Der Krieg und seine Folgen für Vorarlberg

Politik / 25.02.2022 • 05:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Krieg und seine Folgen für Vorarlberg
Auch die G7-Staaten haben nach Angaben von US-Präsident Joe Biden ein “verheerendes Paket an Sanktionen” beschlossen. AFP

Dem Land könnten große Auswirkungen drohen, sagt der Wirtschaftslandesrat. Sanktionen beschlossen.

Schwarzach Die aktuelle Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei, schon droht der nächste Dämpfer. Wie stark er sein wird, hängt vom Verlauf des russischen Krieges  gegen die Ukraine ab – und von der Schärfe weiterer EU-Sanktionen. Die Staats- und Regierungschefs haben am Donnerstag bei einem Sondergipfel einem umfangreichen Sanktionspaket gegen Russland zugestimmt.
Die Strafmaßnahmen betreffen unter anderem die Bereiche Energie, Finanzen und Transport. Bei den Sanktionen gegen den Finanzsektor geht es den Angaben zufolge vor allem darum, Banken von den EU-Finanzmärkten abzuschneiden. Zudem soll die Refinanzierung von russischen Staatsunternehmen in der EU verhindert werden. Ihre Aktien sollen nicht mehr in der EU gehandelt werden. Ähnliches ist für den Energiesektor geplant.

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Tittler spricht von einer Tragödie mitten in Europa.VN

Bei den Sanktionen gegen den Transportsektor geht es vor allem darum, die russische Luftverkehrsbranche von der Versorgung mit Ersatzteilen und anderer Technik abzuschneiden. Die Exportkontrollen für Hightechprodukte und Software sollen es auch anderen russischen Schlüsselindustrien schwer machen, sich weiterzuentwickeln. Die Einschränkungen bei der Visapolitik sollen sich gegen Russen richten, die bislang privilegierte Einreisemöglichkeiten in die EU hatten. Aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift wird Russland vorerst nicht ausgeschlossen. Ausfuhrverbote etwa für Erdgas sind noch nicht angedacht. Das hätte auch für Europa schmerzhafte Konsequenzen. Was die Finanzmärkte betrifft, lehrten die vergangenen 15 Jahre eines: Je weniger man weiß, was passiert, je weniger man sich auf Veränderungen einstellen kann, desto unangenehmer wird es für die Wirtschaft. 

Der Vorarlberger Wirtschaftslandesrat Marco Tittler spricht inzwischen von einer Tragödie mitten in Europa. Wie stark sich der Krieg auf die heimische Wirtschaft auswirken werde, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. „Zwar sind die direkten wirtschaftlichen Verflechtungen mit Russland und der Ukraine überschaubar. Gerade für eine kleine und exportorientiere Volkswirtschaft wie Vorarlberg können indirekte Effekte unter Umständen aber große Auswirkungen bedeuten“, sagt Tittler. 2020 summierte sich das Exportvolumen aus Vorarlberg nach Russland auf 161 Millionen Euro, die Importe machten 16 Millionen Euro aus.

Keine Stellungnahme
Hubert Bertsch, Vizepräsident der Industriellenvereinigung und Honorarkonsul Russlands in Vorarlberg, möchte den Einmarsch in die Ukraine auf VN-Anfrage nicht kommentieren. Aktuell basiere vieles nur auf Gerüchten, da müsse ein Tag abgewartet werden, um die Lage besser zu kennen. Vorerst sehe er also davon ab, etwas zur Vorgehensweise Russlands zu sagen.