Weniger ist mehr

Politik / 04.04.2022 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Gelegentlich können Nachrichten wie jetzt aus Washington gleichzeitig schockierend und erfreulich sein: Tonnenschwere Monsterautos, rollende Schlachtschiffe, Raketen auf Rädern und sonstige Ego-Beförderungsmittel mit Verbrennungsmotor dürfen künftig nicht mehr verkauft werden. Weil sie Unmengen von derzeit besonders teurem Sprit verbrauchen und kräftig dazu beitragen, die Umwelt umzubringen und das Überleben der Menschheit gefährden.

Dazu verfügte die Regierung von Präsident Biden jetzt, dass US-Autos „für den Personenverkehr“ ab 2026 durchschnittlich 26 Prozent weniger Sprit verbrauchen müssen als bisher: Pro auf dem Prüfstand gemessene 100 km Fahrtstrecke mickrige fünf Liter. Was unter normalen Bedingungen so um die sechs Liter pro 100 km bedeutet. Tatsächlich wird es aber noch etwas mehr sein. Weil die kein Benzin benötigenden Elektro-Autos beim „Flottenverbrauch“ mitgezählt werden. Obwohl die in Sachen Umweltbelastung auch nicht ganz koscher sind.

Aber alles ist besser als Weitermachen wie bisher. Denn wer außer Oligarchen, Potentaten, Krimi-Clan-Mitgliedern, Influenzer-Promis und Zu-kurz-Gekommenen mit frühkindlichen Emotionsschäden braucht wirklich tonnenschwere SUVs oder 320 km/h schnelle Geschosse mit 1000 PS und mehr? Sich den Raubbau an der Umwelt und das Geld-Verbrennen leisten zu können, darf ja nicht automatisch ein Freibrief sein, es tatsächlich auch tun zu dürfen. Bei sicherheitsbedürftigen Politikern, medizinischem Personal und allen anderen Notfall-Helfern sieht die Sache anders aus: Die dürfen so schnell sein und so viel Sprit verbrauchen wie sie müssen.

In den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg waren Autos besonders in Europa durchschnittlich kürzer, leichter und sehr viel langsamer als heute und haben trotzdem kräftig Benzin verbraucht. Letzteres wurde durch technische Fortschritte stark vermindert. Aber drastische Zunahmen bei Maßen, Gewicht und Leistung machten alles wieder zunichte. Die letztlich viel Geld sparende Umkehr dieser Trends würde automatisch zu geringeren Verbräuchen führen. Was Öl-Barone sowie Krieg führende Ölstaaten fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Wieder „kleinere“ Autos zur Rettung der Welt? Ja, bitte her damit. Und weniger Möglichkeit zum Benzin-saufenden Rasen gleich mit. Womit wir beim vielerorts verteufelten „Tempo-Limit“ und dem Freiheitsgeschwurbel im Allgemeinen wären. Leute, es brennt, und wir können löschen.

„Aber alles ist besser als Weitermachen wie bisher.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

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