Sport- und Modegeschäft schließt: “Seit Corona ist nichts mehr wie es war”

Warum sich Martin und Nicole Berchtold bewusst gegen ein Weiterführen ihres Traditionsgeschäfts entscheiden.
Götzis Sie gehen, solange sie noch selbst entscheiden können: Martin und Nicole Berchtold schließen ihr Sport- und Modegeschäft am Garnmarkt in Götzis. “Es ist keine Entscheidung, die man von einem auf den anderen Tag trifft. Wie bei einem Puzzle fügen sich mehrere Teile ineinander.”

Angefangen habe alles mit Corona. Seit der Pandemie sei nichts mehr wie es war. “Wir waren die Jahre zuvor sehr gut aufgestellt, 2019 war das beste Umsatzjahr seit Bestehen”, sagt Martin Berchtold (48). Danach habe sich der Markt jedoch drastisch gewandelt. “Wir spüren seither eine Kaufzurückhaltung und auch das Kaufverhalten hat sich durch die Online-Konkurrenz verändert.”
Umsatz und Fachkräfte
Doch es ist nicht nur der Umsatz. Auch intern habe sich vieles verschoben. “Wir hatten zwei Pensionierungen von Mitarbeitern, die alles von der Pike auf gelernt haben. Solche Leute sind kaum mehr zu finden. Auch das zehrt an den eigenen Kräften”, sagt Nicole Berchtold (42).

Die Summe dieser Entwicklungen, kombiniert mit der Kostenexplosion, führt nun zur Schließung des Geschäfts. “Wir sind weder richtig groß noch klein und in dieser Konstellation sehen wir keine rentable Zukunft mehr, ohne Einbußen bei der Qualität zu machen.” Versucht, das Ruder herumzureißen, haben die Inhaber, die das Geschäft bereits in dritter Generation führen, dennoch.

Gemeinsam mit einem Berater wurde jeder Ansatz geprüft: vom Verkleinern bis zum Standortwechsel. “Aber unterm Strich war keine Variante dabei, die unserem Qualitätsanspruch gerecht wird und gleichzeitig wirtschaftlich darstellbar ist.”

Ohne verbrannte Erde
Am Ende steht eine Entscheidung, die auch für Verantwortung gegenüber Geschäftspartnern stehen soll. “Wir wollten nicht so lange weitermachen, bis wir verbrannte Erde hinterlassen, also in der Insolvenzdatei stehen und unsere Lieferanten nur noch eine kleine Quote bekommen. Für uns war wichtig, diesen Schritt selbstbestimmt zu gehen und nicht erst dann, wenn wir keine Wahl mehr haben. Es ist die Möglichkeit, mit erhobenem Haupt zu gehen”, sagt Martin Berchtold.

Die Monate davor seien intensiv gewesen, geprägt von Zahlen, Szenarien und immer neuen Fragen. “Alles zu analysieren und Möglichkeiten zu denken, ist unsere Pflicht als Unternehmer. Aber genauso ist es unsere Pflicht zu erkennen, wenn es keinen Sinn mehr macht. Es gibt einfach zu viele Unsicherheiten. Der Aufwand wird immer größer, die Marge immer kleiner.”

Innerlich darauf vorbereitet
Dass diese Entscheidung nicht plötzlich kam, zeigt auch die Reaktion der drei Mitarbeiter. “Natürlich waren viele Emotionen dabei, aber innerlich waren sie wahrscheinlich darauf vorbereitet, weil sie die Entwicklung der Frequenz vor und nach Corona tagtäglich im Geschäft erlebt haben. Sie haben zu uns gesagt: Für euch ist das sicher nicht einfach”, erzählt Nicole Berchtold.

Genau das ist es. Die Entscheidung zur Schließung sei hart gewesen, sagen beide. Es schwinge viel Wehmut mit, aber auch eine gewisse Erleichterung, weil der Druck nachlasse. “Wir sind sehr emotional, aber wir sind froh, dass wir uns getraut haben, der Realität den Vorzug zu geben.” Das bedeute, die Notbremse zu ziehen und loszulassen, auch wenn es schwerfalle.

Der letzte Abschnitt
Nun steht der letzte Abschnitt bevor: Am 6. Mai startet der große Abverkauf. Geöffnet ist, bis alles verkauft ist. Die Berchtolds rechnen mit vier bis sechs Wochen. Was die Zukunft für sie beide bringt, ist noch offen. Jedenfalls wollen sie ihr Know-how weiterhin einsetzen. Wo genau, steht noch nicht fest. “Aktuell liegt unser Fokus darauf, bis zur Schließung alles gut über die Bühne zu bringen.”