Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Tatort Beziehung: Gewalt klar benennen

Politik / 11.01.2022 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nein, wenn eine Frau von ihrem Partner getötet wird, dann ist das kein „Ehedrama“; wenn ein Mann so eine Tat begeht, dann ist ihm kein „Eifersuchtsmord“ passiert; wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, dann ist das keine „Sextat“. Es handelt sich immer um Gewalt gegen Frauen, die leider oftmals auch tödlich endet. Und diese Verbrechen sollte man klar benennen – aus Respekt vor den Opfern und deren Hinterbliebenen. Und um mehr Bewusstsein für dieses bedrückende Problem unserer Gesellschaft zu schaffen. 2021 wurden 29 Frauen in Österreich größtenteils von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet.

Vergangenen Samstag soll laut Polizeiangaben ein 46-jähriger Mann in Oberösterreich eine Faustfeuerwaffe genommen und seiner am Esstisch sitzenden 42-jährigen Ehefrau in den Hinterkopf geschossen haben. Der Mann legte bei seiner Einvernahme ein Geständnis ab. Er besaß neben der auf ihn registrierten Tatwaffe noch drei weitere legale Langwaffen, die sichergestellt wurden.

Wenn ein Verdächtiger verurteilt wird, spricht man von Frauenmord oder Femizid. Jede andere verharmlosende Bezeichnung wäre ein Hohn. Krankhaftes Besitzdenken und gekränkte Liebe sind keine Erklärungen für solche grauenhaften Verbrechen. Expertinnen und Experten im Gewaltschutzbereich sehen häufig eine tiefe Frauenverachtung bei Tätern, die im Extremfall zum Mord führen kann. Männer, die wohl so auf Frauen blicken: Du gehörst mir.

Gemeinsam gegen Gewalt

Und diese Verbrechen wiederholen sich. Wie Anfang 2019, als es zu einer Häufung von Femiziden in Österreich kam. Alexander Haydn, Psychotherapeut und Vorstandsmitglied der Wiener Männerberatung, analysierte damals, dass man häusliche Gewalt nicht daran festmachen könne, ob die Täter In- oder Ausländer seien – Gewalt habe meist mit patriarchalischen Mustern zu tun, unabhängig von der Nationalität. Natürlich muss man auf jene Männer aus patriarchalischen Strukturen, die ein anderes Frauenbild haben, als man es sich in einer aufgeklärten Gesellschaft wünscht, einwirken. Aber auch die Männer ansprechen, die nicht in solchen Mustern denken – sie können gute Verbündete im gemeinsamen Kampf gegen die Gewalt sein.

Vergangenes Jahr hat die Regierung ein Gewaltschutz-Maßnahmenpaket beschlossen. Etwa mit einer verpflichtenden Gewaltpräventionsberatung für alle, gegen die ein Betretungs- oder Annäherungsverbot ausgesprochen wird. Opferschutzvereine plädieren für länger angelegte Anti-Gewalttrainings und umfassende Gefährdungsprognosen der Täter, zu denen auch die betroffenen Frauen regelmäßig befragt werden. Die traurigen Fall-Zahlen zeigen: Der Kreislauf der Gewalt ist noch nicht durchbrochen.

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