Beratung durch Experten regelmäßig die Öffentlichkeit informieren. Ansonsten überlässt man das Feld den Spekulanten, den Desinformanten, ja den Hetzern. Denn frei nach Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren.

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